Studie: Olympia kann Mieten in Hamburg steigen lassen

Eine Studie des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags kommt zu dem Schluss, dass Olympische Spiele durchaus zu steigenden Mieten und Immobilienpreisen führen können. (Symbolbild) Mike Egerton/Press Association/dpa
Eine Studie des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags kommt zu dem Schluss, dass Olympische Spiele durchaus zu steigenden Mieten und Immobilienpreisen führen können. (Symbolbild) Mike Egerton/Press Association/dpa

Hamburg (dpa/lno) –

Olympische Spiele können zu steigenden Mieten und Immobilienpreisen in den Gastgeberstädten führen. Das geht aus einem Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags hervor. Die Gefahr bestehe vor allem dann, wenn Investitionen in Infrastruktur und Stadtentwicklung die Attraktivität einzelner Viertel steigern, heißt es darin.

Die Untersuchung im Auftrag der Hamburger Bundestagsabgeordneten Cansu Özdemir (Linke), die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, basiert auf bestehenden Studien, die sich mit den Auswirkungen auf die Mietentwicklung in den austragenden Städten bei vergangenen Olympischen Spielen beschäftigt hatten.

Kein zwingender Zusammenhang zwischen Spielen und Mieten 

Die Wissenschaftler wiesen aber auch darauf hin, dass diese Effekte nicht einheitlich aufträten, sondern zwischen Städten und sogar innerhalb einzelner Stadtteile variierten. Außerdem betonten sie, «dass es keinen zwingenden Zusammenhang zwischen Olympischen Spielen und steigenden Immobilien- oder Mietpreisen gibt». Als Beispiele nannten sie Atlanta (1996) oder Los Angeles (1984), wo die Preise stabil geblieben oder sogar gesunken seien.

Die tatsächlichen Auswirkungen hingen insbesondere von Faktoren wie Stadtplanung, Nachnutzung der Anlagen, allgemeinen Markttrends sowie politischen Steuerungsmaßnahmen ab. Ohne geeignete Maßnahmen bestehe jedoch ein erhöhtes Risiko von Gentrifizierung und Verdrängung einkommensschwächerer Haushalte, warnten die Forscher.

Studie: Steigende Hauspreise bei den vergangenen fünf Spielen

Der Untersuchung zufolge zeigen die fünf Sommerspiele zwischen 2000 und 2016 (Sydney, Athen, Peking, London und Rio de Janeiro), dass die Immobilienpreise und Mieten von der Vergabe bis zu den Spielen selbst teils deutlich gestiegen seien. In Hamburg drohe Ähnliches, sind die Linken überzeugt. Sie widersprachen damit dem rot-grünen Senat. Dieser hatte auf eine Kleine Anfrage der Linken-Bürgerschaftsfraktion im April erklärt, dass Olympia keinen Einfluss auf die Mietpreisentwicklung in Hamburg haben werde.

«Für hunderttausende Menschen könnte Olympia ein weiterer Baustein sein, sich das Leben in der Stadt noch weniger leisten zu können», warnte Özdemir. Hamburg brauche keine weiteren Prestigeprojekte, die zulasten der Menschen gingen. 

Die Hamburger Co-Fraktionsvorsitzende Heike Sudmann betonte: «Die Senatsbehauptung auf den Werbeplakaten «Olympia bringt stabile Mieten» ist genauso falsch wie der Satz von Norbert Blüm: «Die Rente ist sicher.»» Der Senat wolle Hamburg unbedingt auf die Weltkarte setzen, die zusätzlichen Touristinnen und Touristen würden jedoch die Wohnungsnot durch Angebote wie Airbnb verschärfen. 

Olympia-Referendum am 31. Mai

Am 31. Mai wird über Hamburgs Olympia-Bewerbung abgestimmt. Die Unterlagen für die Briefwahl wurden schon Ende April verschickt. Neben Hamburg sind auch Berlin, München und die Region Rhein-Ruhr mit Köln als Metropole im Rennen um eine Kandidatur. Die Entscheidung über den deutschen Olympia-Bewerber soll im September fallen. Es geht um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044.

© dpa-infocom, dpa:260520-930-103540/1

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