Letzter Castor aus UK – Wie es in Brokdorf weitergeht

Mitte Juni soll der Castor-Transport das stillgelegte AKW Brokdorf erreichen. (Archivbild) Marcus Brandt/dpa
Mitte Juni soll der Castor-Transport das stillgelegte AKW Brokdorf erreichen. (Archivbild) Marcus Brandt/dpa

Brokdorf (dpa) –

Der letzte Transport mit sieben Behältern radioaktiver Abfälle aus der britischen Aufarbeitungsanlage Sellafield trifft in den nächsten Tagen in Schleswig-Holstein ein. Im Zwischenlager Brokdorf im Kreis Steinburg laden Mitarbeiter die Behälter vom Fahrzeug, wie ein Sprecher der zuständigen bundeseigenen BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung der dpa erklärte. Anschließend bringen sie die Behälter an ihren Stellplatz im Lagerbereich. Doch wie läuft dieser Prozess genau ab?

Nach der Ankunft der Behälter wird den Angaben nach zunächst am Transportfahrzeug wie auch an den Behältern eine Kontaminationsmessung vorgenommen. Im nächsten Schritt wird der über 100 Tonnen schwere Behälter mittels eines Krans gehoben, aufgerichtet und in den Wartungsbereich des Zwischenlagers gebracht. Während dort zusätzliche Dichtheitsprüfungen vorgenommen werden, wird oberhalb des sogenannten Primärdeckels ein zweiter Deckel montiert. 

Der Hohlraum zwischen beiden Deckeln wird mit Helium gefüllt, erklärte der BGZ-Sprecher. Das Helium ermögliche eine ständige Kontrolle: Sinkt der Druck, weist das auf eine nachlassende Dichtungsfunktion hin. Zur zusätzlichen Abschirmung wird eine Schutzplatte obendrauf gesetzt. Nach weiteren Kontrollen und Messungen werden die Behälter schließlich auf den finalen Stellplatz im Lagerbereich gebracht und an das Überwachungssystem angeschlossen.

Überreste von Brennelementen aus Deutschland

Das Zwischenlager bietet dem Sprecher zufolge 100 Stellplätze für Behälter. Derzeit lagern dort 76 Castor-Behälter mit Brennelementen aus dem Kernkraftwerk Brokdorf. Mit der Aufnahme der sieben Behälter aus Sellafield endet der Einlagerungsbetrieb am Standort. Die dann insgesamt 83 Behälter bleiben dort, bis sie in ein Endlager abgegeben werden. 

Bei dem aus Sellafield eintreffenden Atommüll handelt es sich um Überreste von Brennelementen aus deutschen Kernkraftwerken, die in England aufgearbeitet wurden. Deutschland hat sich völkerrechtlich zur Rücknahme dieses Mülls verpflichtet. Die Rückführung von Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague war bereits 2024 abgeschlossen worden.

Nicht der erste Transport aus der Wiederaufarbeitung

Bis 2005 wurden laut der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken zur Wiederaufarbeitung nach Großbritannien und Frankreich transportiert. Die dabei angefallenen, in Deutschland verursachten hochradioaktiven Abfälle wurden größtenteils bereits nach Deutschland zurücktransportiert. 

Bereits im November 2020 brachte man sechs Behälter aus der britischen Wiederaufarbeitung ins Zwischenlager Biblis in Hessen. Im November 2024 kehrten den Angaben zufolge vier Castor-Behälter aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in Frankreich ins Zwischenlager Philippsburg in Baden-Württemberg zurück. Im April 2025 transportierte man sieben Behälter aus Sellafield ins Zwischenlager Isar nach Bayern.

Insgesamt gibt es 16 Zwischenlager in Deutschland. Endlager, in denen auf Hunderttausende Jahre hinweg strahlender Atommüll sicher gelagert werden soll, gibt es bisher nicht. Bis Mitte des Jahrhunderts soll ein Standort für das Endlager hochradioaktiver Abfälle bestimmt werden, heißt es von der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung.

Bündnis kündigte Protestaktionen gegen Transport an

Das Schiff mit den verbleibenden Castor-Behältern aus dem britischen Sellafield stach am Mittwochabend in See, wie ein Sprecher der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) mitteilte. In welchem Hafen das Schiff anlegt und auf welcher Route die Behälter den Weg ins Zwischenlager Brokdorf finden, ist nicht bekannt.

Das Bündnis «Castor-Stoppen» kündigte für kommenden Mittwoch (17. Juni) eine Mahnwache am S-Bahnhof Hamburg-Barmbek an. Auch an anderen Orten entlang einer möglichen Transportstrecke und am Kernkraftwerk Brunsbüttel seien Protestaktionen geplant. «Solange für den bisher entstandenen Atommüll keinerlei tragfähiges Konzept zur dauerhaften Lagerung existiert, müssen Atomtransporte unterbleiben», erklärte eine Sprecherin des Bündnisses.

© dpa-infocom, dpa:260613-930-217869/2

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