Stuckrad-Barre hat Udos Spitznamen als Künstlernamen im Pass

Die beiden Künstler kennen sich seit mehr als 20 Jahren. (Archivbild) Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa
Die beiden Künstler kennen sich seit mehr als 20 Jahren. (Archivbild) Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Hamburg (dpa) –

Benjamin von Stuckrad-Barre hat wieder über Udo Lindenberg geschrieben – sein neues Buch ist im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen. Zur Veröffentlichung beantwortet der 51-Jährige drei Fragen.

Udo Lindenberg, so steht es in Ihrem Buch, gibt den Menschen um sich herum ja oft Spitznamen. Welchen hat er Ihnen gegeben? 

Meiner ist «Stuckiman». Den mag ich so gerne, dass ich ihn sogar als Künstlernamen in meinen Ausweis habe eintragen lassen. Einfach, um zu gucken, ob das geht. Aus Freude daran, somit den Udo-Spirit in ein beglaubigtes staatliches Dokument reinzubringen, weil sich das so widerspricht. Bürokratie und Udo – das sind ja zwei Antipoden. 

Die Frau vom Einwohnermeldeamt war zunächst nicht sehr angetan von dieser Idee: „Ja sehr witzig, das kann ja jeder sagen, Udo nennt mich soundso. Das lassen wir mal schön bleiben.“ Aber dann bat ich sie, das doch mal bei Google einzugeben, und da es gab viele Treffer. Also hat die Dame eingesehen, dass das wohl der Wahrheit nahe kommt, und hat mir diesen Gefallen erwiesen. Seit 2018 steht also in meinem Ausweis: „Stuckiman“.

Was begeistert Sie an Udo Lindenberg am meisten? 

Mich begeistert an ihm ganz viel. Das erste, was mich schon als Kind angezogen, entflammt und angestiftet hat, ist sein Umgang mit der deutschen Sprache. Spielerisch, fantasievoll, erfindungsreich. Die deutsche Sprache als Abenteuerspielplatz zu begreifen. Das ist für mich das Wichtigste.

Ansonsten ist es die tiefe Liebe, die von Udo ausgeht. In allem, was er tut. Eine Menschenliebe tatsächlich. Ein Interesse am Menschen. Er spricht mit jedem. Und die Melancholie, die ihn sogar in extremster Feierei umgibt, ja besonders dann sogar. Das ganze Schubidu ist ja vor allem auch eine Taktik zur momentweisen Überwindung dieser tiefsitzenden Grundmelancholie.

Was hat Sie bei all den Gesprächen mit Udo am meisten überrascht?

Ehrlich gesagt, die Genauigkeit seiner Erinnerung. Das hat mich überrascht, weil man ja bei Udo mit seiner nuscheligen Aussprache, dem erstaunlichen Kleidungsstil und der Dauerwitzelei durchaus denken könnte, dass er sich nicht einmal an irgendwas von vor zehn Minuten erinnern kann oder auch nur will.

Aber falsch gedacht: Der weiß sehr, sehr genau, was los ist und merkt sich das meiste sehr genau. Hinter der Sonnenbrille sind Udos Augen extrem wach, und er kriegt alles um sich herum immer sofort mit. Ich kam irgendwann darauf, dass die Sonnenbrille gar nicht vorrangig zu seinem Schutze da ist. Denn der Udo-Blick ist so wahnsinnig tief, so allsichtig, so anrührend auch, das hält keiner lange aus. Also trägt Udo seine Sonnenbrille, um uns zu schützen, nicht sich selbst.

© dpa-infocom, dpa:260416-930-951070/1

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