Kiel (dpa/lno) –
Die SPD macht Defizite bei dem von der Landesregierung eröffneten Welcome Center aus und fordert mehr Transparenz. «Als bekannt wurde, dass das Welcome Center gerade einmal fünf Vermittlungen geschafft hat, erklärte die Landesregierung noch, dass das nicht ausreichend sei und der Vermittlungserfolg deutlich steigen wird müssen», sagte der SPD-Wirtschaftspolitiker Kianusch Stender zu den Antworten der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage. «Heute wissen wir, dass dieser Vermittlungserfolg gar nicht mehr erfasst wird.»
Nach früheren Angaben des Wirtschaftsministeriums hatte das Welcome Center 2024 nur fünf Bewerber an Unternehmen vermittelt. Ende Februar verwies Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) gegenüber dem «Flensburger Tageblatt» auf die Arbeitsagentur. Die Behörde erfasst demnach jedoch nicht, ob eine Arbeitsaufnahme nach vorheriger Beratung oder Begleitung durch die Einrichtung erfolgt.
«Statt Ergebnisse zu kontrollieren, hat man die entscheidende Kennzahl einfach verschwinden lassen», kritisierte Stender. «Kontakte, Gespräche, Veranstaltungen, Social Media – alles wird gezählt. Nur das Entscheidende fehlt: ob Menschen tatsächlich in Arbeit kommen.» So ließe sich jede Bilanz schönrechnen.
Rund 1.040 Beratungen im letzten Jahr
Nach Ministeriumsangaben gab es im vergangenen Jahr 1.041 Erstberatungen von internationalen Arbeitskräften, aus denen 166 weiterführende Beratungen folgten und 305 Erstberatungen von Unternehmen – etwa zur Anwerbung von Fach- und Arbeitskräften aus dem Ausland. Dort gab es 119 weiterführende Beratungen.
«Die Vermittlung von Fach- und Arbeitskräften ist keine originäre Aufgabe des
Welcome Centers Schleswig-Holstein», antwortete das Ministerium. Bei Anfragen werde die Regionaldirektion eingebunden. «Der Erfolg einer Vermittlung kann aber vom Welcome Center Schleswig-Holstein nicht nachverfolgt werden.»
Stender reicht das nicht aus. «Die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler haben ein klares Recht zu wissen, was ihr Geld bringt und ob es überhaupt etwas bringt.» Wer ernsthaft Fachkräfte sichern wolle, brauche Transparenz und messbare Ergebnisse.
Stender: Echte Ergebnisse werden nicht gemessen
In der Antwort führt die Landesregierung zu den Kennzahlen zur Erfolgsmessung neben der Zahl der Kontakte unter anderem auch diverse Marketing-Zahlen beispielsweise zu Followern und Beiträgen auf Facebook auf. Dort folgen dem Center 127 Nutzer. «Die letzten Beiträge auf der Facebook-Seite stammen aus dem Februar, in denen es unter anderem um das Thema Fasching und Karneval ging», kritisierte Stender.
«In der Kleinen Anfrage wird allen Ernstes auch Facebook als Erfolgsindikator aufgeführt», sagte der Landtagsabgeodnete. «Der Facebook-Account hat gerade einmal so viel Follower wie die Einwohnerzahl eines kleinen Dorfes. Beim Instagram-Auftritt sieht es nicht viel besser aus.» Der Oppositionspolitiker moniert, dass echte Ergebnisse nicht gemessen würden, verwaiste Social-Media-Accounts hingegen schon. «Das ist kein Erfolgsnachweis, das ist ein digitaler Dornröschenschlaf.»
Nach früheren Angaben der Landesregierung hat Schwarz-Grün für das Welcome Center bis zu 12,8 Millionen Euro bis 2028 bereitgestellt.
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