Nemencine (dpa) –
«Ich freue mich über jeden, der aus Norddeutschland kommt», sagt Oberst André Hastenrath, der vier Jahre in Hamburg gelebt hat und nun stellvertretender Kommandeur der Panzerbrigade 45 «Litauen» ist. Bei der Bundeswehr an der Ostflanke der Nato in Nemencine, rund 19 Kilometer von der belarussischen Grenze entfernt, ist Besuch von Politikern aus Deutschland nicht selten.
Erst in der vergangenen Woche war Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) auf Truppenbesuch in Litauen. Nun sind es Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) im Doppelpack.
Günther und Tschentscher stehen «als Länderchefs» hinter Einsatz
Sie seien in das ehemalige Gefechtsübungszentrum der litauischen Streitkräfte nordöstlich von Vilnius gekommen, um den jetzt dort stationierten deutschen Soldatinnen und Soldaten zu zeigen, «dass wir auch als Länderchefs hinter ihrer Arbeit stehen», sagte Günther.
Gleichzeitig sei man bei den deutschen Soldaten in Litauen, «um zu Hause darüber zu berichten, was hier aufgebaut wird», sagte Tschentscher. Bei Gesprächen mit Soldatinnen und Soldaten hätten er und Günther ihre «Wertschätzung» für diese Arbeit ausgedrückt.
Bald knapp 5.000 Bundeswehrangehörige an Nato-Ostflanke
Die Bundeswehr ist seit 2017 in Litauen präsent und soll dort die Ostflanke der Nato sichern. Erst als Teil der multinationalen Battlegroups der Nato, deren Führung Deutschland zwischenzeitlich in Litauen übernommen hat. Nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine beschloss die Nato, die Truppenpräsenz an der Ostflanke zu verstärken.
2023 wurde die Aufstellung und dauerhafte Stationierung einer deutschen Brigade für Litauen beschlossen. Aktuell sind 1.800 Bundeswehrangehörige im Einsatz. Bis Ende nächsten Jahres – wenn die neue Kaserne im südlich von Vilnius gelegenem Rudninkai fertig ist – soll die Truppenstärke auf 4.800 Männer und Frauen anwachsen. Hinzu kommen dann rund 200 Zivilangestellte.
Günther: Soldatinnen und Soldaten erfüllen große Aufgabe
Viel Personal komme auch aus den norddeutschen Ländern, sagte Tschentscher. «Wir haben Soldatinnen und Soldaten getroffen aus Schleswig-Holstein, aus Hamburg, Bremen und Niedersachsen. Es ist eben ganz Deutschland hier vertreten.»
Sie hätten den Besuch bei der Brigade «Litauen» auf ihrer gemeinsamen Reise nach Polen und ins Baltikum «ganz gezielt» eingeplant, sagte Günther. «Das war für uns ein gemeinsames Anliegen.»
Die Aufstockung der Truppe in so kurzer Zeit sei eine große Herausforderung – «auch in Geschwindigkeiten, die wir in der Vergangenheit so nicht gewohnt gewesen sind», sagte Günther. «Ich glaube, es war auch wirklich zu spüren, dass allen Soldatinnen und Soldaten, die hier im Einsatz sind, auch bewusst ist, welche große Aufgabe sie haben.»
Warteliste für Feldjäger in Litauen
Die litauische Hauptstadt Vilnius war nach Danzig die zweite Station der ersten gemeinsamen Auslandsreise der Nord-Regierungschefs. Zum Abschluss geht es Ende der Woche ins lettische Riga.
Besuche wie die Tschentschers und Günthers zeigten, «dass wir auch durch die Politik wahrgenommen werden», sagte der stellvertretende Brigadekommandeur Hastenrath. «Das wird sehr wertgeschätzt von unseren Soldaten und Soldatinnen.»
Der politische Rückenwind könne beim Einsatz helfen. «Wir freuen uns natürlich – egal aus Schleswig-Holstein, Hamburg – über jeden Soldaten oder Soldatin, die hier Teil des Projektes der Panzerbrigade 45 Litauen werden», sagte er.
Während die Bundeswehr für den Einsatz bei der Panzerbrigade noch werben muss, um die Aufstockung dauerhaft hinzubekommen, sieht es bei den Feldjägern anders aus. Nach Angaben eines Brigadesprechers gibt es bei der Militärpolizei sogar eine Warteliste. Der Job in Litauen sei wohl einfach interessanter, als in Deutschland Verkehrsunfälle mit Zivilfahrzeigen aufzunehmen, hieß es.
Bundeswehr in Litauen gerngesehen
Zwar müsse man sich damit abfinden, sich «in einem nicht ganz so friedlichen Zustand» zu befinden, weil Litauen seit dem Ukraine-Krieg auch ein «Frontstaat» sei, sagte er Sprecher. Erst vor zwei Wochen habe man ukrainische Drohnen auf dem Schirm gehabt, mit denen wohl russische Ölanlagen an der Ostsee attackiert werden sollten, die dann aber in der Nähe der Grenze abgestürzt seien.
Die «gefühlte Gefährdung» sei jedoch oberflächlich, weil man hier genauso gut lebe wie in Deutschland, sagte er. Und von den Litauerinnen und Litauern werde die Bundeswehr sehr positiv aufgenommen. Die Reaktionen auf uniformierte Deutsche seien durchweg freundlich.
Auch in Deutschland habe sich in dieser Hinsicht einiges getan, nicht zuletzt werden öffentlicher Gelöbnisse und «Bahnfahren in Uniform», sagte Oberst Hastenrath. «Ich glaube schon, dass der Beruf des Soldaten deutlich mehr wertgeschätzt wird in den letzten Jahren. Und da sind wir auf dem richtigen Weg.»
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