Hannover (dpa/lni) –
Die Zahl der Fälle von Abzocke im Internet sinkt nach Einschätzung des Landeskriminalamts in Niedersachsen. Allerdings haben die Opfer dieser Tricks eher geringe Aussichten, ihr Geld wiederzubekommen – vor allem, wenn die Täter im Ausland sitzen.
Die Täter agierten oft international und arbeitsteilig, sie seien vernetzt, sagte der Präsident des Landeskriminalamts, Thorsten Massinger, der Deutschen Presse-Agentur. «Das stellt uns vor größere Herausforderungen, weil es häufig Hintermänner sind, die im Ausland agieren und hier vor Ort wenig bis gar keine Bezugspunkte haben. Das macht es für die Sicherheitsbehörden in Deutschland und auch für uns in Niedersachsen sehr schwierig.»
Fallzahlen sinken
Jedoch seien die Fallzahlen rückläufig, betonte Massinger. Im vergangenen Jahr kam es nach Angaben der Behörde landesweit zu 18.304 Fällen, darunter gut 2.000 Versuche. Noch 2021 lag die Zahl dagegen bei 29.361, dabei blieb es in 2.716 Fällen beim Versuch.
Die Täter würden professioneller, sie konzentrierten sich auf einige spezifische Begehungsformen, sagte der LKA-Präsident. Laienhafte Versuche, bei denen sofort zu erkennen war, dass Mails nicht etwa von einer Bank stammen können, würden spürbar seltener. Dagegen sei der Anschein, dass es sich bei Betrugsversuchen um echte Anfragen handeln könnte, mit einer deutlichen Professionalisierung verbunden. «Klassische Fälle wie früher mit Rechtschreibfehlern oder unplausiblen Verhaltensweisen sind spürbar weniger geworden», sagte er.
«Positive Botschaft»
Gleichzeitig sei «sehr viel» für Prävention getan worden, sagte Massinger. «Es gibt kaum etwas, für das die Bevölkerung stärker sensibilisiert ist als für diese Begehungsformen. Damit möchte ich auch gerne Enkeltrick- und Schockanrufe einbeziehen.» Schon bei aufkommenden Phänomenen werde sofort darauf hingewiesen, mit welchen Maschen die Täter unterwegs seien und was Betroffene tun könnten. Es gehe nicht nur darum, «gute Ermittlungsverfahren zu führen, sondern vor allem Taten nicht weiter geschehen zu lassen».
Mit Blick auf die rückläufige Tendenz der Taten sagte er: «Das ist sicherlich die deutlich positive Botschaft, das wird vielen Leuten Mut machen.» In den vergangenen Jahren sei bei der länderübergreifenden Arbeit unter anderem zusammen mit Europol «eine ganze Menge gelungen». Es gebe immer wieder Ermittlungserfolge.
Im Ausland «hochgradig schwierig»
Allerdings: Ist das Geld erst einmal weg und im Ausland gelandet, sei es «hochgradig schwierig», es aufzuspüren, sagte Massinger. Jedoch seien die Geldströme zugleich der beste Ermittlungsansatz: «Gerade bei international agierenden Tätergruppen gewinnt das Thema Verfolgung der Finanzströme eine immer größere Bedeutung.»
Am Ende lebten die Täter von dem Geld und müssten daher irgendwo an dieses Geld gelangen. «Man kann also nicht pauschal sagen, dass dann die Hoffnung verloren ist, sondern für uns ist es ein guter Ermittlungsansatz, um weiter vorzugehen.» Allerdings gebe es Grenzen, vor allem, wenn es um das außereuropäische Ausland gehe.
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