Meppen/Delmenhorst (dpa/lni) –
Hunderte Nistkästen für Meisen werden derzeit von den Straßenmeistereien in vielen Kommunen installiert. Die nur etwas über zehn Zentimeter großen Vögel mit dem auffällig gefärbten Gefieder und einem kurzen, kräftigen Schnabel sind natürliche Fressfeinde des Eichenprozessionsspinner (EPS).
Mit Beginn der Brutzeit sollen die Kästen dafür sorgen, dass sich Meisen zahlreich ansiedeln, um den Baumschädling biologisch zu bekämpfen. «Das ist umweltgerecht und nachhaltig. Die Wirkung ist bei Massenbefall zwar begrenzt, aber durchaus eine sinnvolle Ergänzung», sagt Marc-André Burgdorf, Landrat im Emsland.
Der EPS gehört zur Leibspeise unterschiedlicher Vogelarten – allen voran Meisen, die insbesondere die Raupen im frühen Larvenstadium an ihre Jungtiere verfüttern. Für den Landkreis Emsland, der für Radtouristen ein gefragtes Urlaubsziel ist, stellt der Raupenbefall eine Herausforderung dar. Zur Bekämpfung des EPS werden die Raupennester bei starkem Befall durch Fachfirmen abgesaugt. Biozideinsätze, wie sie im geringen Umfang in den Jahren 2020 und 2021 im südlichen Emsland erfolgten, werden nicht mehr durchgeführt.
Nematoden und Meisen zur Bekämpfung
Auch rund um Delmenhorst sollen Meisen mit neuen Nistkästen angelockt werden. Ein Vogelpaar fresse pro Saison bis zu 17 Kilogramm der Raupen des EPS. Zudem kommen Nematoden zum Einsatz. Diese winzigen Fadenwürmer fressen die Raupen im Frühstadium ihrer Entwicklung. Der feine Sprühnebel der Nematoden wird in der Dämmerung auf die Eichen aufgebracht. Für die Natur und den Menschen sind diese Fadenwürmer unbedenklich.
Um die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig zu warnen, hat die Stadt Delmenhorst Gebiete ausgewiesen, in denen in den vergangenen Jahren vermehrt Eichenprozessionsspinner festgestellt wurden. So sollen Risiken schneller erkennbar und präventive Maßnahmen besser getroffen werden. Die bisher mobilen Schilder werden durch eine dauerhafte Beschilderung ersetzt.
Brennhaare enthalten Nesselgift
Die Raupen des Eichenprozessionsspinners schädigen Bäume und können auch Menschen gefährlich werden. Ihre feinen Härchen lösen Atembeschwerden, Juckreiz und Entzündungen aus. Das in den Brennhaaren enthaltene Nesselgift kann auch Schwindel und Fieber verursachen, in Ausnahmefällen droht sogar ein lebensgefährlicher allergischer Schock.
Nachts ziehen die älteren Raupen aus ihren Nestern in Eichen in langen Kolonnen auf Nahrungssuche, daher hat der Schmetterling seinen Namen. In den vergangenen Jahren hat sich der unscheinbare kleine Nachtfalter immer weiter ausbreiten können. Experten machen dafür die gestiegenen Temperaturen vor allem im Frühling verantwortlich.
Die Larven schlüpfen in der Regel ab Ende April. Nach der zweiten Häutung entwickeln sich die Brennhaare und können vom Wind weit verteilt werden. Auch nach Jahren behalten sie ihre Wirkung. Deshalb raten die Behörden, befallene Gebiete zu meiden.
Wer mit den Raupenhaaren in Kontakt geraten ist, sollte nach einer Empfehlung des Bundeslandwirtschaftsministeriums möglichst rasch duschen und die Haare waschen. Auch die Kleidung sollte gewechselt und gereinigt werden. Bei Hautausschlag, Atemnot oder anderen allergischen Reaktionen sollte ein Arzt aufgesucht werden.
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