Hamburg (dpa/lno) –
Wegen sexuellen Missbrauchs eines Jugendlichen hat am Landgericht Hamburg ein Prozess gegen einen Pastor begonnen. Die Anklage wirft dem 63-Jährigen vier Straftaten vor: Er soll im Jahr 2022 einen Jugendlichen in drei Fällen missbraucht haben. In einem weiteren Anklagepunkt geht es um den Besitz kinderpornografischer Bilder.
Der von der Nordkirche suspendierte Geistliche sagte auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob er sich zu der Anklage äußern wolle: «Jetzt noch nicht.» Vor der Vernehmung des damals 15-Jährigen schloss das Gericht auf Antrag der Nebenklage die Öffentlichkeit aus.
Die sexuellen Kontakte des 15-Jährigen soll dessen Vater vermittelt haben, gegen den ebenfalls ein Gerichtsverfahren läuft. Der Pastor soll insgesamt 2.800 Euro an den Vater und – zu einem kleineren Teil – an den Sohn gezahlt haben.
Erstes Gespräch über Konfirmation
Das erste gemeinsame Treffen habe im Pfarrhaus stattgefunden, hieß es in der Anklage. In einem Gespräch sei es zunächst um die Konfirmation gegangen, die der Jugendliche nachholen sollte. Dann sei es zu sexuellen Handlungen gekommen. Ein weiteres Treffen habe in einem Auto stattgefunden.
Bei einer dritten Begegnung soll der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft zugesehen haben, wie der Jugendliche mit einer Transfrau an der Reeperbahn Sex hatte. Bei einer Wohnungsdurchsuchung Anfang 2023 hätten Ermittler ebenfalls auf einem Handy und einem Tablet mehrere kinderpornografische Bilder gefunden.
Urteil gegen Vater nicht rechtskräftig
Der Vater wurde im Juli vergangenen Jahres wegen Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger in Tateinheit mit Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Jugendlichen und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Den weit schwereren Vorwurf, seinen Sohn zur Prostitution gezwungen zu haben, hielt das Landgericht für nicht erwiesen.
In dem bislang nicht rechtskräftigen Urteil vom 17. Juli 2025 stellte die Strafkammer fest, dass der Jugendliche sich auch auf eigene Initiative über ein Online-Profil und eine Escort-Seite prostituierte und sich mit Freiern traf. Seine Aussage vor Gericht habe sich als inkonstant, widersprüchlich und teilweise bewusst falsch herausgestellt. Zurzeit liegt der Fall beim Bundesgerichtshof. Möglicherweise werde es dort eine mündliche Verhandlung geben, sagte eine Sprecherin des Landgerichts.
Kirche stellt sich auf Seite des Jugendlichen
Der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Hamburg Ost teilte in einer Pressemitteilung zum Prozessauftakt mit, dass die Nordkirche im März 2025 von der Staatsanwaltschaft über die Anklageerhebung gegen den Pastor informiert worden sei.
Die Vorwürfe seien in der Gemeinde, dem Kirchenkreis und der Landeskirche mit größter Bestürzung aufgenommen worden. Die Nordkirche habe den Pastor sofort von seinem Amt suspendiert und es sei ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Dieses ruhe jedoch bis zum Abschluss des Prozesses.
In der Mitteilung des Kirchenkreises hieß es weiter: «Wir bewundern den Mut des Betroffenen, das Unrecht, das ihm widerfahren ist, in einem Prozess öffentlich zu machen. Wir haben keine Zweifel an seinen Schilderungen und stehen an seiner Seite.»
Die Strafkammer hat drei weitere Verhandlungstermine bis zum 22. Mai angesetzt.
© dpa-infocom, dpa:260505-930-36696/1








