
Content mit kleinen Kindern bringt Influencerinnen und Influencern auf Social Media besonders viel Aufmerksamkeit. Das bestätigt erstmals eine umfangreiche Studie zum Family-Influencing, die von mehreren Landesmedienanstalten in Auftrag gegeben wurde. Demnach erzielen vor allem Beiträge mit sehr jungen Kindern im Alter zwischen null und drei Jahren überdurchschnittlich viele Likes und Interaktionen.
Für die Untersuchung wurden rund 10.000 Beiträge von 359 deutschsprachigen Profilen auf Instagram, TikTok und YouTube analysiert.
Ein Drittel zeigt Kinder erkennbar
Die untersuchten Accounts erreichen zusammen mehr als 109 Millionen Followerinnen und Follower. Ein Drittel der Influencer zeigt Kinder klar erkennbar, bei größeren Profilen sogar jeder zweite. Die heute veröffentlichte Studie liefert erstmals systematische Daten dazu, wie häufig und in welchen Kontexten Kinder in kommerziellen Social-Media-Posts auftreten.
Kinder zahlen einen hohen Preis
Besonders kritisch sind Inhalte, in denen Kinder in intimen oder emotionalen Situationen gezeigt werden, etwa beim Wickeln oder während eines Wutanfalls. Kinder zahlen dabei mit ihrer Privatsphäre und ihrem persönlichen Schutzraum – ein hoher Preis, so die Medienanstalten. Je nach Darstellung können auch Fragen des Datenschutzes, des Persönlichkeitsrechts und des Kinderarbeitsschutzes betroffen sein.
Wer profitiert von Family-Content?
Family Influencing ist für viele ein lukratives Geschäftsmodell. Von der hohen Reichweite profitieren nicht nur Influencerinnen und Influencer selbst, sondern auch Werbewirtschaft und Plattformen. Letztere können die Sichtbarkeit dieser Inhalte durch ihre Algorithmen zusätzlich pushen.
Auf Grundlage der Ergebnisse haben die Medienanstalten Handlungsempfehlungen entwickelt. Sie richten sich neben Influencerinnen und Influencern auch an Unternehmen und sollen dazu beitragen, Kinder in sozialen Netzwerken besser zu schützen.
Was heute online geht, sollte auch Jahre später vertretbar sein
Der Leitfaden bewertet Family-Influencing nicht grundsätzlich negativ, setzt aber auf Vorsicht und Zurückhaltung beim Posten. So heißt es etwa: „Stellen Sie nur Posts online, die Sie auch Ihrem erwachsenen Kind gegenüber noch verantworten können.“ Außerdem sollten Kinder möglichst nicht eindeutig erkennbar gezeigt werden.
Die Studie wurde in Auftrag gegeben von der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM), der Bremischen Landesmedienanstalt (brema), der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb), der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH) und der Landesanstalt für Medien NRW (LFM NRW). Durchgeführt wurde sie vom Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut.
Mehr Informationen:
Studie: „Darstellung von Babys und Kleinkindern in monetarisierten Social-Media-Profilen“
Family Influencing: Handlungsempfehlungen der Medienanstalten
SAT.1 REGIONAL mit Informationen der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM)












