Spektakuläre Prozesse – Welche Entscheidungen fallen 2026?

2026 werden in Niedersachsen einige spektakuläre Prozesse  und Urteile erwartet. (Symbolbild)  Swen Pförtner/dpa
2026 werden in Niedersachsen einige spektakuläre Prozesse und Urteile erwartet. (Symbolbild) Swen Pförtner/dpa

Hannover (dpa/lni) –

Tödliche Polizeischüsse, der Prozess gegen die ehemalige RAF-Terroristin Klette und ein angeklagter Staatsanwalt – für die niedersächsische Justiz dürfte auch 2026 reichlich Aufklärungsarbeit anstehen. Ein Überblick auf bevorstehende Prozesse und erwartete Urteile: 

Tödliche Polizeischüsse in Oldenburg

In der Nacht zu Ostersonntag 2025 erschoss ein Polizist den 21 Jahre alten Lorenz. Die Schüsse trafen den jungen Deutschen mitten in der Oldenburger Fußgängerzone – von hinten in Oberkörper, Hüfte und Kopf. Der gewaltsame Tod des Schwarzen sorgte weit über die Grenzen der niedersächsischen Stadt hinaus für Entsetzen, Anteilnahme und viele Fragen. Schnell wurden Vorwürfe laut, Rassismus könnte eine Rolle gespielt haben.

Im November klagte die Staatsanwaltschaft den 27 Jahre alten Polizisten wegen fahrlässiger Tötung an. Demnach soll der Deutsche irrtümlich geglaubt haben, sich in einer Notwehrlage zu befinden. Der Beamte sei davon ausgegangen, Lorenz wolle ihn mit einem Messer angreifen. Tatsächlich versprühte der 21-Jährige Reizgas gegen den Beamten, ein mitgeführtes Messer benutzte er aber nicht. Den Ermittlungen zufolge wollte Lorenz zum Zeitpunkt der Schussabgabe fliehen. 

Dass der Fall nun vor Gericht aufgearbeitet werden könnte, ist für viele eine Erleichterung. Freunde und Familie des Toten fordern allerdings eine Anklage wegen Totschlags. Ob und wann genau der Prozess beginnt, ist unklar. Das Landgericht Oldenburg wird über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden. 

Prozess-Ende gegen die Ex-RAF-Terroristin?

Das Verfahren gegen die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette sorgt international für Aufsehen, 2026 könnte die Verhandlung enden. Das Landgericht Verden möchte Anfang Januar den letzten Überfall besprechen und im Anschluss noch einige Urkunden und Schriftstücke einführen. «Plädoyers und Urteilsverkündung sind zurzeit nicht absehbar», teilte eine Sprecherin des Gerichts mit. Das Gericht plant bisher mit Terminen bis in den Sommer – Ende offen.

Klette soll mit ihren flüchtigen Komplizen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg zwischen 1999 und 2016 Geldtransporter und Supermärkte in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein überfallen haben. Das Trio soll die Opfer mit Waffen bedroht und so mehr als 2,7 Millionen Euro für ihr Leben im Untergrund erbeutet haben. 

Schmerzensgeldforderungen nach Germanwings-Absturz 

Mehr als zehn Jahre nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf mit 150 Toten steht in Braunschweig ein Zivilprozess um Schmerzensgeldforderungen aus. Das Verfahren führen insgesamt 32 Klägerinnen und Kläger gegen die Bundesrepublik in der niedersächsischen Stadt, weil das Luftfahrt-Bundesamt dort seinen Sitz hat. 

Die Kläger sind nach Angaben eines Gerichtssprechers der Auffassung, dass die Überwachung der medizinischen Tauglichkeitsprüfungen für Piloten nicht beachtet worden sei. Dies habe den vom Co-Piloten vorsätzlich verursachten Absturz des Flugzeugs am 24. März 2015 begünstigt. Einen genauen Termin zur mündlichen Verhandlung gibt es noch nicht. 

