Schwerin (dpa/mv) –
Der für Fischerei zuständige Schweriner Landesminister hat anlässlich der Würdigung der Küstenfischerei als Kulturerbe ihre Bedeutung betont. «Die Küstenfischerei ist weit mehr als ein Wirtschaftszweig – sie ist Teil unseres kulturellen Erbes und prägt seit Generationen die Identität unserer Küstenregionen», sagte Till Backhaus (SPD).
«Dieses Wissen, diese Traditionen und die enge Verbindung von Mensch und Meer zu bewahren, ist für Mecklenburg-Vorpommern von herausragender Bedeutung.»
Die traditionelle kleine Küstenfischerei an der Ostseeküste und in den Boddengewässern zählt nun zum immateriellen Kulturerbe in Deutschland. Das teilten die Kulturministerkonferenz, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und die Deutsche Unesco-Kommission mit. Das entsprechende bundesweite Verzeichnis sei um fünf Traditionen erweitert worden.
Immer weniger Fischer
Backhaus verwies auch auf die aktuellen wirtschaftlichen Probleme der Branche. «Von einst mehr als 1.400 Küstenfischern kurz nach 1990 sind heute weniger als 500 in 144 haupterwerblichen und in 132 nebenerwerblichen Betrieben geblieben.» Die Fanghöchstmengen seien auf einem historisch niedrigen Stand.
Weil die ehemals wirtschaftlich bedeutenden Fischarten Hering und Dorsch in der westlichen Ostsee wegen Überfischung, aber auch Umwelt- und Klimaeinflüssen unter Druck stehen, dürfen sie nicht mehr oder nur noch in Ausnahmen gezielt gefischt werden.
Neu hinzukamen zum immateriellen Kulturerbe in Deutschland auch das Kicken auf dem Bolzplatz und das handwerkliche Anfertigen von Herrenbekleidung sowie die Martinsumzüge mit Laternen im Rheinland und die Schaustellerkultur auf Volksfesten.
Kultur von Techno bis Bergsteigen in Sachsen
Seit 2003 gibt es ein Abkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes der Unesco, der für Kultur zuständigen Organisation der Vereinten Nationen. Deutschland ist seit 2013 Vertragspartei.
Das bundesweite Verzeichnis soll «kreative, inklusive und innovative» Kulturformen würdigen. Es ist kein Verzeichnis der Unesco, sondern Deutschlands. Einträge aus den nationalen Verzeichnissen können aber für eine von drei internationalen Unesco-Listen vorgeschlagen werden.
Das deutsche Verzeichnis umfasst mit den Neuzugängen mittlerweile 173 kulturelle Ausdrucksformen, die in Deutschland weitergegeben werden. Hinterlegt sind unterschiedlichste Traditionen – von der Berliner Technokultur bis zum Bergsteigen in Sachsen.
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