Hamburg (dpa/lno) –
Mit der Hand streicht Waschwagenfahrer Gorden Jeschkeit über das Fenster einer 120 Meter langen Hamburger U-Bahn. «Das ist der Hamburger Schmutz und der muss runter, damit die U-Bahn wieder glänzt», sagt der 50-Jährige mit einem Blick auf seine schmutzigen Finger. Nach 28 Tagen im Großstadtverkehr ist es wieder Zeit für eine Runde durch die XXL-Waschanlage der Hochbahn in der U-Bahn-Werkstatt Farmsen.
So wie jeder Verbraucher bei seiner Waschmaschine oder in einer Autowaschanlage muss sich auch Jeschkeit für ein Programm entscheiden: Normalwäsche oder Intensivwäsche? Heute reiche der normale Waschgang, meint der Fahrer. Er geht an der U-Bahn entlang und prüft, ob alle Fenster geschlossen sind, damit kein Wasser eindringt.
Seit 20 Jahren arbeitet Jeschkeit bei der Hochbahn, in der Waschanlage ist er seit einem Dreivierteljahr eingesetzt. Der Mann steigt ein, nimmt im Fahrerraum Platz und meldet: «Gleis 22, fahrbereit für die Wäsche.» Langsam setzt sich die leere U-Bahn des Typs DT5 bei strahlendem Sonnenschein in Bewegung. Bei der Einfahrt in die Anlage wird es dunkel, Lichter gehen an. Die Wagen werden automatisch mit Wasser und Waschmittel besprüht, Schaum rinnt über die Scheiben.
3500 Liter Wasser pro Waschgang
Während der Beauty-Kur nähern sich insgesamt rund 30 riesige, rote Bürsten rotierend den Wagen und spülen kraftvoll den Dreck runter. Doch Bürste ist nicht gleich Bürste, wie die Namen verraten: Ob Portalbürste, Dachbürste, Seitenbürste oder Faltenbalgbürste – jede hat ihre individuelle Aufgabe.
3500 Liter Wasser pro Waschgang reinigen laut Hochbahn die verschmutzten Wagen. Davon werden 2500 Liter als Brauchwasser wiederverwendet, erklärt Werkstatt-Leiter Bernd Kühn (52). 1000 Liter kommen nach seinen Angaben aus einem Brunnen. «Also es ist kein Trinkwasser.» Der Waschmittelverbrauch pro Vollzug liegt nach Angaben der Hochbahn zwischen fünf und sechs Litern Neutralreiniger.
U-Bahn wird Stück für Stück gewaschen
Die ersten Wagen schieben sich wieder ins Helle und halten auf einer Brücke. Darunter rauscht der Autoverkehr einer Hauptverkehrsstraße durch. Der Fahrer erklärt den Stopp: «Die hinteren Wagen müssen auch noch gewaschen werden, es wird ja Stück für Stück gewaschen.»
Das hat mit der Anlage zu tun: «Diese Bauart ist sicherlich etwas Besonderes, weil wir nur so wenig Platz hatten, überhaupt eine Waschanlage errichten zu können», sagt Kühn. Man kenne eher große, geschlossene Hallen, in der sich das Fahrzeug nicht bewege. Diese Halle sei aber deutlich kürzer. «Dort ist es möglich, dass man mit einer Spill-Anlage das Fahrzeug spannungslos durch die Waschanlage durchzieht.»
Wäsche alle 28 Tage
Die Betriebswerkstatt Farmsen existiert nach Angaben von Kühn seit mehr als 60 Jahren. Die Waschanlage gibt es seit Ende der 1980er Jahre und wurde 2023 saniert. Auch zu einer Hochbahn-Werkstatt in Billstedt gehört eine Waschanlage.
Alle 28 Tage kommt ein Zug zur technischen Überprüfung in die U-Bahn-Werkstatt Farmsen, im Vorlauf der Inspektion wird gewaschen. Zwei Waschwagenfahrer kümmern sich um die Außenpflege. Für die Innenreinigung ist laut Hochbahn an den Endhaltestellen und in der Nacht ein Tochterunternehmen zuständig.
Verkehrsbehörde: «Sauberkeit ist kein Luxus»
«Mit der Waschanlage in Farmsen setzt die Hochbahn ein klares Zeichen für moderne Mobilität», sagt die Sprecherin der Hamburger Verkehrsbehörde, Renate Pinzke. «Sauberkeit im ÖPNV ist kein Luxus, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil eines attraktiven und zuverlässigen Nahverkehrs. Sie trägt maßgeblich dazu bei, dass sich die Fahrgäste wohl und sicher fühlen.»
Ein Waschgang dauert 40 Minuten
Pro Tag werden in dieser Anlage sechs bis sieben U-Bahnen gereinigt, wie Jeschkeit sagt. Sie trocknen an der Luft. Während der Wäsche werde der Zug angehalten, um die Klimafilter zu wechseln, berichtet der Fahrer. «Zum Schluss wird die U-Bahn einmal imprägniert mit einem Glanzspray, damit sie von außen schön aussieht.» Nach rund 40 Minuten ist der Waschgang beendet. Jeschkeit fährt die U-Bahn zurück an ihren Platz, schaut die Wagen von außen an. Wieder streicht er mit der Hand über ein Fenster. Mit Blick auf seine sauberen Finger ruft er zufrieden: «Perfekt!»
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