Saison zum Vergessen: Werder vor großem Umbruch im Sommer

Clemens Fritz muss in diesem Sommer bessere Transfers tätigen. (Archivbild) Carmen Jaspersen/dpa
Clemens Fritz muss in diesem Sommer bessere Transfers tätigen. (Archivbild) Carmen Jaspersen/dpa

Bremen (dpa) –

Nachdem es auch mit dem versöhnlichen Saisonabschluss nicht geklappt hatte, waren die Bremer Verantwortlichen mehr denn je froh, dass die Spielzeit endlich vorbei ist. «Es war eine Saison zum Vergessen. Wir hatten eine ganz andere Erwartungshaltung an uns selbst, die haben wir nicht erfüllt», räumte Sport-Geschäftsführer Clemens Fritz unumwunden ein. «Nach so einer Saison gibt es auch nichts zu beschönigen. Wir sind alle nicht zufrieden.»

Das bekamen Fritz und Fußball-Chef Peter Niemeyer von den Anhängern auch beim 0:2 gegen Borussia Dortmund noch einmal gespiegelt. Mehrmals wurden auf den Zuschauerrängen Transparente gezeigt, auf denen eine schonungslose Analyse und die Entlassung von Fritz und Niemeyer gefordert wurde. «Das ist vollkommen legitim», sagte Fritz. «Es ist wichtig, dass wir die richtigen Schlüsse ziehen. Noch so eine Saison darf nicht passieren.»

Minimalziel, mehr nicht

Im vergangenen Sommer waren die Grün-Weißen mit dem Ziel Europa in die Saison gestartet, am Ende reichte es mit Ach und Krach für den Klassenerhalt und Platz 15. «Sie können sich sicher sein, dass ich mit keinem guten Gefühl aus der Saison gehe», sagte Werder-Coach Daniel Thioune. «Wir haben das Minimalziel erreicht, aber darüber freuen kann ich mich nicht. Es ist eher so, dass es erleichternd ist.»

Thioune hatte an der Weser von Horst Steffen übernommen. Zwar holte der 51-Jährige im Schnitt sogar weniger Punkte als sein Vorgänger. Doch Thioune gelang es, das Team zumindest zu stabilisieren und in den entscheidenden Spielen zu punkten. Mehr holte aber auch Thioune nicht aus der falsch zusammengestellten Mannschaft heraus. «Ich habe gedacht, dass wir weiter sind, dass wir mehr Konstanz reinbringen können.»

Neuer Chefscout im Anmarsch

Damit das in der neuen Saison gelingt, müssen an der Weser nun viele richtige Entscheidungen getroffen werden. Trotz aller Kritik werden Fritz und Niemeyer auch den Neuaufbau verantworten. Eine Ebene tiefer wird es aber zu Veränderungen kommen. Nach übereinstimmenden Medienberichten soll Markus Pilawa, früher in Dortmund und München tätig, neuer Chefscout werden. Was aus Johannes Jahns, bisheriger Boss bei Werder in diesem Bereich, wird, ist noch unklar.

Mit den guten Kontakten von Pilawa soll dann der Kader umgekrempelt werden. Allerdings sind die Bremer zunächst darauf angewiesen, Spieler zu verkaufen. «Wir leben von Transfereinnahmen. Und um ehrlich zu sein, sind die in den letzten vier Transferperioden ausgeblieben. Das können wir uns nicht immer leisten», stellte Fritz klar.

Backhaus weckt Interesse

Immer wahrscheinlicher wird daher ein Verkauf von Mio Backhaus. Der 22 Jahre alte Torwart war auch gegen Dortmund wieder bester Bremer und hat mit seinen starken Leistungen das Interesse zahlreicher Clubs aus dem In- und Ausland geweckt. Obwohl Backhaus in dieser Saison zum Publikumsliebling wurde, würde Werder ihm bei einer lukrativen Ablösesumme keine Steine in den Weg legen. In diesem Fall würde Leih-Torwart Karl Hein fest verpflichtet.

Ansonsten müssen die Bremer vor allem in der Offensive tätig werden. «Wir haben neun Stürmertore geschossen. Da muss man dann schon sagen, das reicht nicht», sagte Fritz. Transferflop Victor Boniface war gegen Dortmund schon nicht einmal mehr im Stadion.

Werder-Coach Thioune hielt sich bislang mit Forderungen zurück. Das dürfte sich nun ändern. «Jetzt muss man sich vielleicht erstmal einschließen. Und muss auch mal kontrovers diskutieren», sagte Thioune, der sich dann auf die neue Saison freut. «Es wird nicht häufig sein, dass man mit 32 Punkten drei Teams hinter sich lässt. Ich freue mich, in der Vorbereitung etwas zu entwickeln.»

© dpa-infocom, dpa:260517-930-90919/1

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