33-Jährige verteilt anonym Geschenke – was sie antreibt

Seit gut anderthalb Jahren bereitet die Erzieherin mit ihren Geschenken anderen eine Freude. Benjamin Müller/dpa
Seit gut anderthalb Jahren bereitet die Erzieherin mit ihren Geschenken anderen eine Freude. Benjamin Müller/dpa

Osnabrück (dpa/lni) –

Es braucht nicht viel, um anderen Menschen eine Freude zu machen. Zum Beispiel einen kleinen Beutel mit ein paar Make-up- und Wellness-Utensilien, einem kleinen Schminkspiegel und einem handgeschriebenen Gruß darin: «Denk heute an die wichtigste Person in Deinem Leben: Dich. Lass die Seele baumeln.» Abgelegt auf einem Spielplatz, damit ein völlig unbekannter Mensch das Geschenk entdeckt – und sich freut.

Seit gut anderthalb Jahren zaubert Erzieherin Kira anderen Menschen ein Lächeln ins Gesicht, indem sie solche Beutelchen packt und in Osnabrück verteilt: in Parks, auf Spielplätzen, an Spazierwegen. Von jedem der Geschenke, die immer verschieden sind, macht die 33-Jährige ein kurzes Video, das den Ablageort zeigt. 

Auf Instagram gibt es Hinweise auf den Ort

Den Film veröffentlicht sie auf dem Instagramkanal «Freudestreuer». Darüber bekommen ihre Follower – derzeit mehr als 2.700 – einen Hinweis, wo die kleine Aufmerksamkeit versteckt wurde. Die Geschenke sollen ein «Sonnenstrahl im Alltag» sein, sagt sie.

Ihre Identität will sie nicht preisgeben. «Ich möchte anonym bleiben», sagt sie. Sie wolle nicht auf der Straße von Fremden als «Freudestreuerin» erkannt werden, außerdem gehe es ihr nicht um ihre Person.

Geschenke als Reaktion auf schlechte Nachrichten

Die Idee sei ihr vor rund zwei Jahren zur Weihnachtszeit gekommen, erzählt die herzliche und lebenslustig wirkende Frau. Sie habe Geschenke machen wollen, aber das nicht nur zu bestimmten Anlässen wie Weihnachten oder Geburtstagen. 

Aber warum will sie Menschen, die ihr vollkommen unbekannt sind, eine Freude machen? Bei dieser Frage wird die fröhliche 33-Jährige ernst. Wenn sie die Nachrichten verfolge und sehe, was auf der Welt an schrecklichen Dingen geschehe, verspüre sie eine Ohnmacht: «Das geht wahrscheinlich vielen so», sagt sie. Sie habe gegen dieses Gefühl der Ohnmacht etwas unternehmen wollen.

Geschenke als kleines Abenteuer im Alltag

Nun schaffen die kleinen Geschenke, die Kira in der Stadt verteilt, natürlich keinen Frieden. «Ich kann damit aber dafür sorgen, dass sich mein Umfeld ein bisschen besser fühlt», erzählt sie. Es sei besser, zu handeln, als in der Ohnmacht zu bleiben. «Ich möchte, dass die Leute ein bisschen aus dem Alltag gerissen werden, dass sie ein kleines Abenteuer im Alltag haben und sie daran erinnert werden, dass wir nur dieses eine Leben haben», sagt sie.

Inzwischen bekomme sie viele Reaktionen auf ihre kleinen Geschenke. «Das ist im Grunde so, wie einen Brief an einen Unbekannten zu schreiben und man bekommt eine Antwort. Das ist super schön!» 

Eine ihrer Followerinnen ist Fabienne Wagner. Die 26-Jährige kommt zu dem Spielplatz und läuft zielstrebig zum Geschenk. Sie habe ihr Auto in der Nähe geparkt, sei auf Instagram gegangen und habe den Film gesehen. Am Tag vorher sei sie zu spät gewesen – das Geschenk war schon weg. Jetzt komme das Geschenk nach einem anstrengenden Termin gerade richtig.

Die Idee der Geschenke von Unbekannt finde sie toll. «Ich habe selbst sehr viele Engel anonym verschenkt, in einem anderen Rahmen, und fand die Idee total schön, einfach Leuten eine Freude zu machen.» Sie würde auch gerne ihre Engel dazugeben, erzählt Wagner. «So kleine Glücksmomente können einem Menschen, gerade in so schwierigen Situationen, viel Freude bringen.»

© dpa-infocom, dpa:260313-930-811516/1

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