Kiel (dpa) –
Im Vorgriff auf einen möglichen Einsatz in der Straße von Hormus ist das Minenjagdboot «Fulda» der Deutschen Marine von Kiel aus in Richtung Mittelmeer unterwegs. Verabschiedet von Angehörigen und begleitet von den Klängen des Marinemusikkorps Ostsee und einer Wasserfontäne der Feuerwehr verließ die «Fulda» um 14.15 Uhr ihren Kieler Heimathafen. An Bord anderer Einheiten im Marinestützpunkt standen Soldatinnen und Soldaten während des Ablegemanövers in sogenannter Passieraufstellung an Deck.
Die Marine will Boot und Besatzung näher an das mögliche Einsatzgebiet bringen, sollte es zu einem internationalen Marineeinsatz zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus kommen.
Für den Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Axel Deertz, zeigt der Einsatz, «mit welcher Wucht globale Sicherheitsfragen in unseren Alltag eindringen». Die Marine leiste permanent ihren Beitrag, verzugslos und bedrohungsangepasst auf eine Vielzahl von Herausforderungen zu reagieren. «Das tun wir mit der kleinsten Flotte aller Zeiten, die wir gerade komplett neu und umbauen. Alles, was fahren kann, fährt.»
Das Auslaufen sei Routine und Ausnahme zugleich, sagte Deertz. «Es ist Routine, weil es das neue Normal abbildet, nämlich auf Unvorhergesehenes verzugslos reagieren zu können und mit einer Reihe unbeantworteter Fragen auszulaufen.» Die gegenwärtige Krise sei «eine Episode in einer Welt voller Unordnung». Die Soldaten führen nicht in ein Übungsvorhaben, sondern in ein Krisengebiet, das sich dynamisch entwickeln könne.
Ein Einsatz ist noch längst nicht beschlossen
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat eine deutsche Beteiligung an einem internationalen Militäreinsatz zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus angeboten. «Voraussetzung für ihren tatsächlichen Einsatz vor Ort bleiben ein effektives Ende der Kampfhandlung, die Zustimmung des Deutschen Bundestages und ein entsprechender völkerrechtlicher Rahmen», sagte Deertz. Unter Führung Frankreichs und Großbritanniens bereitet ein internationales Bündnis einen möglichen Marineeinsatz nach einem Ende der Kampfhandlungen vor.
Die Kommandeurin des 3. Minensuchgeschwaders, Fregattenkapitän Inka von Puttkamer, sagte an die Crew gerichtet: «Ich will nur noch einmal sagen, dass ich es bemerkenswert finde, mit welcher Haltung diese Besatzung an diesen wirklich noch ungewissen Einsatz rangeht.»
Bei der Auslaufzeremonie sprach auch Fuldas Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU). «Wir wollen mit unserer Anwesenheit ein bewusstes Zeichen setzen für den Fortbestand dieser engen Verbundenheit zur Stadt Fulda», sagte Wingenfeld. Die Stadt habe 1959 die Patenschaft für Minenjagdboote mit dem Namen der Stadt übernommen. Ihm sei bewusst, dass das heutige Auslaufen anders sei. «Denn ja, es ist in besonderer Weise eine Fahrt ins Ungewisse.»
Das kann die «Fulda»
Neben der aus 42 Soldatinnen und Soldaten bestehenden Stammcrew sind vier Minentaucher an Bord. Die 1998 in Dienst gestellte «Fulda» verfügt über eine Taucherdruckkammer. Die insgesamt zehn Boote der Frankenthal-Klasse, zu der sie gehört, sind mit Drohnen ausgerüstet, die auf verschiedene Arten Gegenstände wie Minen orten können. Anschließend können Minentaucher die Sprengkörper unschädlich machen. Neben autonomen Drohnen, die ein bestimmtes Seegebiet selbstständig erkunden, stehen gelenkte Unterwasserdrohnen zur Verfügung, die über eine Kamera und einen Greifer verfügen.
Andere, sogenannte Hohlstablenkboote der Seehund-Klasse können zudem magnetische und akustische Signaturen von Schiffen simulieren, um Minen gefahrlos zur Detonation zu bringen.
Nach Marineangaben kann die «Fulda» auf extrem leise Schleichfahrt gehen, um selbst der Gefahr durch Minen zu entgehen. Die Minenjagdboote besitzen einen Rumpf aus nicht-magnetischem Stahl. Zudem haben die Boote eine Magnet-Eigenschutz-Anlage. Diese kann Magnetfelder unterdrücken, die durch elektrische und elektronische Systeme an Bord entstehen.
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