22-Jähriger wegen Menschenraubs in Kiel vor Gericht

Ein 22-Jähriger (links) steht derzeit vor dem Landgericht Kiel. Andre Klohn/dpa
Ein 22-Jähriger (links) steht derzeit vor dem Landgericht Kiel. Andre Klohn/dpa

Kiel (dpa/lno) –

Wegen des Verdachts des erpresserischen Menschenraubs muss sich ein 22-Jähriger seit dem Nachmittag vor dem Kieler Landgericht verantworten. Dem Angeklagten und zwei gesondert verfolgten Männern wird vorgeworfen, einen 28-Jährigen im Juli 2025 unter einem Vorwand in eine Kieler Ferienwohnung gelockt zu haben.

Zu Prozessbeginn wurde lediglich die Anklage verlesen. Der Verteidiger kündigte an, dass vor dem nächsten Verhandlungstermin am Mittwoch (9.30 Uhr) ein Täter-Opfer-Ausgleich versucht werde. Danach wolle sein Mandant ein Teilgeständnis ablegen.

Einem Komplizen des Angeklagten wird vorgeworfen, das Opfer am 15. Juli vergangenen Jahres unter einem Vorwand in die angemietete Wohnung gelockt zu haben. Dort sollen die drei den Mann über mehrere Stunden festgehalten und auch geschlagen haben. Der Angeklagte habe dem Mann eine Waffe vorgehalten, sagte die Staatsanwältin. Außerdem habe er das Opfer mit der linken Hand gewürgt und ihm mit der rechten Hand ein Messer an den Hals gehalten.

Geldforderung

Das Trio soll den 28-Jährigen genötigt haben, Schulden zu bezahlen. Es ging laut Anklage um 10.000 Euro. Durch Zugriff auf das Online-Banking per Smartphone des Mannes sollen die Beschuldigten Kenntnis über 35.000 Euro auf dem Konto des Opfers erhalten haben. Weil der Mann sich weigerte, ihnen das Geld zu überweisen, soll der Angeklagte mit dem Opfer zur Bank gefahren sein. Dort sei es dem Opfer gelungen, sich an eine Mitarbeiterin zu wenden, die die Polizei alarmierte, sagte die Staatsanwältin.

Bereits einen Tag nach der Tat war ein damals 26 Jahre alter Tatverdächtiger ermittelt worden. Bei mehreren Wohnungsdurchsuchungen sicherten Einsatzkräfte nach früheren Polizeiangaben Beweismittel. Der 26-Jährige kam wieder auf freien Fuß. Gegen die beiden anderen mutmaßlichen Beteiligten erließ das Amtsgericht Kiel aber Haftbefehle. 

Am 11. September nahmen Polizisten einen damals 19-Jährigen bei einer Verkehrskontrolle fest. Gegen ihn und den 26-Jährigen wurde ebenfalls Anklage wegen erpresserischen Menschenraubs erhoben. Anfang des Jahres wurde früheren Angaben zufolge schließlich der 22-Jährige festgenommen. Er soll dabei eine Schusswaffe und Munition mit sich geführt haben. Der Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft.

© dpa-infocom, dpa:260608-930-191491/1

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