Kohfeldt über Werder-Zeit: «Als wäre ich der erste Ultra»

Der frühere Werder-Trainer Florian Kohfeldt. Robert Michael/dpa
Der frühere Werder-Trainer Florian Kohfeldt. Robert Michael/dpa

Bremen (dpa) –

Der frühere Werder-Trainer Florian Kohfeldt blickt mit fünf Jahren Abstand auch selbstkritisch auf seine lange Zeit in Bremen zurück. «Ich wollte Werder nach außen so verteidigen, als wäre ich der erste Ultra, nur eben da unten an der Seitenlinie», sagte der Trainer von Darmstadt 98 in einem ausführlichen Interview der «Süddeutschen Zeitung». «Und im Verein habe ich mich für Dinge mitverantwortlich gefühlt, bei denen ich heute sage: Komm, lass das weg, das ist nicht dein originäres Einflussgebiet.»

Kohfeldt war 15 Jahre als Jugend-, Co-, Amateur- und Cheftrainer bei Werder tätig. 2018 wurde er zum «Trainer des Jahres» in der Fußball-Bundesliga gewählt. 2021 musste er den Club einen Spieltag vor dem Erstliga-Abstieg verlassen.

«Zu diesem Club hatte ich die größte Loyalität, die man sich nur vorstellen kann. Die maximale persönliche und emotionale Verbundenheit», sagte Kohfeldt. «Übrigens auch bei wirtschaftlichen Thematiken während Corona oder Vereinswechseln, die damals möglich gewesen wären. Immer und überall habe ich für diesen Verein gekämpft und mir das auch ansehen lassen. Inzwischen habe ich das reflektiert und weiß: Dadurch ist etwas entstanden, was nicht gut, nicht gesund war.»

Werder gegen Darmstadt in der Relegation?

Der 43-Jährige betonte: «Wir haben damals, glaube ich, wichtige Dinge angestoßen: Strukturen, Inhalte, medizinische Abteilung, die Vernetzung mit dem NLZ, solche Sachen.» Aber er sei auch «teilweise übers Ziel hinausgeschossen – weil das aus einer guten Motivation heraus passierte, war das für mich aber lange schwer zu akzeptieren.»

Nach weiteren Stationen beim VfL Wolfsburg und bei KAS Eupen in Belgien arbeitet Kohfeldt seit September 2024 für die «Lilien» in der zweiten Liga. «Bei Werder war ich hunderttausend Prozent all-in, in allem. Auch in Darmstadt bin ich all-in, aber gesünder», sagte er. «Ich glaube, ich weiß nun besser, wann ich mich zurücknehmen muss, aber auch, wann ich vorneweg zu gehen habe.»

Weil Werder aktuell gegen den Bundesliga-Abstieg und Darmstadt um den Bundesliga-Aufstieg spielt, könnten sich beide Clubs im Mai in der Relegation begegnen. «Als Privatmensch wäre dies das Allerschlimmste, was passieren könnte. Aber man darf auch nicht an Realitäten vorbeigucken.», sagte Kohfeldt. «Nach aktuellem Tabellenstand wäre das die Konstellation in der Relegation. Wobei ich natürlich hoffe, dass sich Werder schnell aus dieser bedrohlichen Zone entfernt.»

© dpa-infocom, dpa:260306-930-778673/1

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