Winterwetter im Norden: Glätte, Unfälle, Unterrichtsausfälle

Frost und Schnee bestimmen aktuell das Bild in Niedersachsen und Bremen. (Archivbild) Julian Stratenschulte/dpa
Frost und Schnee bestimmen aktuell das Bild in Niedersachsen und Bremen. (Archivbild) Julian Stratenschulte/dpa

Hannover/Bremen (dpa/lni) –

Glatte Straßen, mehrere gesperrte Autobahnen und ausgefallener Präsenzunterricht: Das Winterwetter hat in Niedersachsen und Bremen den Verkehr und den Schulbetrieb spürbar beeinträchtigt. Seit der Nacht auf Freitag registrierte die Polizei zahlreiche Unfälle. Der öffentliche Nahverkehr lief dagegen in vielen Städten weitgehend stabil.

Viele Glätteunfälle 

Auf schnee- und eisglatten Fahrbahnen kam es zu zahlreichen Unfällen. Nach Angaben verschiedener Polizeidienststellen blieb es meist bei Sachschäden und leichten Verletzungen. Einsatzkräfte meldeten rutschige Straßenverhältnisse in vielen Bereichen. Besonders Nebenstraßen gelten als kritisch, da sie vielerorts nicht geräumt sind.

Der ADAC warnte am Morgen unter anderem für die Region Hannover sowie die Landkreise Göttingen und Osnabrück vor Straßenglätte und Schneefall.

Streusalzlager zur Hälfte gefüllt

Nach Angaben des niedersächsischen Verkehrsministeriums gibt es derzeit keine Einschränkungen beim Winterdienst auf Bundes-, Landes- und den von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr betreuten Kreisstraßen. Auch bei hohem Verbrauch von Streusalz könne das Land Engpässe abfedern, da auf zahlreiche und große Salzlager zurückgegriffen werde. Diese seien aktuell mit rund 41.000 Tonnen Streusalz und damit etwa zur Hälfte gefüllt.

Hauptachsen betroffen: Lkw-Unfälle und Vollsperrungen

Mehrere wichtige Autobahnen waren zeitweise blockiert:

  • A7 bei Soltau (Richtung Hamburg): Nach einem Unfall mit drei Sattelzügen gab es eine stundenlange Vollsperrung. Zwei Menschen wurden leicht verletzt, die Bergung war aufwendig.
  • A7 und A27: Dort registrierte die Polizei weitere Glätteunfälle.
  • A1 zwischen Bockel und Stuckenborstel (Landkreis Rotenburg): Es gab eine mehrstündige Vollsperrung nach mehreren witterungsbedingten Unfällen.

Auf der A1 verlor ein Fahrer mit einem Autotransporter-Gespann auf winterglatter Fahrbahn die Kontrolle, die Zugmaschine rutschte in den Graben, der Anhänger blieb auf der Fahrbahn stehen. Bei einem weiteren Unfall schleuderte ein Sattelzug in die Schutzplanke, der Fahrer wurde leicht verletzt.

18-Jährige lebensgefährlich verletzt

Im Landkreis Rotenburg ist eine 18-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der Kreisstraße 223 lebensgefährlich verletzt worden. Die Fahranfängerin geriet in einer Linkskurve aus bislang ungeklärter Ursache mit ihrem Wagen ins Schleudern, wie die Feuerwehr mitteilte.

Das Fahrzeug überschlug sich und prallte nacheinander gegen zwei Bäume. Dabei wurde der Wagen im Dachbereich stark eingedrückt und blieb auf dem Dach liegen. Die Fahrerin wurde im Fahrzeug eingeklemmt.

Mehrere Feuerwehren aus der Umgebung rückten zur Unfallstelle aus. Die Einsatzkräfte befreiten die 18-Jährige mit hydraulischem Rettungsgerät aus dem Wrack. Anschließend wurde sie nach der Erstversorgung durch den Rettungsdienst in ein Krankenhaus nach Rotenburg gebracht. 

Auch in anderen Regionen rutschten Fahrzeuge von der Fahrbahn oder in Gräben.

Präsenzunterricht in fünf Landkreisen ausgefallen

Wegen der Wetterlage fiel der Präsenzunterricht im

  • Emsland
  • in der Stadt Osnabrück
  • im Landkreis Osnabrück
  • im Landkreis Cloppenburg
  • in der Grafschaft Bentheim

aus. Schulbusse fuhren dort nicht, teils wurde Distanzunterricht angeboten.

Im Landkreis Diepholz rutschte ein Schulbus auf glatter Straße in einen Graben. Verletzt wurde niemand. Ein Ersatzbus brachte die Schülerinnen und Schüler verspätet zur Schule.

Busse meist im Takt, örtlich Einschränkungen

Größere flächendeckende Ausfälle im Nahverkehr wurden nicht gemeldet. Regional kam es jedoch zu Abweichungen:

  • Hannover: Einzelne Haltestellen wurden wegen Schneefalls nicht angefahren.
  • Göttingen: Die Verkehrsbetriebe meldeten zuletzt wieder regulären Betrieb ohne winterbedingte Ausfälle.
  • Osnabrück: Im Stadtgebiet galt der normale Fahrplan, im Landkreis der Ferienfahrplan. An bekannten Gefahrenstellen sind Einschränkungen möglich.

Frost bleibt, nur wenig Neuschnee

Dem Deutschen Wetterdienst zufolge bleibt es in Niedersachsen und Bremen in den kommenden Tagen winterlich kalt. Verbreitet ist demnach mit Dauerfrost zu rechnen. Tagsüber liegen die Temperaturen meist um den Gefrierpunkt, nachts sinken sie häufig auf minus vier Grad oder darunter, in höheren Lagen noch tiefer.

Leichte Schneefälle ziehen nach Nordosten ab, örtlich sind bis zu drei Zentimeter Neuschnee möglich. Damit bleibt die Glättegefahr erhöht – auch durch Altschnee sowie überfrierende Restnässe. Am Samstagmorgen könne es im Südwesten zu gefrierendem Regen kommen.

Am Wochenende ist es überwiegend stark bewölkt, nur zeitweise lockert es auf, heißt es vom Wetterdienst weiter. An der Küste und auf den Inseln wird es teils windig. In einzelnen Regionen könne sich Nebel mit stark eingeschränkter Sicht bilden.

Januar ungewöhnlich schneereich

Der Januar 2026 ist im Nordwesten Deutschlands ungewöhnlich schneereich ausgefallen. Gemessen an der Zahl der Tage mit Schneedecke war es der schneereichste Januar seit 2010, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte.

In Niedersachsen lag demnach die Januar-Durchschnittstemperatur bei minus 0,2 Grad und damit unter dem langjährigen Mittel (0,6 Grad). Auch in Bremen verlief der erste Monat des Jahres überwiegend winterlich. Die Gebietsmitteltemperatur betrug 0,4 Grad und lag unter dem langjährigen Mittel (0,9 Grad).

Gleichzeitig blieb es insgesamt trockener als üblich, ein großer Teil des Niederschlags fiel als Schnee. Prägend war vor allem das Wintersturmtief «Elli» mit kräftigem Schneefall, Sturm und teils starken Schneeverwehungen.

© dpa-infocom, dpa:260130-930-617284/4

Copy LinkCopy Link
Zur Startseite