Schüler wollen Zukunftskompetenzen im Unterricht lernen

«Schule erhebt für sich den Anspruch, junge Menschen als Mini-Bürger in die Welt zu schicken», sagte der Landesschülersprecher der Gymnasien in Schleswig-Holstein, Eschel Ewert.  Felix Müschen/dpa
«Schule erhebt für sich den Anspruch, junge Menschen als Mini-Bürger in die Welt zu schicken», sagte der Landesschülersprecher der Gymnasien in Schleswig-Holstein, Eschel Ewert. Felix Müschen/dpa

Kiel (dpa/lno) –

Die Landesschülervertretung der Gymnasien in Schleswig-Holstein fordert eine verbindliche Vermittlung von Zukunftskompetenzen in der Schule. «Stellen sie sich vor, ein Unternehmen würde seine Mitarbeitenden 20 Jahre lang auf dasselbe Produkt trainieren, immer derselbe Rahmenplan, dieselben Bewertungsmaßstäbe, dieselben Inhalte – und das Produkt, das gibt es gar nicht mehr», sagte der Landesschülersprecher der Gymnasien, Eschel Ewert, bei der Landespressekonferenz in Kiel. Kein Unternehmen würde das überstehen, weil es so nicht zukunftsfähig bleibe.

Genau das geschieht aus Sicht der Landesschülervertreter derzeit mit dem Bildungssystem. «Und je länger das so weitergeht, desto zukunftsschädlicher ist es», betonte der 17-Jährige. Die Welt, auf die die Schule die Schülerinnen und Schüler vorbereite, und die tatsächliche Welt drifteten immer weiter auseinander. Deshalb hat die Schülervertretung acht Forderungen aufgestellt, damit Bildung mehr Perspektive für die Zukunft bietet.

Von Finanzbildung und Berufsorientierung

So verlangen die jungen Leute eine verbindliche Finanzbildung im Fach Mathematik, die die Grundlagen von Geldanlage, nachhaltigem Investieren und langfristiger Altersvorsorge beinhaltet. Ebenso müssten die Schulen verbindlich Bildung für nachhaltige Entwicklung anbieten – am besten jedes Schuljahr. Denn Ewert ist überzeugt dass der Klimawandel die größte strukturelle Herausforderung seiner Generation ist. 

Die Schüler fordern auch, die Berufsorientierung durch mindestens drei zweiwöchige Praktika während der Schulzeit zu verbessern. Schulen müssten ebenso digitale Bildung fest verankern und dafür Medien-Teams einrichten, die etwa über die Risiken digitaler Medien informierten. Auch Künstliche Intelligenz solle dabei eine zentrale Rolle spielen. 

Zudem sollten soziale Kompetenzen in jedem Fach die Schulnoten mitbestimmen, und Bildung sowie Engagement stärker zur politischen Teilhabe anregen. Es sei besorgniserregend, wenn junge Menschen berichteten, sie fühlten sich im gesellschaftlichen und politischen System nicht gehört, erklärte Ewert. «Demokratie muss aus unserer Sicht erlebt werden.»

Auch Gesundheitsbildung wichtig 

Außerdem müssten Schülerinnen und Schülern grundlegende Gesundheitskompetenzen vermittelt werden. Nach Angaben des Landesschülervertreters gehören dazu auch Fragen zur Krankenversicherung und zur Notaufnahme. 

Ewert forderte abschließend einen Personalschlüssel von 1 zu 1.000 bei Schulpsychologen und von 1 zu 150 bei Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern. «Wenn wir Angststörungen, Depressionen, Burnout bei 16-Jährigen und auch immer wieder Suizide von Schülerinnen und Schülern erleben, seit Corona immer noch verstärkt, dann ist das eine schmerzhafte Realität, die angegangen werden muss», betonte er.

«Schule erhebt für sich den Anspruch, junge Menschen als Mini-Bürger in die Welt zu schicken», sagte der Landesschülersprecher. Daher seien die geforderten Maßnahmen mehr als notwendig. 

Reaktionen von SPD und FDP

Der Abgeordnete der größten Oppositionsfraktion SPD, Martin Habersaat, erklärte zu den Forderungen, dass diese deutlich zeigten, dass junge Menschen längst weiter dächten als die Bildungspolitik der Landesregierung. «Das Bildungssystem muss besser auf die Lebensrealität junger Menschen ausgerichtet werden», betonte er. Schule müsse mehr sein als reines Faktenlernen.

Zukunftskompetenzen wie kritisches Denken, soziale Verantwortung, Medienkompetenz und wirtschaftliches Grundwissen seien essenziell, damit junge Menschen ihr Leben selbstbestimmt gestalten können.
«Gerade deshalb ist es völlig unverständlich, dass die Landesregierung gleichzeitig Kürzungen im Bildungsbereich vornimmt und wichtige Unterstützungsstrukturen schwächt», kritisierte Habersaat.

Die FDP-Abgeordnete Anne Riecke sagte: «Diese Forderungen dürfen nicht in endlosen Analyseprozessen verschwinden.» Es dürfe jetzt nicht der Fehler begangen werden, in den Forderungen nach Problemen zu suchen. «Stattdessen müssen wir sie als das nehmen, was sie sind: konkrete, lösungsorientierte Vorschläge, die umgesetzt werden können», betonte sie.

© dpa-infocom, dpa:260521-930-110439/2

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