Das Eis auf der Elbe hat den Fischer:innen in den vergangenen Wochen zu schaffen gemacht. Die Stintsaison nimmt etwas verspätet in diesen Tagen Fahrt auf. „«„Eigentlich ist das Wasser mit etwa 2,5 Grad noch zu kalt„, sagt Fischer Wilhelm Grube aus Hoopte in Winsen im Landkreis Harburg. „Die Stinte brauchen fünf bis zehn Grad. Wir fangen täglich bis zu knapp 300 Kilogramm“.

Die beiden Brüder und Fischer Per-Willem (l) und Jonas Grube entladen Kisten mit frischem Stint vom Boot. Philipp Schulze/dpa
Der einzige Stintfischer östlich von Hamburg fährt mit seinen Söhnen Per-Willem (33) und Jonas (21) seit Ende vergangener Woche täglich im kleinen Boot auf den Fluss. Dutzende grüne Plastik-Fangkörbe mit der glitschigen Beute leeren sie mittags aus. Per ist für die Saison aus Kanada angereist, im Mai fliegt er zum Hummerfang wieder nach Nova Scotia zurück.
Der funktioniere so ähnlich: Es würden Hunderte Hummerfallen im Fluss platziert und in der Saison von seinem Team täglich bis zu 250 der edlen Tiere mit den großen Scheren gefangen. Tausende Boote fahren Tag für Tag raus. „Das ist eine schöne Abwechslung, die Arbeit ist stürmischer und rauer“, erzählt der junge Fischer.
Dafür kämpfen, dass die Elbe gesünder wird
Der Traditionsbetrieb in Hoopte liegt ihm aber am Herzen: „Es ist wichtig zu gucken, was man vor der Haustür hat. Und dafür zu kämpfen, dass die Elbe gesünder wird.“ Die Strömung und die Verschlammung verkleinere die Beute seit Jahren. „Dem Fluss geht es nicht gut, da sind nicht mehr viele Stinte übriggeblieben.“ Das Wasser zwischen Cuxhaven und Hamburg sei durch die Elbvertiefung zu verschlammt. „Je tiefer, desto mehr Fisch stirbt“, betont Per-Willem Grube.
Obwohl die Ausbeute nicht mehr steigt, hat Grube seine Söhne – beide sind zum Fischwirt ausgebildet – vor drei Jahren mit in den Betrieb genommen und eine gemeinsame Gesellschaft gegründet. Die Vorfahren betrieben die Fischerei als Nebenerwerb und fingen sogar zu viele Stinte. Der Überschuss an den länglich-silbrigen Fischchen war so groß, dass er sogar als Dünger auf den Feldern untergepflügt wurde.
Auf dem eigenen Hof mit angeschlossener Gaststätte wird die Delikatesse verarbeitet und von Donnerstag bis Sonntag auch verkauft und serviert. Früher habe man deutlich mehr Restaurants beliefert, erzählt der 70 Jahre alte Grube. Viele hätten dicht gemacht. „Wenn ich auf unsere Liste gucke, da sind in den letzten 15 Jahren über die Hälfte weggebrochen“, erzählt der Senior. Auch gebe es in den Orten in der Umgebung weniger Stammtische.
Genug Servicekräfte in Hoopte
Bei ihm halten zum Wochenende viele Ausflugsbusse – der Stint ist beliebt als klassisches Frühjahrsessen. Für die Saison und die wöchentlichen vier Tage haben einige Servicekräfte aus der Umgebung zugesagt. „Ich habe viele, die uns helfen. Aber mehr als die Teilzeit wollen sie dann nicht arbeiten“, sagt er.
Er selbst will sich noch nicht zur Ruhe setzen, die Arbeit mit den Söhnen macht ihm Freude. „Das ist meine Berufung“, meint er. „Warum soll man aufhören, wenn man älter wird? Da weiß man doch viel mehr“, meint er lachend.
Bis Mitte April dauert die Saison – da wandern die Schwärme von der Nordsee in Elbe und Weser flussaufwärts, um zu laichen. Die Strömung der Elbe kommt aus Richtung Dresden, die lachsähnlichen, 20 Zentimeter kleinen Tiere müssen dagegen anschwimmen. Nach dem Stint werden Aal und Elbbutt gefangen. Danach kann sich das Grube-Trio auch Freizeit gönnen – gern gemeinsam in Kanada.
SAT.1 REGIONAL/dpa












