Berlin (dpa) –
Die AfD-Spitze will den schleswig-holsteinischen Nachwuchspolitiker Kevin Dorow loswerden. In Kreisen des AfD-Bundesvorstands wurden Berichte von RTL/ntv und des Politico-Podcasts «Inside AfD» bestätigt, wonach der Vorstand am Montag in Berlin ein Parteiausschlussverfahren gegen Dorow, der auch Mitglied im Führungsteam der neu gegründeten AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland (GD) ist, auf den Weg gebracht habe. Zuständig dafür ist das Landesschiedsgericht der AfD in Schleswig-Holstein.
Aus der Generation Deutschland kam Kritik. GD-Chef Jean-Pascal Hohm sagte zu RTL/ntv: «Ich halte die Entscheidung in der Sache für falsch.» Dorow sagte «Inside AfD»: «Sollte ein entsprechendes Verfahren tatsächlich eingeleitet worden sein, werde ich mich selbstverständlich vor den zuständigen Schiedsgerichten dagegen zur Wehr setzen und meine Positionen dort darlegen.»
Rede auf Jugendkongress rief Staatsanwaltschaft auf den Plan
Dorow war im November in den Vorstand der neu gegründeten AfD-Parteijugend gewählt worden. Seine Rede bei der Gründungsveranstaltung in Gießen hatte die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen, die die Prüfung einer möglichen Strafbarkeit gemäß Paragraf 86a Strafgesetzbuch einleitete. In dem Paragrafen geht es um das «Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen».
Dorow hatte sich in der Rede auf den Thüringer AfD-Landeschef Höcke bezogen und gesagt: «Wie es Björn Höcke vor wenigen Monaten rezitiert hat, Jugend muss durch Jugend geführt werden, und dieses Prinzip muss unser Leitstern sein», sagte er. Die neue Jugendorganisation werde «die Speerspitze der jungen Rechten in Deutschland sein», hatte Dorow hinzugefügt. «Jugend wird durch Jugend geführt» galt als Prinzip der sogenannten Bündischen Jugend in der Weimarer Zeit und später auch der Hitlerjugend.
Dorow sagte dazu später, der Ausspruch «Jugend muss durch Jugend geführt werden», stamme aus der Wandervogelbewegung, also aus einer Zeit vor dem Nationalsozialismus und damit lange bevor die Hitlerjugend überhaupt existierte. Diese frühmoderne Jugendbewegung habe sich als eigenständige, selbstverwaltete Jugendkultur verstanden. «Wer diesen Kontext ignoriert und stattdessen vorschnell NS-Bezüge konstruiert, verfälscht Geschichte. Ich sehe keinerlei Anlass, mich von dieser inhaltlich in keiner Weise verwerflichen Aussage zu distanzieren.»
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