Sanierungsarbeiten am Leuchtturm Neuwerk beginnen

Die Sanierungsarbeiten des Neuwerker Leuchtturms haben begonnen. (Symbolbild) Marcus Brandt/dpa
Die Sanierungsarbeiten des Neuwerker Leuchtturms haben begonnen. (Symbolbild) Marcus Brandt/dpa

Hamburg (dpa/lno) –

Vor über 700 Jahren aus Backstein errichtet, um Piraten abzuschrecken: Der 23 Meter hohe Leuchtturm auf Hamburgs Nordseeinsel Neuwerk wird seit Freitag offiziell saniert. «Neuwerk ist immer noch eine Ruhe-Oase in der Nordsee, aber es ist Vieles in Bewegung und im Umbau», teilte Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) mit. «Wir investieren in den Leuchtturm, verschiedene Wohnprojekte und die Infrastruktur vor Ort.»

Neuwerk liegt rund 100 Kilometer vom Hamburger Stadtzentrum entfernt – und etwa 15 Kilometer nordwestlich von Cuxhaven. Rund 20 Menschen leben den Angaben zufolge derzeit auf der Insel mitten im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer. «Genau wissen wir es nicht. Hier geistert die Zahl 18 rum, manchmal heißt es aber auch 22», sagte eine Sprecherin der Finanzbehörde. Der etwa 120 Hektar große Inselkern ist von einem mehrere Meter hohen Deich umgeben. 

Rund 40 Millionen Euro nimmt die Stadt in die Hand, um umfassende Umbauarbeiten auf der Insel voranzutreiben. Dressel bezeichnete den Start der Sanierungsarbeiten als «starkes Zeichen für den Erhalt unseres kulturellen Erbes und die Zukunftsfähigkeit der Insel». 

Materialien und Maschinen werden übers Watt transportiert

Mehr als die Hälfte der Investitionen – 22 Millionen Euro – sind allein für die denkmalgerechte Sanierung des Leuchtturms einkalkuliert, 3,55 Millionen Euro davon stammten vom Bund, hieß es. Das Denkmal ist den Angaben zufolge der älteste Profanbau Hamburgs und der älteste Leuchtturm an der Nordseeküste. 

Nach einer umfangreichen Planungs- und Genehmigungsphase starte nun die aktive Bauphase. Im Mittelpunkt stehe die denkmalgerechte Restaurierung der historischen Fassade, im Herbst soll die Sanierung des Innenbereichs folgen. Die abgeschiedene Insellage mache das Projekt zu einer besonderen Herausforderung: Materialien und Maschinen würden seit April sowohl über das Watt als auch per Schiff auf die Insel transportiert. Auch parallele Arbeiten seien nur bedingt möglich. 

Ziel sei es, den jahrhundertealten Turm nicht nur zu bewahren, sondern wieder mit Leben zu füllen: Ab 2028 soll der Leuchtturm erneut Gäste empfangen – als Hotel, Restaurant und sogar als außergewöhnliche Hochzeitslocation. Der letzte Pachtvertrag war 2020 ausgelaufen. Die Geschichte dieses besonderen Ortes solle «auch für kommende Generationen erlebbar» bleiben, teilte Kultursenator Carsten Brosda (SPD) mit. 

Zwei neue Hotels – Stadt sucht noch Pächter

Für zwei weitere Hotels, «Nige Hus» und «Das altes Fischerhaus», die die Stadt in Kürze erwerben wolle, würden noch neue Pächterinnen oder Pächter gesucht: Interessierte seien eingeladen, sich zu melden, hieß es in einer Mitteilung. 

Obwohl genug Platz ist, sei es wegen hoher baurechtlicher Auflagen kompliziert, neuen Wohnraum auf der Insel zu schaffen. «Deswegen muss man die Gebäude nutzen, die schon da sind», erklärte eine Sprecherin der Finanzbehörde. Der Umbau zweier Häuser zu Wohnzwecken, die neben der ehemaligen Schule stehen, befinde sich bereits in den letzten Zügen. Zwölf weitere Wohneinheiten seien in Planung. Auch die Schule selbst könne jederzeit wieder in Betrieb genommen werden, so die Sprecherin. «Ohne Kinder keine Lehrer und dementsprechend auch keine Schule.»

Die Umbauarbeiten beruhten auf einem Konzept, das 2020 in Zusammenarbeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern Neuwerks erarbeitet worden sei. Demnach sollen Einwohnerzahl und Tourismus auf der Insel «perspektivisch moderat wachsen».

Archäologische Grabung geplant

Neben dem Turm genießt auch die sogenannte Turmwurt, auf der das Gebäude steht, als eingetragenes Bodendenkmal besonderen Schutz. Deshalb ist auch das Archäologische Museum Hamburg vor Ort: Die Umbauarbeiten werden von einer viermonatigen archäologischen Grabung begleitet. 

«Die Erkenntnisse, die wir uns von dieser Grabung erhoffen, sind deshalb sehr wertvoll, weil wir über die Archäologie der Insel und dieses bedeutende Bauwerk praktisch nichts wissen», erklärte Hamburgs Landesarchäologe und Direktor des Archäologischen Museums, Rainer-Maria Weiss. Ziel sei es, neue Erkenntnisse zur Entstehung und Entwicklung der mittelalterlichen Turmwurt zu gewinnen und «die kulturelle Identität der Insel zu bewahren», so Weiss.

Finanzsenator Dressel legte allen Städtern einen Besuch nahe: «Alle Hamburgerinnen und Hamburger sind eingeladen, die bevorstehende Saison für einen Abstecher auf „ihre“ Insel zu nutzen.»

© dpa-infocom, dpa:260522-930-116816/1

Copy LinkCopy Link
Zur Startseite