Streit über Schwangerschaftsabbrüche im Raum Flensburg

Schwangerschaftsabbrüche in der Region Flensburg erhitzen die Gemüter im Landtag. Marcus Brandt/dpa
Schwangerschaftsabbrüche in der Region Flensburg erhitzen die Gemüter im Landtag. Marcus Brandt/dpa

Kiel (dpa/lno) –

Die Sicherstellung von Schwangerschaftsabbrüchen im Raum Flensburg hat eine leidenschaftliche und mitunter hitzige Debatte im Landtag ausgelöst. «Liebe Landesregierung, kommen sie endlich ins Handeln und lassen sie die Frauen in Flensburg nicht weiter im Stich», kritisierte die SPD-Gesundheitspolitikerin Birte Pauls. Grund ist eine nach dem Trägerwechsel des dortigen Diako-Krankenhauses drohende Versorgungslücke.

In einem auch von der FDP unterstützten Antrag forderten SPD und SSW die Landesregierung auf, ausreichend Angebote in Flensburg sicherzustellen. Das Recht auf eine wohnortnahe Möglichkeit zum Schwangerschaftsabbruch werde massiv eingeschränkt, sagte Pauls. 

Frauen kämpften seit Jahren um ihr Recht, die Gesundheitsministerin habe bislang nichts gemacht. «Von einem katholischen Ministerpräsidenten werden die Frauen wohl auch keine Hilfe erwarten können», sagte sie in Richtung von Daniel Günther (CDU) und forderte Sozialministerin Aminata Touré (Grüne) auf, ihren Kabinettskollegen «richtig Dampf unter dem Hintern» zu machen.

Von Sonntag an macht das Diako Krankenhaus Schwangerschaftsabbrüche nur noch in bestimmten Ausnahmefällen. Bisher nahm das evangelische Krankenhaus operative Schwangerschaftsabbrüche vor. Die Diako wird zum 1. März vom katholischen Malteserorden übernommen, der bisher in Flensburg das St. Franziskus Hospital führt. Der katholische Träger erlaubt Abtreibungen nur in besonderen Ausnahmefällen.

Regierung: Versorgung gesichert

Statt der erkrankten Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken sprach für die schwarz-grüne Landesregierung Bildungsministerin Dorit Stenke (beide CDU). Die Übernahme werde das Versorgungsangebot in der Region zwar verändern. «Ich kann die Ängste und Sorgen nachvollziehen.» 

Schleswig-Holstein habe aber einen im Ländervergleich überdurchschnittlich hohen Versorgungsgrad. Zwar würden in dem Krankenhaus künftig keine Schwangerschaftsabbrüche nach der Beratungsregel erfolgen, wohl aber aus medizinischen Gründen oder über die Pille für danach bei Vergewaltigungen.

«Rund 98 Prozent aller Schwangerschaftsabbrüche werden heute ambulant ausgeführt», sagte Stenke. «Schwangerschaftsabbrüche, die einen stationären Aufenthalt in einem Krankenhaus erfordern, sind extrem selten. Im Jahr 2024 waren es 40 von 3.400 Fällen in Schleswig-Holstein.»

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Catharina Nies betonte, «für viele von uns Frauen geht es hierbei nicht um Statistiken, um Fahrzeiten.» Es gebe kaum ein Thema, auf das die Koalition aus so unterschiedlichen Blickwinkeln schaue. Nötig seien wohnortnahe Angebote. Das Thema habe jedoch nichts mit der Religion des Ministerpräsidenten zu tun.

Ex-Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) forderte, zur Befriedung beizutragen. «Mir tut dieser Debattenverlauf fast körperlich weh.» Das Land stehe in der Pflicht, für ein ausreichendes Angebot zu sorgen. «Der theoretische Grad der Versorgung hat nichts, aber auch gar nichts mit dem tatsächlichen Angebot zu tun.»

Für SSW-Fraktionschef Christian Dirschauer steht fest: «Es besteht kein ausreichendes ambulantes Angebot in Flensburg.» Frauen müssten nach Rendsburg oder andernorts. Die Rechte der Frauen würden mit Füßen getreten. Die Regierung bleibe Antworten schuldig. «Wir haben ein konkretes Problem.»

© dpa-infocom, dpa:260226-930-738491/1

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