Dörverden (dpa) –
Frank Faß, Betreiber des Wolfcenters Dörverden bei Verden (Aller), warnt eindringlich vor Kontakt mit dem Raubtier. «Das Beste ist, man geht da weg von dem Tier», sagte der Experte vor dem Hintergrund des Vorfalls in Hamburg, wo in einer belebten Einkaufsstraße eine Frau mutmaßlich von einem Wolf gebissen wurde. «Die Frage ist, was ist der Kontext? Der Wolf war sicher nicht in aggressiver Haltung unterwegs.»
Wölfe fühlten sich in Städten generell nicht wohl, es sei trotz steigender Population nicht damit zu rechnen, dass sie vermehrt in dicht besiedelten Gebieten auftauchten.
«Es hat extrem selten im geografischen Europa Angriffe auf Menschen gegeben», betonte Faß. So gebe es Studien, wonach zwischen 1950 und 2020 in dem gesamten Gebiet 127 Übergriffe verzeichnet wurden. «107 davon gehen auf Tollwut, kranke Wölfe zurück», berichtete er. Besonders tragisch seien die Übergriffe Ende der 60er-/Anfang der 70er-Jahre auf Kinder in Nordwestspanien gewesen, vier seien gestorben.
In Deutschland habe es im Rahmen der Studie keinen Vorfall gegeben. Aber immer wieder werden Wölfe am Rande von Städten gesehen, so im vergangenen Jahr in Hannover. Wegen hoher Wolfsdichte in Niedersachsen ziehen Tiere auch in Stadtnähe. Im Zeitraum 2024/25 gab es laut Wolfsmonitoring 54 Rudel im gesamten Bundesland.
Massen-Risse kommen immer wieder vor
Angriffe auf Herden und Risse von vielen Weidetieren gibt es immer wieder. Zuletzt sorgte ein Wolfsrudel im Februar im Landkreis Cuxhaven für Aufregung, als es eine Herde von rund 100 Schafen von ihrer Weide jagte. Etwa 20 tote und sieben verletzte Tiere wurden am nächsten Morgen geborgen. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer war die Herde mit einem wolfsabweisenden Grundschutz gesichert.
In den vergangenen zwölf Monaten soll es bei etwa 200 Übergriffen mehr als 1.000 verletzte und getötete Tiere gegeben haben. Insgesamt haben die Angriffe seit 2012 rasant zugenommen. «Meist gibt ein bis vier tote Schafe. Dass es zu einer Kettenreaktion kommt, hat eher Seltenheitswert», sagte Wolfgang Ehrecke, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.
Der Abschuss von sogenannten Problemwölfen soll mit der Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht in Kürze erleichtert werden – etwa, wenn die Raubtiere Zäune überwunden und Schafe gerissen haben. «Der Wolf ist immer noch eine geschützte Tierart, wer glaubt, wir sind im Wilden Westen angelangt, der liegt falsch», sagt Wolfsexperte Faß. Er hofft, dass mit der neuen Regelung die Streitigkeiten vor Gericht abnehmen. Seit dem Jahr 2016 wurden in Niedersachsen mindestens acht Wölfe per Ausnahmegenehmigung erschossen.
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