Hohn (dpa/lno) –
31 Brunnen am Fliegerhorst Hohn (im Kreis Rendsburg-Eckernförde) sind mit sogenannten Ewigkeitschemikalien (PFAS) belastet. Der Kreis teilte mit, dass die Bundeswehr seit Längerem ihre Militärstandorte auf Altlasten untersuche. 2019 wies man auf dem Gelände erstmals erhöhte PFAS-Werte im Bereich des Feuerlöschübungsbeckens nach. Die Verunreinigungen entstanden vor allem durch den Einsatz von PFAS-haltigem Feuerlöschschaum bei Übungen, der damals noch erlaubt war. Zuvor hatte das «Flensburger Tageblatt» berichtet.
PFAS kommen nicht natürlich vor und überdauern je nach Stoff extrem lange in der Umwelt – daher die Bezeichnung Ewigkeitschemikalien. Sie stehen unter anderem im Verdacht, Leberschäden sowie Nieren- und Hodenkrebs zu verursachen. Aufgrund ihrer einzigartigen Merkmale werden die Substanzen in einer großen Zahl vor allem in industriellen Produkten und Alltagsgegenständen verwendet – von Anoraks über Pfannen bis hin zu Kosmetik.
Weiterführende Recherchen an dem Flugplatz wurden durch die Bundeswehr in den Jahren 2020 bis 2025 durchgeführt, hieß es. Im vergangenen Jahr lieferten erste verlässliche Daten Hinweise darauf, dass die Ewigkeitschemikalien über das Oberflächenwasser auch außerhalb des Militärgeländes gelangt sein könnten.
Regierung: Ewigkeitschemikalien richten irreversiblen Schaden an
Schleswig-Holsteins Umweltstaatssekretärin Katja Günther (Grüne) sagte der Deutschen Presse-Agentur, «wir setzen uns dafür ein, dass PFAS möglichst zügig und möglichst umfassend eingeschränkt werden». Viele dieser Stoffe seien hormonell wirksam und krebserregend. «Im Trinkwasser hat PFAS nichts zu suchen.» Sie wolle sich unverzüglich vom zuständigen Landrat über die Lage berichten lassen.
«PFAS, die bereits in Flüssen, Seen und Meeren sind, lassen sich praktisch nicht wieder herausholen», sagte Günther. Deshalb müsse verhindert werden, dass immer mehr davon in die Umwelt gelangten und Menschen schadeten. Sie verwies auf ein bereits laufendes Beschränkungsverfahren auf EU-Ebene. «Die Landesregierung hat ein PFAS-Sonderprogramm gestartet, um Kommunen dabei zu unterstützen, besonders kontaminierte Flächen wie die am Bundeswehr-Flugplatz Hohn zu untersuchen.»
Mehrere Brunnen mit PFAS-Werten über Grenzwert
Im November prüfte daher das Gesundheitsamt des Kreises zunächst 20 Brunnen nahe dem Flugplatz, im Dezember folgten über 100 weitere Wasseranlagen in den Gemeinden Lohe-Föhrden, Königshügel, Alt Duvenstedt und Fockbek. Viele Menschen bezögen dort ihr Trinkwasser aus Kleinbrunnen.
Bei den Untersuchungen fanden die Experten in sieben Brunnen PFAS-Werte über dem Grenzwert, in 24 Brunnen darunter. Alle anderen Wasseranlagen waren frei von Ewigkeitschemikalien. Für die Brunnen mit zu hohen PFAS-Werten riet das Gesundheitsamt, das Wasser weder zu trinken noch zum Kochen zu nutzen.
Der Kreis kündigte zudem eine dritte Probenserie an, die 25 weitere Brunnen im östlichen Umfeld des Flugplatzes Hohn umfasst.
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