Wie zwei Seniorinnen Hann. Münden ein Stück sauberer machten

In der Vergangenheit störten Zigarettenstummel das historische Panorama. Swen Pförtner/dpa
In der Vergangenheit störten Zigarettenstummel das historische Panorama. Swen Pförtner/dpa

Hann. Münden (dpa/lni) –

Das Panorama der historischen Altstadt, die rauschende Werra – und zahlreiche Zigarettenstummel prägten bisher das Bild an der alten Werrabrücke im südniedersächsischen Hann. Münden. Zwei Seniorinnen hatten genug von den Kippenresten und stellten nach eigenen Angaben in einer «Nacht- und Nebelaktion» zahlreiche Eimer auf. Inzwischen wurden sie durch Aschenbecher ersetzt, auf die andere Städte ein Auge werfen. Was hat es damit auf sich?

«Einmal im Jahr gibt es in Hann. Münden eine Putzaktion in der Stadt. Doch nach einer Woche ist meist alles wieder wie vorher», erinnerte sich Cornelia Schulze, eine der beiden Initiatorinnen. Das sollte im Frühjahr 2025 nicht passieren: «Wir haben deshalb einfach ohne zu fragen mit Sand gefüllte Eimer in der Stadt aufgestellt.» Darauf geklebt war ein laminierter Zettel mit der Aufschrift «Steck‘ die Kippe in den Sand.»

Nachfrage statt Rüffel

Die Reaktion sei sehr positiv gewesen: «Wir haben keinen Rüffel von der Stadt bekommen. Stattdessen haben Kaufleute nach den Eimern gefragt, um sie vor ihre Läden stellen zu können», sagte Schulze. Gut ein Jahr lang leerten sie und Heike Tauer-Schneider die Behälter selbst. Allein im rund 100 Meter langen Brückenbereich sammelten sie dabei etwa 60 Zigarettenstummel pro Tag. Eine Dauerlösung waren die Eimer aber nicht – dafür waren sie schlicht nicht schick genug.

Seit Pfingsten hängen auf der Brücke und im angrenzenden Uferbereich kleine Edelstahl-Aschenbecher. Wie ihre Vorgänger sind sie mit Sand gefüllt, auch der Spruch «Steck‘ die Kippe in den Sand» ist geblieben, zudem gab es einen Regenschutz und sie werden nun von der Stadt gereinigt. Äußerlich ähneln die Behälter zwar vielen öffentlichen Aschenbechern. Was macht das Hann. Mündener Modell also besonders?

«Sie sind so bequem wie möglich», erklärte Schulze. Es gebe kein enges Gitter zum Ausdrücken der Kippe und stattdessen eine große Öffnung, um die Zigarette loszuwerden, ohne sich die Finger schmutzig zu machen. Zudem betrage der Abstand zwischen den Edelstahlbehältern nur wenige Meter, sodass möglichst immer einer in Reichweite sei.

Edelstahleimer aus Preisgeld finanziert

Bürgermeister Tobias Dannenberg (CDU) freut’s: «Wir haben seit vier Jahren das Ziel, die Sauberkeit in der Stadt voranzutreiben.» So sei etwa ein Saugfahrzeug angeschafft worden, mit dem bei Bedarf nun auch die neuen Kippen-Behälter gereinigt werden können, die in Zusammenarbeit mit den Göttinger Werkstätten entstanden sind. 

Das Problem der fehlenden Aschenbecher im Bereich der Brücke hatte die Stadt bisher nicht gelöst – jetzt kam es frei Haus. Die Kosten für die neuen Behälter, 149 Euro das Stück, haben die beiden Seniorinnen aus ihrem Preisgeld für den Gewinn des NDR-Ehrenamtspreises für ihr Eimer-Projekt bezahlt. 

20 Stück sollen zunächst in Hann. Münden aufgestellt werden. Andernorts werden es bald womöglich noch mehr. Anna-Lena Wiegräfe von der Wirtschaftsförderung weiß: «Es gibt bereits Anfragen aus mehreren anderen Kommunen.»

© dpa-infocom, dpa:260606-930-181425/1

Copy LinkCopy Link
Zur Startseite