Hamburg (dpa) –
Für seine Reportage «Du bist wie ein Vater für mich. Nicht so ein Arsch wie mein letzter» ist der Journalist Philipp Daum («Zeit») mit dem «Egon Erwin Kisch-Preis» ausgezeichnet worden. Er nahm den Stern-Preis am Abend in Hamburg entgegen.
Neun Tage lang begleitete Daum als Betreuer ein Abenteuercamp für Kinder von Eltern, die im Gefängnis sitzen. «Die Jugendlichen wissen, dass er seine Erlebnisse und ihre Geschichten mitschreibt. Er erwirbt ihr Vertrauen und wahrt dennoch Distanz», begründete die Jury ihre Entscheidung.
In der Kategorie «Dokumentation» gewann Katrin Wegner mit ihrer Serie «Akutstation Psychiatrie» (ARD-Mediathek). Mehrere Wochen verbrachte die Autorin in einer psychiatrischen Klinik in Hessen, oft bis zu zehn Stunden am Tag. «Sie taucht ab in Beobachtungen und lange Gespräche, allein, ohne Kamerateam», heißt es in der Begründung der Jury. So sei ihr «eine Nahaufnahme von seltener Eindringlichkeit» gelungen.
«Vom Gerichtsberichterstatter zum Investigativreporter»
In der Kategorie «Lokal» gewann Journalist Erik Westermann mit einer Recherche für die «Braunschweiger Zeitung» in Kooperation mit «Der Spiegel»
zu einem großen Missbrauchsprozess, der sich als Justizirrtum entpuppte. Westermann habe sich «vom Gerichtsberichterstatter zum Investigativreporter» gewandelt und auch seine eigene Rolle hinterfragt, begründete die Jury.
Die «Fotogeschichte des Jahres» gelang Fotograf Emile Ducke mit einer Reise quer durch Syrien: In «Die Schatten des Sieges», erschienen in der Wochenzeitung «Die Zeit», fing er laut Jury «in diesem vom Bürgerkrieg zerstörten Staat den Raum zwischen Hoffnung und Angst, zwischen Freude und Brutalität» ein.
Mit ihrer Serie «Der Kinderpsychiater – Die Macht des Dr. Winterhoff» (ARD Mediathek) führte auch Nicole Rosenbach, die Preisträgerin in der Kategorie «Investigation», die Jury in die Welt der Psychiatrie. Ihr Bericht über den stark umstrittenen Arzt bringe Licht «in ein sonst verschlossenes System, dem vor allem Kinder im System der psychiatrischen Jugendhilfe ausgesetzt sind», hieß es.
Der Preis wird vom Magazin «Stern» gestiftet, unabhängige Jurymitglieder entscheiden. Die Zeitschrift zählte früher zum Verlagshaus Gruner + Jahr und inzwischen zu RTL Deutschland.
Die Auszeichnung Stern-Preis heißt traditionell eigentlich Nannen Preis. Er ist einer der wichtigsten Journalistenpreise in Deutschland. Wegen noch laufender Forschung rund um die Vergangenheit des «Stern»-Pioniers Henri Nannen im Nationalsozialismus wurde er zum vierten Mal als Stern-Preis vergeben.
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