Hamburg/Kiel (dpa/lno) –
Der Winter hat den Norden fest im Griff und dürfte mit Neuschnee und Sturmböen noch für weitere Behinderungen sorgen. Wegen des heranziehenden Sturmtiefs «Elli» gilt ab dem Morgen eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdiensts (DWD) für Hamburg und fast ganz Schleswig-Holstein. Erwartet werden auch Schneeverwehungen.
Viele öffentliche Einrichtungen bleiben vorsorglich geschlossen. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) rief die Bürgerinnen und Bürger auf, wenn möglich, zu Hause zu bleiben. Im Nah- und Fernverkehr der Bahn gibt es schneebedingte Einschränkungen.
An den Schulen fällt der Unterricht aus
Für die Schülerinnen und Schüler an den allgemeinen und berufsbildenden Schulen in ganz Hamburg und neun Kreisen in Schleswig-Holstein gibt es heute schneefrei. An den Schulen in Dithmarschen, im Herzogtum Lauenburg, Nordfriesland, Pinneberg, Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Flensburg, Segeberg, Steinburg und Stormarn findet kein Unterricht statt.
Wie in Hamburg wird auch dort für die Jahrgangsstufen eins bis sechs eine Notbetreuung eingerichtet. Wegen des erwarteten Sturmtiefs war der Unterricht in den Schulen auf den nordfriesischen Inseln Amrum und Föhr bereits am Donnerstag ausgefallen.
Die Universität Hamburg riet für Freitag ebenfalls von Präsenzveranstaltungen ab. «Wenn es möglich ist, werden Lehrende gebeten, ihre Lehrveranstaltungen digital durchzuführen», heißt es in einem Schreiben der Hochschulleitung.
Schneeverwehungen und Sturmflutwarnung
Laut DWD kommen auf Norddeutschland am Freitag vielerorts Schneeverwehungen zu. Dabei seien in und um Hamburg sowie in Schleswig-Holstein stürmische Böen und an den Küsten Sturmböen zu erwarten.
Für sich genommen seien weder der Neuschnee von 10 bis 15 Zentimetern noch das stürmische Wetter mit Böen von bis zu 80 Kilometern pro Stunde im Norden ein Problem oder Grund für eine Unwetterwarnung, hieß es. Aber das Zusammenspiel mache es schwierig, sagte ein DWD-Meteorologe. «Das ist insofern ungünstig, weil es dauerhaft zu Schneeverwehungen kommen wird.»
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) warnte vor einer Sturmflut ab Freitagabend. In der Kieler und der Lübecker Bucht werden bis zu 1,10 Meter über dem Normalwert erwartet, in der Flensburger Förde sind es bis zu 1,25 Meter. Laut Definition beginnt an der Ostsee eine Sturmflut ab einem Wasserstand von einem Meter über dem Normalwert. An der Nordsee sind es 1,5 Meter.
Wetterbedingte Einschränkungen im Verkehr
Bei Bahnen, Bussen und Fähren soll es weiterhin Einschränkungen geben. Die Deutsche Bahn rief dazu auf, auf nicht unbedingt nötige Fahrten zu verzichten. Wie das Unternehmen mitteilte, verkehren Züge des Nah- und Fernverkehrs in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Bremen aber weiterhin. Das gelte auch für die S-Bahn Hamburg und die Linienbusse von DB Regio.
Fahrgäste müssten sich aber auf einen ausgedünnten Takt, eine verringerte Wagenanzahl und ein eingeschränktes Platzangebot einstellen. Zudem komme es regional witterungsbedingt zu Ausfällen und Verspätungen. Je nach Wetterlage müssten einzelne Linien ganz eingestellt werden. Am Morgen fallen zudem mehrere von Metronom betriebene Züge aus Niedersachsen nach Hamburg aus.
Das Eisenbahnunternehmen Nordbahn, das mehrere Regionallinien betreibt, sagte alle für den Morgen geplanten Fahrten zunächst ab. Ob und wann der Betrieb aufgenommen wird, soll erst nach einer Prüfung am Vormittag entschieden werden. So lange sollen Ersatzbusse fahren – sofern die Wetterlage das zulasse.
Der Automobilclub ADAC Hansa empfahl Autofahrern, ihr Auto am Freitag stehenzulassen. «Zwar sind die Winterdienste den ganzen Tag im Einsatz, schwierige Verhältnisse mit teilweise glatten Straßen werden sich aber dennoch nicht verhindern lassen», erklärte der ADAC. Wer dazu die Möglichkeit habe, solle lieber aus dem Homeoffice arbeiten.
Umweltsenatorin ruft zum Schneeschippen auf
Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank rief die Hamburgerinnen und Hamburger auf, im Kampf gegen die Schneemassen mitanzupacken. «Bitte greifen Sie zur Schaufel», sagte die Grünen-Politikerin, in deren Ressort auch der Winterdienst der Stadtreinigung liegt. «Bei diesen extremen Mengen stoßen wir schlicht an die Grenzen des Machbaren», sagte sie und betonte: «Wir können den Schnee nicht wegzaubern. Es ist ein absoluter Ausnahmewinter.»
Zugleich mahnte Fegebank zur Vorsicht: «Meiden Sie bitte die Wälder wegen der Schneebruch-Gefahr und gehen Sie keinesfalls auf zugefrorene Gewässer, das ist lebensgefährlich.»
Auch Tschentscher rief die Hamburgerinnen und Hamburger zur Mithilfe auf. «Zum Beispiel dadurch, dass sie unnötige Wege vermeiden, dass sie vielleicht verschiebbare Termine eben nicht wahrnehmen und dadurch vielleicht auch den Verkehrsraum entlasten für diejenigen, die dann auch dringend zum Dienst kommen müssen», sagte der SPD-Politiker am Abend am Rande des «Blankeneser Neujahrsempfangs» des Magazins «Klönschnack».
Tschentscher verwies unter anderem auf die personelle Verstärkung der Krankenhäuser und den Einsatz von Verkehrsbetrieben und Stadtreinigung. Er sprach von einer «zugespitzten Lage».
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