Schaalby (dpa/lno) –
Mehrere Tausend Jahre alte Bronzekessel aus der römischen Kaiserzeit werden in der Gemeinde Schaalby (Kreis Schleswig-Flensburg) geborgen. Die außergewöhnlichen Stücke, die aus dem dritten bis fünften Jahrhundert vor Christus stammen sollen, wurden im Herbst 2025 während einer Detektorprospektion entdeckt, wie das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein mitteilte.
Eine dänische Detektorgruppe fand die Gefäße in Zusammenarbeit mit dem Landesamt. Wegen ihres fragilen Zustands müssten die Funde in einer sogenannten Blockbergung gesichert werden. Dabei stabilisiert man sie mitsamt dem umgebenden Erdreich und hebt sie als geschlossene Einheit, um Schäden zu vermeiden.
Im Anschluss soll dem Landesamt zufolge der geborgene Block mittels Computertomographie untersucht werden. So könnten die Archäologen schon vor der Freilegung im Labor einen Blick ins Innere der Gefäße werfen. Die Freilegung selbst finde anschließend im Labor des Museums für Archäologie auf Schloss Gottorf statt.
Kessel können Austauschbeziehungen belegen
Bei der Prospektion stießen die Forscher auf Fragmente eines Bronzekessels mit markanten Henkelansätzen und weitere Gefäßteile, die auf einen sogenannten Vestlandkessel hindeuten. Solche Kessel stammten vor allem aus Skandinavien und den Regionen entlang des Rheins und der Nordseeküste, hieß es. Sie belegten weitreichende Austauschbeziehungen zwischen den nördlichen Gebieten und dem Römischen Reich, sind jedoch in Schleswig-Holstein äußerst selten.
Erste Hinweise legten nahe, dass in der Gemeinde Schaalby nicht nur ein einzelnes Gefäß vergraben liegt, sondern möglicherweise mehrere ineinander gestellte Kessel gemeinsam niedergelegt wurden. Nach Angaben des Archäologischen Landesamts könnte der Fund neue Einblicke in Handels- und Kontaktnetzwerke der römischen Kaiserzeit bieten.
Unklar bleibe jedoch, in welchem Zusammenhang die Gefäße ursprünglich deponiert wurden. In anderen Regionen dienten ähnliche Kessel sowohl als Urnen, Grabbeigaben oder Bestandteile von Hortfunden. Weitere Untersuchungen sollen hier Aufschluss geben.
Ein archäologisch bedeutsamer Fundplatz
Der Fundplatz gelte seit langem als archäologisch bedeutsam. Frühere Forschungen der Universitäten Aarhus und Kiel brachten Siedlungsspuren und Funde aus der Wikingerzeit ans Licht. Im Ortsteil Füsing entdeckten Archäologen etwa einen wichtigen militärischen Stützpunkt im Zentrum des Danewerks. Die neu gefundenen Kessel sind jedoch deutlich älter und deuten darauf hin, dass das Gebiet schon Jahrhunderte zuvor genutzt wurde.
Einige Kilometer entfernt belegen die Waffenniederlegungen im Thorsberger Moor eindrucksvoll die militärischen und gesellschaftlichen Strukturen des 3. und 4. Jahrhunderts. Auch der Ausbau früher Befestigungsanlagen wie des Danewerks im 5. Jahrhundert zeigt dem Landesamt zufolge die strategische Bedeutung der Region. Der aktuelle Fund bestätige so die Rolle des Gebiets als Schnittstelle zwischen dem römischen Einflussraum und den nordeuropäischen Gesellschaften bereits in der römischen Kaiserzeit.
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