Linken-Landesparteitag lehnt Olympia-Bewerbung ab

Den Delegierten lag ein Leistantrag des Landesvorstands zur Ablehnung einer Olympia-Bewerbung vor. Martin Fischer/dpa
Den Delegierten lag ein Leistantrag des Landesvorstands zur Ablehnung einer Olympia-Bewerbung vor. Martin Fischer/dpa

Hamburg (dpa/lno) –

Mit einer Demonstration gegen eine Bewerbung der Hansestadt um die Austragung Olympischer Spiele sind die Hamburger Linken in einen zweitägigen Landesparteitag gestartet. Viele der knapp 140 Delegierten versammelten sich in Sportkleidung auf der Parteitagsbühne im Gewerkschaftshaus Besenbinderhof, um ein Zeichen für den Sport in Hamburg und gegen Olympia zu setzen.

Im Mittelpunkt des Parteitags stand ein Leitantrag des Linken-Landesvorstands, in dem der Plan des rot-grünen Senats, sich für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 zu bewerben, abgelehnt wird. Der Antrag mit dem Titel «Deine Stadt, Deine Stimme, Keine Spiele» wurde mit großer Mehrheit angenommen.

Senat ignoriere die wahren Probleme der Stadt

Landessprecher Thomas Iwan sprach bei der Einbringung des Antrags von einer «Scheißidee», mit der den Hamburgerinnen und Hamburgern «vorgegaukelt» werden solle, Olympia sei die Lösung für alle Probleme. 

Die Pläne zeigten, «wie blind und wie ignorant der Senat gegenüber den wahren Problemen unserer Stadt ist», sagte Iwan. «Klima, Wohnen, Inklusion, Mobilität – alles geritzt, wenn Olympia kommt. Aber auch nur dann.» Es sei nicht nur ärgerlich, weil diese Probleme nicht wirklich angegangen würden. «Nein, das ist gefährlich, weil sich insbesondere viele soziale Probleme durch eine erfolgreiche Olympiabewerbung verschärfen würden.»

Linke warnen vor Milliardenkosten

Die Bewerbung würde in Zeiten erfolgen, in denen «Hamburg vor enormen Herausforderungen steht und in vielen Themenfeldern etliche Probleme darauf warten, endlich seitens der Politik mit der erforderlichen Aufmerksamkeit sowie den finanziellen und personellen Ressourcen angegangen zu werden», heißt es in dem Leitantrag. Stattdessen stecke der Senat aber Millionen in eine Olympia-Werbekampagne, «deren Erfolg die Stadt und ihre Menschen Milliarden kosten wird».

Neben der Olympiabewerbung standen auf der Tagesordnung des Parteitags noch weitere Anträge unter anderem zu den Themen Migrationspolitik, Klimaschutz, Verkehr, Hochschulpolitik, Antifaschismus und Soziales.

Hamburgerinnen und Hamburger können Ende Mai abstimmen

Die Regierungsparteien SPD und Grüne hatten auf ihren Landesparteitagen im März beziehungsweise vor einer Woche bereits für eine Olympiabewerbung ausgesprochen. Auch von der oppositionellen CDU wird sie unterstützt. Ablehnung kommt dagegen auch von der AfD.

Ende Mai können rund 1,3 Millionen Hamburgerinnen und Hamburger in einem Referendum über die Bewerbung entscheiden. Die Wahlunterlagen werden in diesen Tagen verschickt. 

In der Region «KölnRheinRuhr» in Nordrhein-Westfalen, die sich wie München und Berlin ebenfalls um eine Austragung der Spiele bewirbt, hatten sich bei einem Referendum am vergangenen Wochenende 66 Prozent für eine Bewerbung ausgesprochen. Schon im Oktober vergangenen Jahres hatte es in München eine Zustimmung von 66,4 Prozent geben. In Berlin ist dagegen kein Referendum vorgesehen.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will Ende September entscheiden, wer für Deutschland ins internationale Rennen um die Austragung der Spiele geht.

© dpa-infocom, dpa:260425-930-992276/2

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