Vor dem Stuttgart-Spiel: Werder als «Raupe Nimmersatt»

Ein Derby-Sieg, aber noch nichts gewonnen: Werder Bremens Trainer Daniel Thioune (r.) (Archivbild) Carmen Jaspersen/dpa
Ein Derby-Sieg, aber noch nichts gewonnen: Werder Bremens Trainer Daniel Thioune (r.) (Archivbild) Carmen Jaspersen/dpa

Bremen (dpa) –

Bei der Beantwortung der letzten Frage bei der Pressekonferenz vor dem Spiel des SV Werder beim VfB Stuttgart nahm Daniel Thioune den Kinderbuch-Klassiker «Die kleine Raupe Nimmersatt» von Eric Carle zu Hilfe. Ein junger Fan hatte den Bremer Trainer fragen lassen, wenn seine Mannschaft ein Tier wäre, welches wäre es derzeit. 

«Das wäre, glaube ich, zu einfach, wenn ich sagen würde, ich würde mir wünschen, dass ich ganz, ganz hungrige Löwen in der Kabine sitzen habe», sagte der 51-Jährige. Er würde eher die «Raupe Nimmersatt» nehmen, «die noch nicht gesättigt ist, weil das sind wir noch nicht». Sie seien eine hungrige Raupe, «die dann vielleicht am 34. Spieltag ein schöner Schmetterling ist. Dann sind wir Löwe, Raupe und Schmetterling in einem.»

Raupe Werder muss sich noch Punkte anfressen

Um am letzten Spieltag am 16. Mai zu einem farbenfrohen und schillernden Schmetterling zu werden, muss sich die Raupe Werder noch einige Punkte im Abstiegsrennen der Fußball-Bundesliga anfressen. Der Sieg im Nordderby gegen den Hamburger SV am vergangenen Samstag schmeckte in jedem Fall und war ein grün-weißer Farbtupfer im ansonsten grauen Überlebenskampf in der Liga.

«Man hat schon gesehen, wie viel Ballast doch bei den Jungs abfiel», sagte Thioune. «Wir wollen den Sieg als Boost nutzen.» Trotz des Erfolgs gegen den HSV ist die Situation noch immer trübe. Als Tabellen-15. sind die Bremer fünf Punkte vom FC St. Pauli auf dem Abstiegsrelegationsplatz entfernt. Niederlagen sind eigentlich verboten. 

Stuttgart muss Kraftakt gegen Freiburg bewältigen 

Auch am Sonntag (15.30 Uhr/DAZN) in Stuttgart. Die Schwaben mussten noch am späten Donnerstag einen Kraftakt bewältigen. Im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den SC Freiburg setzte sich der Cup-Verteidiger erst in der Verlängerung durch den Treffer von Tiago Tomas (119.) mit 2:1 durch und erreichte das Endspiel gegen den FC Bayern München. 

Viel Hoffnung, dass die Bremer am Sonntag von einem Spannungs- und Energieabfall der Stuttgarter profitieren könnten, hat Thioune nicht. «Wir haben gesehen, dass das schon ein bisschen Körner gekostet hat», sagte er. «Aber das habe ich in der Vergangenheit ja auch gesagt: Eine Mannschaft, die europäisch aufgestellt ist, die dieses Jahr im Europapokal dann halt auch schon gespielt hat, die hat so eine Kaderbreite, eine Tiefe.» Das sei in den letzten Minuten gegen den SC Freiburg zu sehen gesehen, als Spieler auf den Platz kamen, «die das Spiel dann einfach noch mal gedreht haben».

Kapitän Friedl kehrt nach Rot-Sperre zurück

Thioune hat vor dem Spiel in Stuttgart vor allem in der Offensive weiter mit Personalproblemen zu kämpfen. Dafür hat er allmählich ein Überangebot an Innenverteidigern.  

Neben den Langzeitverletzten und Rekonvaleszenten Julian Malatini, Wesley Adeh, Keke Topp, Mitchell Weiser und Torwart Karl Hein sind in Stuttgart auch der weiter angeschlagene Felix Agut und die gelb-gesperrten Leonardo Bittendourt und Marco Grüll nicht dabei.

Jens Stage, Doppel-Torschütze gegen den HSV, soll durch gesteuerte Belastung bis zum Sonntag fit gemacht werden. Kapitän und Abwehrchef Marco Friedl steht nach seiner Rot-Sperre wieder zur Verfügung. Auch der lange verletzte Maximilian Wöber könnte eine Option in der Innenverteidigung sein. 

«Ich habe jetzt auf der Position die Qual der Wahl», sagte Thioune. «Es wird eine harte Entscheidung, wenn der eine oder anderen nicht spielt – das ist aber eher ein Segen, als sich wie vor ein paar Wochen Gedanken machen zu müssen, wen ich überhaupt aufstelle.»

© dpa-infocom, dpa:260424-930-988478/1

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