Zwickau/Berlin (dpa) –
Im neu aufgebrochenen Streit um die Integration der Ost-Standorte in die Volkswagen AG wirft die Gewerkschaft IG Metall dem Unternehmen Vertrauensbruch vor. Das Vorgehen sei «skandalös», sagte der Bezirksleiter für Berlin-Brandenburg-Sachsen, Jan Otto. Er rief die Unternehmensleitung auf, sich vor die Belegschaften in Zwickau, Chemnitz und Dresden zu stellen und sich zu erklären.
Volkswagen hatte zu Wochenbeginn informiert, dass sich die 2021 vereinbarte Integration von Volkswagen Sachsen in die Muttergesellschaft verzögert. Der Schritt sollte Ende dieses Jahres final vollzogen werden. Begründet wurde die Verzögerung mit technischen Problemen bei der Umstellung von Systemen. Es werde aber nach einer Lösung gesucht, um den Beschäftigten zum 1. Januar einen Arbeitsvertrag der Volkswagen AG anzubieten, hieß es. Seit Jahresbeginn sind die rund 10.000 Beschäftigten in Sachsen schon bei Entlohnung und Arbeitszeit ihren Kollegen an den westdeutschen Standorten gleichgestellt.
Gewerkschaft mahnt zu Verhandlungen
Das Thema sorgt nach Darstellung von Betriebsräten für große Unruhe, auch wegen Aussagen der Unternehmensführung zu weiteren Einsparungen. So hatte Konzernchef Oliver Blume jüngst erklärt, bis 2030 die Kapazität der europäischen Werke um weitere 500.000 Fahrzeuge senken zu wollen – zusätzlich zum bereits laufenden Kapazitätsabbau um eine Million Fahrzeuge bis 2028. Angesichts des Kostendrucks seien die jüngsten Nachrichten bei der Belegschaft «eingeschlagen wie eine Bombe», sagte der Betriebsratsvorsitzende des Fahrzeugwerks in Zwickau, Mario Albert.
Tarifverträge gäben den Beschäftigten Sicherheit, erklärte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall in Zwickau, Thomas Knabel. Deswegen wiege der «Vertragsbruch» von Volkswagen schwer. Das müsse schnellstens geheilt werden. Knabel: «Wenn der Tarifvertrag geändert werden soll, dann muss man sich an einen Tisch setzen und verhandeln.»
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