Hamburg (dpa/lno) –
Die SPD in der Hamburgischen Bürgerschaft will, dass die Staatsanwaltschaft weiter in dem tragischen Fall der auf dem U-Bahnhof Wandsbek getöteten 18-Jährigen ermittelt. Zwar sei das juristische Verfahren wegen des Todes des Beschuldigten beendet, sagte Fraktionschef Dirk Kienscherf. Es bestehe aber ein berechtigtes öffentliches Interesse daran, dass die Hintergründe der Tat weiter intensiv aufgeklärt werden.
«Dafür gibt es auch Präzedenzfälle wie den Amoklauf bei den Zeugen Jehovas vor drei Jahren», sagte Tschentscher. Auch damals hatte sich der Täter selbst getötet. Dennoch liefen die Untersuchungen weiter.
Kienscherf will Fakten für verantwortungsvolle politische Debatte
Im Fall von Wandsbek hatte nach bisherigen Erkenntnissen ein 25 Jahre alter Südsudanese auf dem U-Bahnhof die ihm unbekannte 18-Jährige mit iranischer Staatsbürgerschaft gepackt und sich mit ihr vor einen einfahrenden Zug geworfen. Beide starben noch am Tatort.
«Es muss geklärt werden, wie es zu der Tat kommen konnte», sagte Kienscherf. «Nur mit Kenntnis der Fakten kann eine verantwortungsvolle politische Debatte geführt werden.»
Ruf nach schärferen Regelungen für straffällige Ausländer
Unter anderem Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und CDU-Landes- und Fraktionschef Dennis Thering hatten Konsequenzen aus der Tat gefordert. Der Fall verdeutliche aus Sicht Tschentschers «die Dringlichkeit rechtlicher Regelungen zur Rückführung von Flüchtlingen, die zu einem Risiko für die Sicherheit werden», hatte Senatssprecher Christopher Harms der dpa gesagt.
Thering hatte die Abschiebung straffällig gewordener Ausländer gefordert. «Ausländer, die polizeibekannt sind, die Polizisten tätlich angegriffen haben, müssen abgeschoben werden», sagte er. Notfalls müsse die Gesetzeslage angepasst werden.
Der 25 Jahre alte Südsudanese war 2024 im Rahmen des humanitären Resettlement-Programms der Bundesregierung nach Deutschland gekommen und laut Staatsanwaltschaft bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten. Nur zwei Tage vor seinem Tod auf dem Bahnhof soll der Mann in einem Bordell auf der Reeperbahn randaliert und einem Polizisten mit einem Handy auf den Kopf geschlagen haben.
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