Bahlsen-Chef zieht Grenze zur AfD – und fordert mehr Haltung

Bahlsen-Chef Alexander Kühnen sieht viele AfD-Positionen als unvereinbar mit den Unternehmenswerten. Michael Matthey/dpa
Bahlsen-Chef Alexander Kühnen sieht viele AfD-Positionen als unvereinbar mit den Unternehmenswerten. Michael Matthey/dpa

Hannover (dpa) –

Bahlsen-Chef Alexander Kühnen fordert ein klares Bekenntnis von Unternehmen zur Demokratie und grenzt sich von der AfD ab. Mit Blick auf die Werte des Keksherstellers sagte Kühnen: «Wenn ich mir anschaue, welche Parteien diese Werte vertreten, dann sind das die demokratischen Parteien. Und es gibt klare Grenzen. Positionen wie Remigration sind für uns nicht akzeptabel.»

Der Manager begründete seine Haltung auch wirtschaftlich. «Wir brauchen Fachkräfte, wir brauchen offenen Handel in Europa, wir brauchen stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen», sagte Kühnen. «Vor diesem Hintergrund ist die AfD für mich keine Alternative – weder unternehmerisch noch persönlich.»

Abschottende Vorstellungen passten nicht zum Familienunternehmen aus Hannover, machte Kühnen deutlich. «Wenn ich national denke und glaube, dass hier nur bestimmte Nationalitäten arbeiten sollten, dann passt das nicht zu uns.» Die meisten Programmpunkte der AfD seien mit Bahlsens Überzeugungen nicht vereinbar.

«Als Wirtschaftslenker tragen wir Verantwortung» 

Kühnen sprach sich dafür aus, dass Unternehmen Haltung zeigen. «Ich glaube sehr stark an die Demokratie und daran, dass wir eine Verantwortung haben, sie zu verteidigen», sagte er. «Als Wirtschaftslenker tragen wir Verantwortung – und zwar eine große.» Er wünsche sich, dass Menschen in solchen Positionen ihre Möglichkeiten stärker nutzten – «für einen guten Zweck». Dazu gehöre für ihn auch der Schutz der Demokratie.

Haltung auch im Unternehmen wichtig

Kühnen zufolge spielt Haltung auch innerhalb des Unternehmens eine immer größere Rolle. Grundlage dafür seien vier Werte, an denen sich Bahlsen im Alltag orientiere: Neugier, Mut, Rückhalt und Ambition. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden seien daraus konkrete Verhaltensweisen für den Arbeitsalltag erarbeitet worden – etwa wertschätzende Zusammenarbeit, Verantwortung und ehrliches Feedback. 

«Heute gilt: Auch wenn du hier der Pförtner bist, kannst du mir genauso Feedback geben wie jeder andere im Unternehmen», sagte Kühnen. «Mit diesen Prinzipien wollen wir unsere Mitarbeitenden dazu ermutigen, Haltung zu zeigen.» Das verändere Bahlsen spürbar.

Familienunternehmen und die AfD

Der Umgang von Unternehmen mit der AfD sorgt seit längerem für Diskussionen. Im vergangenen Oktober hatte der Verband der Familienunternehmer erstmals auch AfD-Vertreter zu einer Veranstaltung eingeladen. Nach scharfer Kritik aus Politik und Wirtschaft sowie dem Austritt namhafter Mitgliedsfirmen korrigierte der Verband seine Position. Präsidentin Marie-Christine Ostermann sprach später von einem Fehler.

© dpa-infocom, dpa:260517-930-89467/1

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