Für viele Pendler:innen in Hamburg ist der heutige Tag angesichts des 24-stündigen Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr eine besondere Herausforderung. Nach unserem Kenntnisstand seien bisher keine Busse von den Höfen gefahren, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Alles steht.“ Ähnlich sehe es bei den U-Bahnen aus. Man sei sehr zufrieden, wie der Warnstreik angelaufen sei.

Die Hamburger Hochbahn teilte am Morgen mit, dass die U-Bahnen nicht fahren werden. Im Busbereich werde es lediglich einen Notfall-Fahrplan geben. So fahren die Busse auf den Linien 23 und 24 demnach im 20-Minuten-Takt. Auf den Linien 114, 155, 161, 180 und 561 wird es ein nahezu normales Angebot geben, da diese Linien durch beauftragte Unternehmen bedient werden. Auf den Buslinien 16, 43 und 191 gibt es den Angaben zufolge ein stark eingeschränktes Angebot. Die Schulbusse sollen fahren.
Auch bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) fallen viele Busse aus oder werden nur eingeschränkt bedient. Von dem 24-stündigen Warnstreik nicht betroffen sind den Angaben zufolge die S-Bahn und die Hadag-Fähren.
Warnstreik für mehr Geld – „Auch wir müssen Miete bezahlen“
„Heute soll der Betrieb stillstehen“, sagte ein Busfahrer der Hochbahn der dpa. Man streike für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. „Auch wir müssen Mieten bezahlen, auch wir müssen unsere Kinder ernähren. Und das ist in der Stadt Hamburg alles nicht mehr so leicht.“
Verdi fordert für die Hochbahn-Beschäftigten unter anderem eine Lohnsteigerung von 7,5 Prozent in Verbindung mit einer sozialen Komponente für die unteren Entgeltgruppen, die Erhöhung der Auszubildendenvergütung um 7,5 Prozent und die Einführung eines Mietkostenzuschusses in Höhe von 200 Euro pro Monat für Auszubildende. Bei der ersten Verhandlungsrunde am Freitag legten die Hochbahn-Arbeitgeber laut Verdi kein Angebot vor. Daneben wird derzeit bei der VHH ein neuer Manteltarifvertrag ausgehandelt.
Kundgebung am Vormittag
Am Morgen ist beim Busbetriebshof der Hochbahn in Harburg eine Kundgebung geplant. Von dort führt nach Verdi-Angaben ein Demonstrationszug bis zum Harburger Rathausplatz. Dort soll um 10:30 Uhr die gemeinsame Streikkundgebung der Beschäftigten von Hochbahn, VHH und aus dem öffentlichen Dienst der Länder stattfinden.
Auch in Schleswig-Holstein stehen Busse still
Wegen eines Warnstreiks bleiben die Stadtbusse in Kiel, Lübeck, Neumünster und Flensburg heute in den Depots. Mit Betriebsbeginn startete ein ganztägiger Warnstreik bei den kommunalen Busunternehmen, wie Verdi-Nord-Verhandlungsführer Sascha Bähring der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Wir wissen, dass bis jetzt nichts vom Hof gefahren ist und alles steht.“ Man sei sehr zufrieden und merke, dass die Leute motiviert seien, für ihre Forderungen einzustehen.

Streikende aus Schleswig-Holstein und dem Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern sind zu einer Kundgebung mit anschließender Demonstration von 10:00 Uhr an hinter dem Gewerkschaftshaus in Lübeck aufgerufen.
Verhandlungen
Die Gewerkschaft fordert für die rund 1.500 betroffenen Busfahrer:innen in Schleswig-Holstein insbesondere deutlich bessere Arbeitsbedingungen – etwa durch kürzere Wochenarbeitszeit und Schichtzeiten, längere Ruhezeiten, aber auch durch höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende.
In Schleswig-Holstein verhandeln die Tarifpartner über einen neuen Manteltarifvertrag. Die zweite Verhandlungsrunde ist am 18. Februar. Über höhere Löhne und Gehälter soll erst im Sommer verhandelt werden.
Fahrstopp für Busse und Bahnen in Bremen
Für Fahrgäste in Bremen geht heute nichts mehr: Seit den frühen Morgenstunden steht der öffentliche Nahverkehr still. Der Warnstreik läuft seit 3:00 Uhr und soll bis Dienstagmorgen, circa 3:00 Uhr, andauern, teilte die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) mit.

Weil weder Busse noch Bahnen fahren und auch die Kundencenter geschlossen bleiben, müssen Pendler:innen sowie Fahrgäste selbstständig auf Alternativen ausweichen. Am frühen Morgen waren die Haltestellen der BSAG am Bremer Hauptbahnhof nahezu menschenleer.
Streit um Arbeitsbedingungen
Hintergrund sind Verhandlungen über neue Manteltarifverträge für die kommunalen Nahverkehrsbetriebe in diesem Frühjahr in allen Bundesländern. Verdi fordert unter anderem kürzere Schichtzeiten, längere Ruhezeiten und höhere Zuschläge in der Nacht und am Wochenende.
Die Bremer Straßenbahn AG kritisiert den Warnstreik hingegen als verfrüht und bedauerlich. In der gerade laufenden Tarifrunde habe es bisher nur einen einzigen Verhandlungstermin Mitte Januar gegeben, so die BSAG.
Bundesweiter Aktionstag – nur nicht in Niedersachsen
Die Arbeit wird heute aber nicht nur in Bremen niedergelegt. Auch in mehreren anderen Bundesländern arbeiten Beschäftigte nicht. In Niedersachsen fahren Busse und Bahnen dagegen weiter.
Zuletzt hatte es im vergangenen Frühjahr Warnstreiks im Nahverkehr in Niedersachsen und Bremen gegeben.
SAT.1 REGIONAL/dpa












