Kiel (dpa/lno) –
Steigende Kosten belasten die öffentlichen Bühnen. Die Opposition mahnt deshalb mehr Landeshilfe an, die Koalition will eine Bestandsaufnahme der kompletten Theaterlandschaft Schleswig-Holsteins vornehmem – öffentlicher wie privater Häuser. «Wir wollen wissen, wie wirksam die eingesetzten öffentlichen Mittel sind», sagte Kulturministerin Dorit Stenke (CDU) im Landtag. Ziel sei es, verschiedene Szenarien für die künftige Struktur der Theaterlandschaft unter unterschiedlichen finanziellen Rahmenbedingungen zu entwickeln.
Der SSW hat das Thema auf die Tagesordnung gesetzt, sein Antrag fand jedoch keine Zustimmung. «In einem Flächenland wie Schleswig-Holstein gibt es für kulturelle Einrichtungen viele Herausforderungen, vor allem im ländlichen Raum», sagte die SSW-Kulturpolitikerin Jette Waldinger-Thiering. «Wir glauben, dass es die Unterstützung der Landesregierung nun braucht.» Ihre Kollegin Sybilla Nitsch wünscht sich von Schwarz-Grün «ein wenig mehr Ambition». Weil es Mittel aus dem kommunalen Finanzausgleich seien, handele es sich nicht um Landesmittel. «Das ist keine echte Landesfinanzierung für die Theater.» Faktisch beteilige sich das Land nicht an dem Solidarsystem.
SPD und FDP unterstützten den Vorstoß des SSW. Die Regierung verweigere den Theatern die notwendige Planungssicherheit, kritisierte Beate Raudies für die SPD. Das Landestheater sei «seit Jahren knapp bei Kasse, immer auf Kante genäht». Die FDP-Abgeordnete Anne Riecke verwies darauf, dass öffentliche Theater nicht wie ein gewöhnliches Unternehmen gewinnorientiert geführt werden könnten. «Aber es ist legitim, zu fragen, wie Einnahmen verbessert werden können, ohne den Zugang zu Kultur zu erschweren.»
Mehr als 50 Millionen Euro
Die Mittel für die Theater in Kiel und Lübeck sowie das Landestheater mit seinen zehn Spielorten steigen jedes Jahr dynamisch um 2,5 Prozent an. «In Summe haben sich damit seit 2022 die finanziellen Mittel für die drei großen Häuser zusammen um über 20 Prozent auf über 51,8 Millionen Euro erhöht. Damit konnten unter anderem die höheren Tarifabschlüsse aufgefangen werden», sagte die CDU-Kulturpolitikerin Anette Röttger. Das Land stehe zu seiner Verantwortung und halte Zusagen ein. «Ein kostendeckendes Wirtschaften war für die Theater im Land bisher nie möglich und wird es auch in Zukunft nicht sein.»
Die Grünen-Kulturpolitikerin Uta Röpcke betonte, «Theater allein retten nicht die Welt, aber sie können ihren Blick auf sie verändern». Alle Theater stünden vor großen Herausforderungen. Das betrifft die öffentlichen Häuser genauso wie die kleinen und privaten Häuser. Notwendig sei eine verlässliche Förderung, dafür sei eine Bestandsaufnahme nötig. «Wir sollten die Ergebnisse abwarten.»
Ministerin Stenke will nach der Bestandsaufnahme über eine strategische Weiterentwicklung der Theaterlandschaft sprechen. Sie sicherte zu: «Wir sind ein Theaterland und wir wollen das auch bleiben.»
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