General: Dänische Meerengen sind Europas Straße von Hormus

Nato-General Ingo Gerhartz unterstrich in seiner Rede die Bedeutung freier Seewege – etwa in der Ostsee. (Archivbild) Wolf von Dewitz/dpa
Nato-General Ingo Gerhartz unterstrich in seiner Rede die Bedeutung freier Seewege – etwa in der Ostsee. (Archivbild) Wolf von Dewitz/dpa

Emden (dpa) –

Nato-General Ingo Gerhartz hat die Bedeutung freier Seewege für die Sicherheit Deutschlands und Europas betont. «Freie Seewege bilden die Grundlage unserer militärischen Handlungsfähigkeit», sagte der General bei einer Veranstaltung des Verbands Deutscher Reeder (VDR) vor dem Beginn der Nationalen Maritimen Konferenz im ostfriesischen Emden. Der General hat das Kommando über das operative Hauptquartier («Allied Joint Force Command») im niederländischen Brunssum. Dieses Nato-Kommando ist für die Verteidigung Mitteleuropas zuständig – vom Atlantik bis zur östlichen Bündnisgrenze. 

Die Seewege etwa in der Ostsee seien bei einem Konflikt mit Russland die zentralen Versorgungsadern für Deutschland, Skandinavien und das Baltikum, betonte Gerhartz. «Für den Transport von Soldatinnen und Soldaten, für militärische Systeme, aber auch für den Verwundetentransport und, ganz besonders wichtig, für die Versorgung unserer Zivilbevölkerung.» 

Nadelöhr Ostsee-Zugang 

Allerdings sei der Zugang zur Ostsee ein Nadelöhr und an der engsten Stelle nur wenige Kilometer breit. Damit sei der Zugang vergleichbar mit dem der Golfregion. «Wenn es um unsere Versorgungssicherheit geht, zivil wie militärisch, sind die dänischen Meerengen unsere europäische Straße von Hormus», sagte der General. «Unsere Aufgabe ist es, sie für den Schiffsverkehr offenzuhalten.» Seestreitkräfte und zivile Reedereien bekämen Bedrohungen in der Ostsee etwa in Form von gestörten GPS-Signalen täglich zu spüren. 

Bei der zweitägigen 14. Nationalen Maritimen Konferenz (NMK) berät die Bundesregierung von Mittwoch an mit Vertretern von Wirtschaftsverbänden, Unternehmen, Gewerkschaften und Behörden über die strategische Ausrichtung ihrer maritimen Politik. Im Fokus soll dabei vor allem die maritime Sicherheit und der Schutz kritischer maritimer Infrastrukturen stehen. 

Nato-General Gerhartz betonte in seiner Rede bei dem Reederverband, dass es bei der Bündnisverteidigung neben militärischen Fähigkeiten besonders auf die zivile, maritime Branche ankomme. Es brauche daher eine enge Zusammenarbeit. «Wenn es um die Sicherheit und die Verteidigung auf See geht, sind die Schifffahrtsindustrie, die Reedereien, die Hafenbetreiber keine Zuschauer. Sie sind Teil unserer Gesamtverteidigung», sagte der Gerhartz. Die maritime Wirtschaft müsse sich aktiv auf den Krisen- und Kriegsfall vorbereiten und resiliente Strukturen aufbauen, mahnte er.

© dpa-infocom, dpa:260428-930-6341/1

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