Das kalte Winterwetter belastet die Tierheime im Norden

Ein Hund im Hamburger Tierheim Süderstraße. (Archivbild) Christian Charisius/dpa
Ein Hund im Hamburger Tierheim Süderstraße. (Archivbild) Christian Charisius/dpa

Hamburg (dpa/lno) –

Das Winterwetter macht auch den Tierheimen im Norden zu schaffen. Das ergab eine stichprobenartige Anfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Tierheimen in Hamburg und Schleswig-Holstein.

«Wir blicken mit etwas Sorge darauf, wie der Freitag wird», sagt Sven Fraaß, Sprecher des Hamburger Tierschutzvereins von 1841. An diesem Tag wird eine Schneefront im Norden erwartet. «Wir haben zum Glück ein gutes Team, das die Wege immer freiräumt», sagt er. Im Tierheim an der Neuen Süderstraße sind derzeit 134 Hunde, 138 Katzen sowie 531 weitere Tiere untergebracht, darunter 99 Reptilien und 42 Wildtiere.

Streusalz schadet den Hundepfoten

«Ärgerlich finden wir es, wenn Salz gestreut wird», sagt Fraaß. Das schädige nicht nur die Bäume, sondern sei auch für Hundepfoten sehr schlecht. Seit neuestem darf in Hamburg auch wieder Streusalz gegen glatte Gehwege benutzt werden. Die Einsatzlage bei der Tierrettung sei zurzeit ruhig. Auch ein verstärktes Aussetzen von zu Weihnachten geschenkten Tieren beobachte der Hamburger Tierschutzverein derzeit noch nicht.

Das Tierheim Flensburg blieb am Mittwoch geschlossen. «Normalerweise kommen viele Gassigänger, die mit unseren Hunden rausgehen können, aber das ist im Moment wegen Eis und Schnee zu gefährlich», sagt Stephanie Bargmann, die Erste Vorsitzende des Tierheims Flensburg. Das Team entscheide täglich neu aufgrund der aktuellen Wetterlage, ob es das Tierheim öffne oder nicht. 

Gefundene Igel werden abgegeben

Normalerweise, so Bargmann, würden alle derzeit 25 Hunde im Tierheim täglich ausgeführt. Jetzt müsse man improvisieren und mit den Hunden im Tierheim spielen, um sie zu beschäftigen. Sie könnten auch in den Außenzwinger, sofern die Fläche nicht vereist sei. Das Hundehaus sei seit langem voll. «Im Winter werden uns vermehrt Igel gebracht, die die Menschen gefunden haben», sagt Bargmann. Das Tierheim Flensburg verfüge auch über ein Igelhaus.

Generell bedeute das Winterwetter einen größeren und komplizierteren Arbeitsaufwand für das Team des Tierheims. «Wir sind wenige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das müssen wir alles selbst bewältigen, entsprechend dauert es länger», sagt sie.

Höhere Tierarztkosten belasten Kieler Tierheim

Für das Tierheim Uhlenkrog in Kiel bedeute der Wintereinbruch vor allem höhere Energiekosten, ein beschwerlicheres Arbeiten in den Außenbereichen und mehr Arbeitsaufwand durch Schutzmaßnahmen für die Tiere, sagt Mitarbeiterin Maike Mensing. Es gehe dabei zum Beispiel um Hundemäntel und Pfotenschutz für die Tiere.

Die größten Herausforderungen seien derzeit gestiegene Kosten in allen Bereichen und höhere Tierarztkosten durch die Aufnahme vieler kranker Tiere. Derzeit würden auch vermehrt ausgesetzte Tiere gebracht, sagt Mensing. Auch Umbaumaßnahmen und die Suche nach weiteren Fachkräften würden das Tierheim Uhlenkrog beschäftigen.

Das Tierheim Lübeck habe bei Eis und Schnee immer einen Notfallplan, sagt Pia Balda, die Leiterin des Kleintierhauses. «Die Glätte ist für die Mitarbeiter und die Tiere gefährlich, daher streut unser Hausmeister eigentlich von morgens bis abends das gesamte Tierheim, um Stürze zu verhindern», sagt sie.

Im Tierheim Lübeck werden viele Igel gemeldet

Die Tiere hätten sowohl beheizte Innenräume als auch warme Rückzugsorte. So hätten zum Beispiel die Katzen- und Hundeausläufe warme Hütten und dicke Decken. In den Hühner-, Enten- und Ziegenställen werde dick Stroh eingestreut. Ansonsten werde darauf geachtet, dass auch für die Wildvögel genügend Futter und vor allem Wasser zur Verfügung stehe.

Auffällig bei starker Kälte und Schnee seien vor allem stark unterkühlte und unterernährte Wildtiere und Stadttauben, erklärt Balda. «Außerdem werden uns vermehrt Igel gemeldet, die bei Minustemperaturen und Schnee unterwegs sind, obwohl Igel zu dieser Jahreszeit eigentlich Winterschlaf halten sollten», sagt die Leiterin des Kleintierhauses im Tierheim Lübeck.

© dpa-infocom, dpa:260109-930-518354/1

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