Kiel (dpa/lno) –
Schleswig-Holstein hat 2025 deutlich weniger Flüchtlinge aufgenommen als im Vorjahr. Insgesamt waren es 7.222 Menschen, nach 11.104 im Vorjahr und 16.020 im Jahr 2023, wie aus dem vom Integrationsministerium vorgelegten Zuwanderungsbericht hervorgeht. Rund 4.100 der Schutzsuchenden stammten aus der Ukraine. Im Vorjahr waren es etwa 5.300 Menschen. Sozialministerin Aminata Touré (Grüne) sagte, die Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine seien auch in Schleswig-Holstein weiterhin spürbar.
Zum Rückgang der Zahl von Asylsuchenden aus anderen Ländern sagte die Ministerin, das sei weniger das Ergebnis symbolischer Maßnahmen wie deutscher Grenzkontrollen als vielmehr internationale Entwicklungen. So verließen deutlich weniger Menschen nach dem Sturz des Assad-Regimes Syrien. Hauptherkunftsländer waren daneben Afghanistan, die Türkei, der Irak, Russland und Iran.
Touré kritisiert EU-Flüchtlingspolitik im Mittelmeer
Viele Menschen, die sich von Nordafrika aus auf den Weg über das Mittelmeer machen, kommen nach Tourés Einschätzung nie in Europa an, weil sie besonders von der libyschen Küstenwache mit Unterstützung der Europäischen Union abgefangen würden. «Das ist nicht nur völkerrechtswidrig und menschenunwürdig, sondern befördert die Entstehung neuer Fluchtrouten, die häufig noch gefährlicher sind», sagte die Ministerin. «Deshalb fordere ich weiterhin eine humanitäre und offene Migrationspolitik auf europäischer Ebene, die sich klar zum Menschenrecht auf Asyl bekennt und die Aufnahme und Integration von Geflüchteten solidarisch organisiert.»
Schleswig-Holstein betreibt nach Angaben der Ministerin aktuell sechs Erstaufnahmeeinrichtungen mit einer Gesamtkapazität von 7.000 Plätzen. Davon seien 3.500 Plätze belegt. Rund 7.600 Personen seien nach dem Aufenthalt in der Erstaufnahme im vergangenen Jahr auf die Kreise und kreisfreien Städte verteilt worden. 2024 seien es noch rund 12.300 Flüchtlinge gewesen.
1.560 vollziehbar ausreisepflichtige Personen wurden vorläufigen Zahlen zufolge 2025 zurückgeführt, nach 1.700 ein Jahr zuvor. 856 Menschen reisten freiwillig aus.
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