Ethikrat: Buckelwal-Drama löst bei einigen die Ohnmacht auf

Der menschliche Eingriff in die Natur ist laut Ethikrat so stark, dass Menschen eine moralische Verantwortung tragen, bestimmte Arten bis zu einem gewissen Maß zu helfen. Bernd Wüstneck/dpa
Der menschliche Eingriff in die Natur ist laut Ethikrat so stark, dass Menschen eine moralische Verantwortung tragen, bestimmte Arten bis zu einem gewissen Maß zu helfen. Bernd Wüstneck/dpa

Kirchdorf/Berlin (dpa) –

Das Drama rund um den vor der Ostsee-Insel Poel gestrandete Buckelwal sorgt nach Ansichten des Deutschen Ethikrats bei einigen Menschen für mehr Handlungsfähigkeit statt Ohnmacht. 

Einige bekämen das Gefühl, «hier noch irgendwas machen zu können, irgendwas tun zu können, irgendwas noch zu tun, weil alle anderen Krisen, sei es die Klimakrise, sei es die Kriege, ja doch in ein gewisses Ohnmachtsgefühl führen», sagte eine Sprecherin des Deutschen Ehtikrats in einem am Freitag aufgezeichneten Interview mit dem Sender News5. «Wir fühlen uns ohnmächtig und da können wir jetzt was tun.» Das erkläre die Reaktion vieler, die sonst keine Nähe zu Walen gehabt hätten.

Das Phänomen, dass so eine Mensch-Tier-Beziehung wichtiger erscheine als alle Kriegsszenarien um uns herum, sei auch ein Zeichen der Zeit, sagte sie. «Und es ist sehr interessant, dass in diesen großen Krisenzeiten diese, in Anführungszeichen, kleine, für manche sehr große Krise, ja alles andere überschattet.»

Ethische Abwägungen bei der Frage der Rettung

Die Frage nach der richtigen Hilfe sowie dem Umfang müsse stets neu beurteilt werden. «Ich würde immer sagen, maximal viel für das Tier, aber auch nicht unverhältnismäßig für den Menschen.» Dieses Abwägen mache es schwierig, eine Seite für die richtige zu beurteilen. «Es ist ein Prozess, immer wieder zu entscheiden, jeden Tag.»

Die Meinung der Fachwissenschaft sei elementar. «Ich würde immer Meeresforscher, diejenigen, die sich wirklich mit den Walen auskennen, fragen, weil die können es am besten beurteilen», sagte sie. Sie sprach sich gegen sogenannte Quasiexperten aus. Der sehr spezifische Fall des Buckelwals sei sowohl eine tierethische, als auch eine medienethische Frage

Eine gewisse Verpflichtung der Menschen bestehe aber: «Der menschliche Eingriff in die Natur ist so stark, also wir sind so invasiv, dass wir immer mehr moralische Verantwortung tragen, auch solche Arten zu retten.»

© dpa-infocom, dpa:260418-930-962181/1

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