München (dpa) –
Alexander Zverev wirkte erstaunlich gefasst, als er etwa eine Stunde nach seinem deutlichen Aus beim ATP-Turnier von München über die nahe Zukunft sprach. Er freue sich über ein paar spielfreie Tage, verkündete der beste deutsche Tennisspieler – und erweckte fast schon den Eindruck, als komme ihm das verpasste Endspiel bei den BMW Open gar nicht so ungelegen.
Sogar auf eine Sause zu seinem 29. Geburtstag am Montag wolle er verzichten. «Die Party lasse ich ausfallen. Ich glaube, ich muss mich mal regenerieren», kündigte Zverev an. Dass ihm nicht nach Feiern zumute ist, ist verständlich.
Als Titelverteidiger war der Weltranglistendritte im Halbfinale mit 3:6, 3:6 gegen den famos aufspielenden Italiener Fabio Cobolli ausgeschieden. Er verpasste dabei auch die Chance, als erster Tennisprofi das Sandplatzevent im Norden von München viermal zu gewinnen. Der Rekord ist futsch.
Zverev zu Ausscheiden gegen Cobolli: «Beine waren nicht da»
Für Zverev aber hätte solch eine Bestmarke ohnehin keinen sonderlich großen Wert – der Olympiasieger von 2021 hat nur ein Ziel seit Jahren fest im Visier: Endlich mal ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Die nächste Chance bietet sich bei den French Open vom 24. Mai bis 7. Juni in Paris. Und just wegen des Sandplatzhöhepunkts macht sich Zverev Gedanken über die nächsten Wochen.
In München habe sich gezeigt, dass er wegen der vielen Spiele seit Jahresbeginn schlicht zu erschöpft war. «Meine Beine waren nicht mehr da», schilderte er als Fazit zu seinem Ausscheiden in der Vorschlussrunde.
Tod von Teenager-Kumpel: Cobolli in emotionaler Ausnahmesituation
Zudem wuchs Cobolli über sich hinaus. «Wenn du dann zehn oder zwanzig Prozent langsamer bist und er so ein Match spielt, dann wird es schwierig.» Gegen den Davis-Cup-Sieger war die Nummer eins der Setzliste chancenlos – der Italiener überragte mit 32 Winner-Schlägen, 20 davon allein im ersten Satz.
Nach dem Sieg brach Cobolli in Tränen aus und erzählte, dass einen Tag vor dem Match ein guter Tennisfreund von ihm im Alter von nur 13 Jahren gestorben sei. «Ich habe das ganze Spiel an ihn gedacht», sagte er.
Verzichtet Zverev auf Hamburg? «Werden wir sehen»
Aber wie will Zverev sicherstellen, dass er bei den French Open in Roland Garros in Topform aufschlägt, wenn er bis dahin noch bei den zwei Masters-Events in Madrid und Rom sowie dem ATP-500-Turnier in seiner Geburtsstadt Hamburg gemeldet ist? Auf eine der Veranstaltungen zu verzichten, vielleicht sogar jener in Hamburg vom 16. bis 23. Mai, könnte die Lösung sein. «Das werden wir sehen», antwortete Zverev auf eine entsprechende Frage.
Zwei prominente Vorbilder hat der Deutsche: den Weltranglistenersten Jannik Sinner aus Südtirol und Spanien-Star Carlos Alcaraz. Beide lassen öfter als Zverev auch mal Turniere aus. «Ich glaube, so ein Carlos und so ein Jannik machen es schon schlau, dass sie nicht jede Woche spielen, auch wenn es Masters-Turniere sind, auch wenn es vielleicht Turniere zu Hause sind.» Alcaraz etwa hat einen Start in Madrid – auch wegen einer Verletzung – abgesagt.
Fünf Halbfinals – fünf Niederlagen
Zverev freut sich auf eine kurze Pause bis zum Beginn des Masters in Madrid. «Ein paar freie Tage werden jetzt auch schon hilfreich. Und die habe ich jetzt, ich glaube sechs Tage bis zu meinem nächsten Match. Das sind mehr, als ich gehabt habe in den letzten paar Monaten», sagte er. Zverev stand in München in seinem fünften Halbfinale auf der ATP-Tour in diesem Jahr – das hatte neben ihm kein anderer geschafft. Allerdings verlor er auch jedes Mal.
«Das Hauptziel ist, in Paris das beste Tennis zu zeigen», unterstrich er. Deshalb gehe es nun darum, die gute Form zu halten oder gar zu steigern. «Da muss ich meinen Spielplan schlau gestalten.» Es ist möglich, dass ein Heim-Auftritt in Hamburg nun Zverevs modifizierter Frühlings-Terminplanung zum Opfer fällt.
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