«Chilliger Nachmittag» in Rostock? VfL Osnabrück ist zurück

Osnabrücks Trainer Timo Schultz.  Guido Kirchner/dpa
Osnabrücks Trainer Timo Schultz. Guido Kirchner/dpa

Osnabrück/Rostock (dpa) –

Ein Sportdirektor, der eigentlich immer Trainer bleiben wollte. Und ein Trainer, der 11 von 13 Berufsjahren beim FC St. Pauli verbracht hat: Diese Kombination hat den VfL Osnabrück wieder zu einem Aufstiegskandidaten in der 3. Fußball-Liga geformt.

Nach zwei harten Jahren mit Zweitliga-Abstieg und Drittliga-Abstiegskampf reist das Team von Trainer Timo Schultz und Sportdirektor Joe Enochs jetzt als Tabellendritter zum Spitzenspiel beim FC Hansa Rostock (Samstag, 14.00 Uhr/NDR und MagentaSport).

«Sie haben zig Spieler in ihren Reihen, die schon in der ersten oder zweiten Liga gespielt haben. Was das angeht, sind sie sicherlich das Nonplusultra in der Liga», sagte Schultz über den FC Hansa. «Trotzdem haben wir jetzt schon drei Punkte Vorsprung. Und die Rostocker wissen auch: Wenn sie gegen uns verlieren, sind es sechs. Das ist dann schon mal eine Ansage!»

Toptalente und Routiniers

Die Verpflichtung des 48-Jährigen war im vergangenen Sommer die erste Amtshandlung von Enochs. Gemeinsam bauten sie vor der Saison ein neues Team auf, in dem sich junge Spieler wie Ismail Badjie (20) und Kevin Wiethaup (20) sehr gut mit Routiniers wie Bjarke Jacobsen (32) und Bryan Henning (30) ergänzen.

«Wir hatten eine gewisse Fantasie, was entstehen kann. Dass es aber so gut zusammenpasst und so schnell zusammengepasst hat, konnte man vorher nicht erwarten», sagte Enochs. «Dass wir jetzt oben stehen und eine realistische Chance haben, bis zum Ende oben mitzuspielen, ist überragend. Wir haben einen Trainer, der sehr professionell arbeitet.»

Der 54-jährige Amerikaner ist Rekordspieler des VfL. Von 2015 bis 2017 trainierte er seinen Herzensclub auch in der 3. Liga.

Enochs: «Ich war durch und durch Trainer»

Über seine Rückkehr als Direktor Fußball sagte Enochs der Deutschen Presse-Agentur: «Ich war durch und durch Trainer. Bei allen Stationen in Osnabrück, in Zwickau und in Regensburg habe ich es genossen, auf dem Platz zu stehen. Das war mein Traumjob. Deshalb war meine Überlegung am Anfang: Will ich das aufgeben?»

Für den VfL tat er es und gibt auch zu: «Beim ersten Spiel saß ich auf der Tribüne, bin danach ‚runtergegangen und wollte den Spielern auf einmal Hinweise geben: „Dribbel ihn an. Spiel dorthin.“ Aber ich habe sehr schnell gemerkt: Halt dich zurück! Das ist nicht deine Aufgabe.» Ja, es sei «eine Umstellung» gewesen, so Enochs. «Aber ich bin gut angekommen und fühle mich jetzt sehr wohl.»

Der tatsächliche VfL-Trainer Schultz kennt das Ostsee-Stadion bislang nur von Auftritten mit dem in Rostock so verhassten FC St. Pauli. «Ich denke, dass man es nicht vergleichen kann, ob man da mit dem VfL Osnabrück aufläuft, oder wenn man da als Spieler oder Trainer mit dem FC St. Pauli zu Gast ist», sagte er mit einem Lachen: «Für mich wird es wahrscheinlich ein chilliger Nachmittag werden.»

© dpa-infocom, dpa:260213-930-680985/1

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