Auftakt in Göttingen – Warnstreikwoche im Nahverkehr startet

Im kommunalen Nahverkehr kommt es erneut zu einem Warnstreik. (Archivbild) Swen Pförtner/dpa
Im kommunalen Nahverkehr kommt es erneut zu einem Warnstreik. (Archivbild) Swen Pförtner/dpa

Hannover (dpa/lni) –

Im Nahverkehr in Niedersachsen kommt es in dieser Woche zu Ausfällen in zahlreichen Städten: Die Gewerkschaft Verdi weitet ihre Warnstreiks aus und ruft in mehreren Städten zum Ausstand auf. Er findet aber nicht überall gleichzeitig statt, sondern verteilt über die ganze Woche. 

Dienstag und Mittwoch: Göttingen

Bereits heute starteten die Aktionen in Göttingen. Auch morgen soll dort die Arbeit ruhen. Die Göttinger Verkehrsbetriebe stellen an beiden Tagen den Verkehr ein. «Am Dienstag, 19.05.26 und Mittwoch, 20.05.26 fahren keine Stadtbusse», heißt es auf der Homepage der Verkehrsbetriebe. Der Warnstreik starte zu Betriebsbeginn und ende zu Betriebsschluss. «Unser Linienverkehr setzt am Donnerstag, 21.05.2026, mit Betriebsbeginn wieder ein.»

Mittwoch und Donnerstag: Hannover

Mittwoch und Donnerstag trifft es dann Hannover. Die Verkehrsbetriebe Üstra kündigten bereits an, dann alle Busse und Bahnen in den Depots zu lassen. «Daher werden an diesen Tagen alle Betriebsteile von Betriebsbeginn (ca. 3 Uhr) bis Betriebsschluss stillgelegt», teilte das Unternehmen auf seiner Homepage mit. «Es fahren keine Busse oder Bahnen.» Nicht betroffen ist dagegen die S-Bahn Hannover, die von Transdev betrieben wird.

Donnerstag und Freitag: Braunschweig, Wolfsburg und weitere Orte

Am Donnerstag und Freitag folgen dann weitere Orte in ganz Niedersachsen: Braunschweig, Wolfsburg, Hildesheim, Delmenhorst und das Wendland. Betroffen sind nach Gewerkschaftsangaben die jeweiligen kommunalen Verkehrsbetriebe sowie die kreiseigene Lüchow-Schmarsauer Eisenbahn. 

  • Die Braunschweiger Verkehrs-GmbH (BSVG) lässt an beiden Streiktagen ebenfalls alle Busse und Stadtbahnen in den Depots. «Während des Streiks können keine Stadtbahnen und Busse der BSVG eingesetzt werden», kündigte das Unternehmen auf seiner Homepage an. Betroffen seien sämtliche Stadtbahnlinien und die meisten Buslinien. Nicht vom Streik betroffen sei der freigestellte Schülerverkehr für Grundschulen.
  • Auch in Wolfsburg fallen die meisten Busse aus. Betroffen seien alle Linien der Wolfsburger Verkehrs-GmbH (WVG), der Berufsverkehr ins VW-Werk, und auch die Shuttle- und Sonderbusse zum Relegationsspiel des VfL Wolfsburg gegen SC Paderborn am Donnerstag. Nicht betroffen seien nur einige Strecken, die von nicht bestreikten Subunternehmen bedient werden.
  • Bei Delbus in Delmenhorst ruht der Busverkehr ebenfalls. «Durch den von Verdi aufgerufenen Streik wird bei der Delbus am 21.05. und 22.05.2026 kein Linienverkehr stattfinden», teilte das Unternehmen auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. 
  • Bei der Lüchow-Schmarsauer Eisenbahn fallen laut Landkreis Lüchow-Dannenberg am Donnerstag und Freitag «zahlreiche Fahrten im ÖPNV und in der Schülerbeförderung aus». Welche genau, werde das Unternehmen morgen um 13 Uhr im Internet veröffentlichen.

In Osnabrück war es bereits vergangenen Freitag und Samstag zum Ausstand gekommen. Bei SWO Mobil fielen alle städtischen MetroBus aus. In Niedersachsen ist es die zweite Warnstreikrunde in der aktuellen Tarifrunde. Die Gewerkschaft hatte im April für zwei Tage zum Ausstand aufgerufen, damals in mehreren Städten gleichzeitig.

Verhärtete Fronten

Hintergrund sind die seit Mitte Februar laufenden Tarifverhandlungen für die Beschäftigten kommunaler Verkehrsunternehmen in Niedersachsen. Verdi fordert unter anderem Entlastungen bei Arbeitszeiten und Schichtdiensten sowie mehr Urlaubstage und höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit. «Auch nach dem vierten Verhandlungstermin nehmen wir keine ausreichende Kompromissbereitschaft aufseiten der Arbeitgeber wahr», kritisierte die stellvertretende Verdi-Fachsbereichsleiterin Stefanie Weiß.

Der kommunale Arbeitgeberverband Niedersachsen (KAV) kritisierte die angekündigten Arbeitsniederlegungen scharf. Hauptgeschäftsführer Michael Bosse-Arbogast sagte, bei zwei Tagen von einem Warnstreik zu sprechen, passe nicht mehr. Die Arbeitgeber seien Verdi entgegengekommen, lehnten die geforderte Reduzierung der Wochenarbeitszeit aber weiterhin ab. «Das werden wir auch künftig nicht akzeptieren», sagte Bosse-Arbogast. Die neuen Warnstreiks würden daran nichts ändern. «Weniger arbeiten und mehr verdienen, so funktioniert unsere soziale Marktwirtschaft nicht.» 

Sollte die Gewerkschaft bei der nächsten Verhandlungsrunde am 1. Juni an ihrer Forderung festhalten, müsse man «andere Wege suchen», sagte Bosse-Arbogast.

© dpa-infocom, dpa:260519-930-99765/2

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