Pleite einer Bank mit enormem Schaden

Die Pleite der Bremer Greensill-Bank könnte dieses Jahr vor Gericht landen. Die Staatsanwaltschaft erhob im Dezember Anklage gegen zwei ehemalige Vorstandsmitglieder und ein früheres Mitglied des Aufsichtsrates. Sie sollen einen der gravierendsten Finanzskandale in Deutschland ausgelöst haben. 

Die Ermittler werfen den Männern unter anderem Bankrott im besonders schweren Fall vor. Sie sollen Regeln für Banken absichtlich ignoriert oder gezielt umgangen haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die ehemaligen Manager auf diese Weise die Insolvenz der Greensill-Bank im März 2021 verursacht haben. Private Sparer wurden entschädigt, Kommunen blieben auf vielen Millionen Euro sitzen. Das Landgericht Bremen muss noch entscheiden, ob der Fall vor Gericht verhandelt wird.

Kommt Klage gegen AfD-Politikerin?

Wegen mutmaßlich hetzerischer Internet-Posts plant die Staatsanwaltschaft Göttingen eine Anklage gegen die niedersächsische AfD-Landtagsabgeordnete Vanessa Behrendt. Der Landtag hob deswegen im November die Immunität der Politikerin auf. Sollte es zu einer Anklage kommen, würde diese am Landgericht Braunschweig verhandelt werden. Behrendt lebt in Helmstedt.

Der 41 Jahre alten Politikerin werden unter anderem Volksverhetzung und Beleidigungen vorgeworfen. Konkret geht es demnach um Beiträge aus der Zeit von August 2024 bis Februar 2025 auf der Plattform X. Behrendt selbst hält die Vorwürfe für «eindeutig politisch motiviert», wie sie der Deutschen Presse-Agentur sagte. 

Sie soll unter anderem geschrieben haben, dass die Regenbogenfahne – eigentlich ein Symbol sexueller Minderheiten – für Machenschaften pädophiler Lobbygruppen stehe. In einem anderen Beitrag soll sie schwule, lesbische und andere Menschen sexueller Minderheiten als perverse Psychopathen bezeichnet haben.

Kokain-Handel: Staatsanwalt wird Bestechlichkeit zur Last gelegt

Ein Staatsanwalt aus Hannover soll Interna aus Ermittlungsverfahren durchgesteckt und dafür ein zweites Gehalt von einer Bande von Kokain-Händlern kassiert haben. Ein Spediteur der Bande bekräftigte zuletzt die Vorwürfe. Konkret werden dem 40-Jährigen 14 Fälle von besonders schwerer Bestechlichkeit zur Last gelegt. Zudem ist er wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses und Strafvereitelung im Amt am Landgericht angeklagt. Die Prozessbeteiligten stellen sich auf eine lange Verfahrensdauer ein. Mittlerweile wurden Verhandlungstermine bis Ende Mai 2026 angesetzt. 

Drohnenprogramm der Hisbollah unterstützt? 

Ein altes Video, ein Angeklagter in militärischer Uniform und der Vorwurf millionenschwerer Beschaffungen für die Hisbollah: Mit diesen Bildern und Anschuldigungen hat Mitte November vor dem Oberlandesgericht Celle der Prozess gegen einen 35-Jährigen begonnen. Die Bundesanwaltschaft wirft dem zuletzt in Salzgitter wohnhaften Mann vor, das Drohnenprogramm der Schiitenmiliz Hisbollah logistisch unterstützt zu haben. Bislang sind Verhandlungstermine bis zum August kommenden Jahres angesetzt. 

14 Polizeischüsse bei Grenzkontrolle 

Nach 14 Polizeischüssen bei einer Kontrolle an der deutsch-niederländischen Grenze bei Bunde (Landkreis Leer) soll der Fall vor dem Amtsgericht Leer verhandelt werden. Zwei Bundespolizisten wird gemeinschaftliche Sachbeschädigung vorgeworfen, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Aurich auf Nachfrage bestätigte. Die zwei Beamten sollen Anfang Februar auf ein Auto geschossen haben, dessen Fahrer sich einer Kontrolle entziehen wollte. Der Prozessauftakt war zuletzt noch nicht genau terminiert.

© dpa-infocom, dpa:260105-930-498463/1

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