Borkum (dpa/lni) –
Die umstrittene Gasförderung in der Nordsee nahe der Insel Borkum ist nach Angaben des Energiekonzerns One-Dyas ausgeweitet worden. Wie das niederländische Unternehmen mitteilte, wird inzwischen von der bestehenden Bohrplattform Gas aus einer zweiten Bohrung gefördert. Bisher lag die jährliche Gasproduktion demnach mit der ersten Förderbohrung bei rund 700 Millionen Kubikmetern. Durch die zweite Bohrung steige die Leistung nun auf etwa eine Milliarde Kubikmeter Erdgas pro Jahr. Damit sei ein weiterer Schritt zur vollständigen Ausschöpfung der Plattformkapazität gemacht worden, teilte One-Dyas mit.
Die Erdgasplattform vor Borkum, die etwa 20 Kilometer vor der Insel in der Nordsee liegt, soll im Regelbetrieb etwa 2 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr produzieren – das soll laut One-Dyas voraussichtlich im vierten Quartal 2026 «noch vor Beginn des Winters» soweit sein. Diese Menge entspreche 7 Prozent des niederländischen und 2,5 Prozent des deutschen Gasbedarfs. One-Dyas hat aber noch weitere Felder in der Nähe im Blick. Das Gesamtvolumen des sogenannten GEMS-Gebietes, das sich auf niederländischem und deutschem Gebiet erstreckt, wird auf 50 Milliarden Kubikmeter geschätzt.
Aktuell werde das dritte Bohrloch gebohrt, teilte eine Sprecherin von One-Dyas auf dpa-Anfrage mit. Ob und wie viele weitere Bohrungen noch folgen sollen, um die Förderleistung von 2 Milliarden Kubikmetern jährlich zu erreichen, stehe bislang nicht fest. Dies hänge von technischen und geologischen Faktoren ab, hieß es. Die zweite Förderbohrung aus dem Gasfeld N05-A sei bereits an dem Wochenende vor Ostern in Betrieb gegangen, teilte die Sprecherin weiter mit.
Streit um Gasförderung vor Gericht
Durch die zweite Bohrung geht die Erdgasförderung nun laut dem Unternehmen von der Anlaufphase zu einer erweiterten Produktion über. «Mit der Ausweitung der Produktion aus N05-A erhöhen wir die Versorgung mit lokal gefördertem Erdgas mit den geringsten Emissionen», sagte One-Dyas-Chef Chris de Ruyter van Steveninck in einer Mitteilung. «Dies entspricht dem Ziel der niederländischen Politik für kleine Felder: Die bestehende Nachfrage soll so weit wie möglich mit heimischem Erdgas gedeckt werden.»
Über die Gasförderung streiten Umweltschützer und die Stadt Borkum mit One-Dyas vor Gericht. Ende Januar hatte das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg einen Sofortvollzug für die Gasförderung bestätigt. One-Dyas hatte danach angekündigt, die nächsten Bohrlöcher bohren zu wollen. Denn das Unternehmen will von der bestehenden Plattform im niederländischen Teil der Nordsee aus auch in deutsches Hoheitsgebiet bohren und dort Erdgas fördern.
Bundeskanzler für Gasförderung
Umweltschützer und Insulaner fürchten, dass die Gasförderung Umweltfolgen für die Insel und das benachbarte Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer haben könnte. Die Deutsche Umwelthilfe fordert einen Stopp der Gasbohrungen. Noch stehen Urteile in Hauptverfahren gegen die Bohrgenehmigungen, die auf deutscher und niederländischer Seite in diesem Jahr verhandelt werden sollen, aus. One-Dyas ist es so lange erlaubt, nach Gas zu bohren.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte sich zuletzt nach einem Treffen mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Rob Jetten Mitte März für eine engere Zusammenarbeit mit den Niederlanden bei der Gasförderung ausgesprochen. «Wir wollen die Potenziale konventioneller Gasförderung nutzen», hatte Merz bei einer Pressekonferenz laut einem Protokoll des Bundeskanzleramtes gesagt. «Dafür haben wir auch zusammen ein Abkommen auf den Weg gebracht. Wenn die letzte Genehmigung erteilt ist, dann werden wir auch eine gemeinsame Exploration in der Nordsee auf den Weg bringen.»
© dpa-infocom, dpa:260406-930-912791/1








