Kiel (dpa/lno) –
Umweltminister Tobias Goldschmidt will durch mehr Dauergrünland den Schutz für Wiesenvögel in Schleswig-Holstein verbessern. «Schleswig-Holstein ist in der besonderen Verantwortung für Wiesenvögel», sagt der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. «Wir haben einen relativ geringen Waldanteil, aber viel landwirtschaftliche Nutzung.» Wiesenvögel seien hier zu Hause und prägten die Kulturlandschaft.
«Damit es unseren Wiesenvögeln wieder besser gehen kann, müssen wir die Brutgebiete gesetzlich besser schützen, eine Offensive zur Schaffung von Feuchtgebieten ergreifen, Landwirtinnen und Landwirte noch stärker als bisher für den gemeinschaftlichen und vertraglichen Wiesenvogelschutz gewinnen und die Nester und Küken besser vor Beutegreifern, wie Marderhunden und Füchsen schützen», sagt Goldschmidt. Gutes Teamwork von Naturschützern und Landwirten könne viel für Wiesenvögel erreichen.
Pläne
In ihrem Koalitionsvertrag haben CDU und Grüne eine Weiterentwicklung des Schutzes von Wiesenvögeln und Insekten verabredet. Damit Grünland in Zeiten des Klimawandels auch langfristig für die Landwirtschaft nutzbar bleibt, will die Koalition Modellprojekte für alternative Nutzungskonzepte zugunsten einer grundwassernahen Grünlandbewirtschaftung entwickeln. 2025 gab es nach Ministeriumsangaben 313.700 Hektar Dauergrünland in Schleswig-Holstein (2024: 315.600).
«Weiden und Wiesen sind sowohl für viele Insekten als auch für Wiesenvögel der natürliche Lebensraum», sagte Goldschmidt. Ein besserer Schutz sei aber nicht alleine aus eigener Verantwortung notwendig. «Auch die EU-Kommission schaut inzwischen sehr genau hin, wie es den Wiesenvögeln geht, ein Vertragsverletzungsverfahren läuft bereits.»
Nach Angaben eines Ministeriumssprechers leistet das Gesetz zum Erhalt von Dauergrünland schon heute einen wichtigen Beitrag zum Wiesenvogelschutz. Es wäre aber noch wirksamer, wenn Brutgebiete von Wiesenvögeln in dessen Gebietskulisse übernommen werden würden. «Die meisten Wiesenvögel benötigen für eine erfolgreiche Brut feuchtes Grünland, daher müssen wir Feuchtgebiete erhalten und in bestimmten Bereichen Grünland wieder vernässen», sagte der Sprecher. Dafür böten sich landeseigene Flächen beispielsweise im Beltringharder oder im Rickelsbüller Koog sowie Flächen der Stiftung Naturschutz an.
«Klar ist aber: Diese Flächen alleine reichen nicht aus, um die Bestände der Wiesenvögel zu sichern, beziehungsweise sie wieder auf einen überlebensfähigen Stand zu bringen», sagte der Sprecher. Zudem seien weitere Schritte notwendig. Beispielsweise könnten Landwirte bestimmte Bereiche später mähen, wenn Kiebitze oder Uferschnepfen dort brüten. «Sollte auch das nicht ausreichen, sind auch verpflichtende Bewirtschaftungsvorgaben denkbar, die wiederum finanziell ausgeglichen würden.» Notwendig sei auch ein besserer Schutz vor Beutegreifern wie Füchse und Marderhunde durch Schutzzäune bis hin zur Jagd.
Vom Aussterben bedroht
Nach Angaben des Umweltministeriums ist der Bestand mehrerer Wiesenvogel-Arten seit 1995 teilweise drastisch zurückgegangen. So sei der Bestand der Bekassinen 1.400 Rastpaaren 1995 auf nur noch 250 im Jahr 2021 zurückgegangen. «Die Bekassine ist vom Aussterben bedroht», sagte Goldschmidt. Aber auch die Bestände der Feldlerchen und Austernfischern, die sich von 1995 bis 2021 jeweils in etwa halbiert hätten, seien in besorgniserregendem Zustand. «Wir wollen diese Tiere auch bei uns im Land halten. Sie sind Teil unserer Heimat.»
«Die EU-Kommission hat insbesondere den Bestandsverlust der Uferschnepfe im Vogelschutzgebiet Eiderstedt bemängelt», sagte Goldschmidt. «Wir stehen unter besonderer Beobachtung.» Der Bestand der Uferschnepfe ging von 1.600 (1995) auf 925 zurück.
Nach Goldschmidts Ansicht ist der Handlungsdruck hoch. «Das Verfahren gegen Deutschland ist eingeleitet, aber noch nicht abgeschlossen.» Es habe bereits ein ähnliches Verfahren gegeben beim Schutz von Mähwiesen. «Das ist vom EuGH gegen Deutschland entschieden worden. Da sind strukturelle Versäumnisse attestiert worden, weil der Naturschutz auf den Flächen nicht ausreichend gewirkt hat und gegriffen hat.»
Wiesenvögel wie Austernfischer gibt es nicht nur an der Nordseeküste. «Sie gibt es sogar in Kiel. Auf dem Gelände der Staatskanzlei habe im vergangenen Sommer ein Austernfischer gebrütet», sagte Goldschmidt.
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