Hannover (dpa/lni) –
Die Zahl der wegen exzessiven Alkoholkonsums im Krankenhaus behandelten Jugendlichen ist weiter gesunken. Bundesweit wurden im Jahr 2024 hochgerechnet rund 6.600 Heranwachsende zwischen 12 und 18 Jahren wegen einer akuten Alkoholvergiftung stationär aufgenommen, wie die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) mitteilte.
Keine Hilfe aus Scham oder Angst vor Konsequenzen
Das entspricht 120 Fällen je 100.000 Jugendliche – gut 14 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Vergleich zu 2019 habe sich die Zahl sogar um mehr als 60 Prozent verringert. Die Zahl ist laut KKH das fünfte Mal in Folge gesunken – und nun auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2006. Den Höchstwert registrierte die KKH demnach im Jahr 2012 mit insgesamt hochgerechnet rund 20.500 Fällen.
Die Krankenkasse wertet den Rückgang grundsätzlich als positives Signal, warnt jedoch vor falschen Schlüssen. Weniger Klinikaufenthalte bedeuteten nicht zwangsläufig, dass Jugendliche insgesamt deutlich weniger Alkohol konsumierten, erklärte KKH-Psychologin Franziska Klemm.
Häufig spielten Scham oder die Angst vor Konsequenzen eine Rolle, weshalb medizinische Hilfe nicht in Anspruch genommen werde. Die Dunkelziffer bleibe daher hoch, sagte Klemm.
Andere Substanzen wie Nikotinbeutel auf dem Vormarsch
Zugleich sieht die KKH soziale Medien als wachsenden Risikofaktor. Plattformen wie TikTok oder Instagram beeinflussten das Konsumverhalten von Jugendlichen zunehmend, teilte die Krankenkasse mit.
Dort würden Alkohol und andere Substanzen wie Nikotinbeutel häufig verharmlost oder als erstrebenswert dargestellt. Diese sogenannten Pouches könnten ein Vielfaches des Nikotingehalts einer Zigarette enthalten und seien wegen ihrer unauffälligen Nutzung besonders attraktiv für Jugendliche.
Bewusster Umgang mit sozialen Medien sei wichtig
Aus Sicht der KKH müsse die Präventionsarbeit deshalb weiter verstärkt werden. Neben der Aufklärung über die gesundheitlichen Risiken von Alkohol und Nikotin gehe es auch darum, Kinder und Jugendliche für einen bewussten Umgang mit sozialen Medien zu sensibilisieren, sagte Klemm.
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