Hamburg (dpa/lno) –
25 Jahre nach der Ermordung des Hamburger Gemüsehändlers Süleyman Taşköprü durch die Rechtsterroristen vom NSU wollen die Bürgerschaftsfraktionen von SPD, Grünen, CDU und Linken in einer Gedenkveranstaltung an die Tat erinnern. In einem interfraktionellen Antrag wird der Senat aufgefordert, die Veranstaltung zum Todestag Ende Juni «unter Berücksichtigung der Wünsche der Familie Taşköprü» durchzuführen. Umgesetzt werden soll das Gedenken vom Verein «Licht ins Dunkel».
Süleyman Taşköprü war am 27. Juni 2001 im gemeinsam mit seinem Vater betriebenen Obst- und Gemüseladen in Hamburg-Bahrenfeld von den NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erschossen worden. Der 31-Jährige hinterließ seine Frau und eine kleine Tochter.
NSU-Morde blieben lange unentdeckt – Ermittlungen im Opferumfeld
Taşköprü war eines von zehn Mordopfern des rechten Terrornetzes «Nationalsozialistischer Untergrund» (NSU) um das Trio Mundlos, Böhnhardt und Beate Zschäpe. In den Jahren zwischen 2000 und 2007 ermordeten sie deutschlandweit acht türkischstämmige und einen griechischstämmigen Kleinunternehmer sowie eine Polizistin.
Die Sicherheitsbehörden hatten den Zusammenhang der Taten lange nicht erkannt und zunächst im Umfeld der Opfer ermittelt.
Der bevorstehende 25. Jahrestag des Hamburger NSU-Mordes «erfordert ein würdiges und angemessenes Format des Gedenkens und der Erinnerung, welches den Wünschen der Familie Taşköprü entspricht und gleichzeitig einen Beitrag zur Erinnerungskultur und zur Auseinandersetzung mit dem Rechtsterrorismus in Hamburg leistet», heißt es in dem Antrag, über den die Bürgerschaft in der kommenden Woche entscheiden soll.
Wissenschaftliche Studie soll Hamburger NSU-Komplex aufarbeiten
Hamburg ist das einzige Bundesland, in dem der NSU gemordet hat und in dem die Taten nicht von einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss untersucht wurden.
Im vergangenen Jahr hatte die Bürgerschaft die Ruhr-Universität Bochum mit einer Studie zur wissenschaftlichen Aufarbeitung des NSU-Komplexes in Hamburg beauftragt. Das Landesparlament begleitet die Arbeit in Form eines Beirats.
Die wissenschaftliche Aufarbeitung sei ein wichtiger Schritt, weil sie helfe, «Versäumnisse sichtbar zu machen und das erlittene Unrecht nicht in Vergessenheit geraten zu lassen», sagte die stellfertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Isabella Vértes-Schütter, die dem Beirat angehört.
Gedenken soll Zeichen gegen Rechtsterrorismus setzen
Aufarbeitung allein reiche jedoch nicht. «Der 25. Jahrestag des Mordes an Süleyman Taşköprü verlangt ein sichtbares Gedenken, das den Wünschen seiner Familie entspricht und ihrer Perspektive den angemessenen Raum gibt», sagte sie.
Mit der gemeinsamen Gedenkveranstaltung setze man ein Zeichen gegen Rechtsterrorismus «und für eine Erinnerungskultur, die zusammenführt statt trennt», betonte CDU-Fraktionsvize Anke Frieling.
Die Taten des NSU könnten nicht ungeschehen gemacht werden, sagte die Grünen-Fraktionschefin Sina Imfof. «Aber wir müssen alles dafür tun, rechten Terror in Zukunft zu verhindern.»
Wichtig sei, dass die Forderungen und Perspektiven der Familie Taşköprü respektiert würden, sagte der Innenexperte der Linken, Deniz Celik. «Viel zu lange wurden ihre Stimmen nicht gehört, wurden sie von anderen Narrativen übertönt.»
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