Hamburg (dpa) –
Ein Lautsprecher ist Marcel Rapp nicht. In der Rubrik «Spruch des Tages» taucht der neue Trainer des künftigen Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli nur selten auf. Auch bei seiner Vorstellung blieb sich der 47-jährige Badener treu: keine großen Ankündigungen, keine verfrühten Zielsetzungen.
«Ich bin jetzt ganz neu da und muss mir einen Überblick verschaffen über den Kader. Und da wird ja vielleicht auch noch was passieren, bevor man dann konkret über Ziele spricht», sagte er.
Zuvor hatte Sportchef Andreas Bornemann erneut betont, dass sich der Verein in den Top 25 etablieren wolle. Rapp schloss sich der Einschätzung an: «Ich glaube, das ist der Anspruch, mit dem man hier antritt und dem man auch gerecht werden kann.»
Am Freitag hatten die Hamburger den früheren Kieler Trainer als Nachfolger von Alexander Blessin verkündet. Einen Tag zuvor hatte der Verein Blessin freigestellt – knapp drei Wochen nach dem Bundesliga-Abstieg.
Bis dahin hatten Bornemann und Blessin zwei Jahre Bundesliga aufgearbeitet und versucht zu klären, ob und wie ein gemeinsamer Weg in die Zukunft aussehen könnte. Am Ende stand die Trennung. «Ich glaube, es ist durchaus verständlich, dass man für so eine Personalie auch die nötige Sorgfalt und Zeit sich nimmt», erklärte Bornemann.
Energiegeladene Gespräche
In Marcel Rapp glaubt Bornemann den richtigen Mann gefunden zu haben. «Die Gespräche mit Marcel waren vom ersten Moment an sehr von Energie geladen», sagte der Sportchef. Er hob dessen Kenntnis der 2. Liga und der Mannschaft hervor. «Insofern bin ich sehr, sehr froh, dass wir dann auch in der Folge eine Lösung gefunden haben, diese wichtige Saison, die jetzt bevorsteht, gemeinsam angehen zu können.»
Rapp hat sich gleich bei seiner ersten Trainerstation als Profitrainer einen guten Namen gemacht. Viereinhalb Jahre arbeitete er bei Holstein Kiel, führte den Verein 2024 erstmals in die Bundesliga. Trotz des Abstiegs verdienten sich Rapp und sein Team viel Respekt in der Erstliga-Saison. Als in der vergangenen Spielzeit der Durchmarsch in die 3. Liga drohte, trennte sich der Club von der Förde im Februar von Rapp. Die Wertschätzung für ihn blieb aber.
Ein Badener im Norden
Mit seiner Familie blieb er in der Nähe von Kiel wohnen. Die Pause von fast vier Monaten nannte Rapp einen «verlängerten Sommerurlaub». Er habe Sachen gemacht, zu denen er sonst nicht komme. Freunde treffen, mit der Familie Skifahren.
Der Fußball blieb Mittelpunkt. «Ich habe viel Fußball geguckt, ich habe mir einen Überblick verschafft über viele Ligen, weil ich einfach noch mehr Zeit hatte. Und deswegen kam es mir jetzt gar nicht so lang vor», berichtete Rapp. Er habe Gespräche mit Kollegen geführt, auch mal außerhalb vom Fußball, beispielsweise beim Handball hospitiert.
Die Vorbereitung auf die neue Saison startet am 26. Juni. Seine Arbeit hat längst begonnen. «Du musst ins Machen kommen, und da fangen wir jetzt schon an. Und wenn die Jungs dann kommen, sind wir bereit, und dann werden wir die Jungs auch gut vorbereiten», meinte Rapp.
Jens Schuster ergänzt Trainerteam
Was feststeht: Er übernimmt das Trainerteam seines Vorgängers. Dazu kommt Jens Schuster als weiterer Co-Trainer. Der 49-Jährige war zuletzt Chefscout in Kiel und lange Jahre Assistent von Rapp in der Nachwuchsabteilung der TSG Hoffenheim.
Die Zusammenstellung des Kaders ist die weitaus größere Herausforderung für Bornemann und Rapp. Einige Spieler haben ihren Abschied schon verkündet, bei anderen wird davon ausgegangen, dass sie gehen. Einer davon ist Abwehrchef Hauke Wahl, der laut Medienberichten vor dem Wechsel zum Mitabsteiger VfL Wolfsburg steht. Auch Eric Smith und Joel Chima Fujita gelten als Wechselkandidaten.
2. Liga annehmen
Das Wichtigste bei einem Bundesliga-Absteiger ist für Rapp die Einstellung. «Der größte Fehler ist zu denken, man ist noch ein Erstligist und man spielt so als Erstligist in der 2. Liga. Ich glaube, dann hat man gar keine Chance», sagte er. «Ich glaube, man muss die Liga annehmen, man muss die Liga respektieren. Trotzdem bringt es nichts, nur darüber zu reden, sondern das muss man mit Taten füllen.»
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