Winter hat Schleswig-Holstein im Griff

Eine schöne Seite des Winters im Norden. Birgitta von Gyldenfeldt/dpa
Eine schöne Seite des Winters im Norden. Birgitta von Gyldenfeldt/dpa

Kiel (dpa/lno) –

Der Winter hat Schleswig-Holstein fest in seinen kalten Griff genommen und könnte zumindest in Teilen des Landes mit Neuschnee für Behinderungen sorgen. Das erwartete Sturmtief «Elli» wird nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts (DWD) die Lage am Freitag noch einmal verschärfen. Der DWD gab eine amtliche Unwetterwarnung für fast ganz Schleswig-Holstein heraus.

Der Automobilclub ADAC Hansa empfahl Autofahrern wegen des zu erwartenden heftigen Schneefalls, ihr Auto am Freitag stehenzulassen. «Zwar sind die Winterdienste den ganzen Tag im Einsatz, schwierige Verhältnisse mit teilweise glatten Straßen werden sich aber dennoch nicht verhindern lassen», erklärte der ADAC. Er riet, – falls möglich – am Freitag im Homeoffice zu arbeiten. Wer trotzdem mit dem Auto fahren müsse, solle langsam fahren und Abstand halten. 

Schneeverwehungen in Norddeutschland

Norddeutschland werde am Freitag mit Schneeverwehungen zu kämpfen haben, erklärte der DWD. «Es kommt zusammen, dass wir markanten Schneefall haben und der Wind deutlich zunimmt», sagte Meteorologe David Menzel. Dabei seien in und um Hamburg sowie in Schleswig-Holstein stürmische Böen und an den Küsten Sturmböen zu erwarten.

Einzeln seien weder der Neuschnee von 10 bis 15 Zentimetern noch das stürmische Wetter mit Böen von bis zu 70 Kilometern pro Stunde im Norden ein Problem oder Grund für eine Unwetterwarnung. Aber das Zusammenspiel mache es schwierig, sagte Menzel. «Das ist insofern ungünstig, weil es dauerhaft zu Schneeverwehungen kommen wird.» 

Diese Wetterbedingungen und die Schneefälle werden im Norden Deutschlands am Freitag von etwa 6.00/7.00 Uhr an und für rund 24 Stunden erwartet. 

Sturmtief wirbelt Fährfahrplan durcheinander

Sturmtief «Elli» mit vorhergesagtem starken Ostwind und Niedrigwasserstand wirbelt am Freitag in Schleswig-Holstein auch die Fährfahrpläne zu den nordfriesischen Inseln Amrum und Föhr sowie auf die Halligen durcheinander. So fallen alle Verbindungen von und zu den Halligen aus, wie die Wyker Dampfschiffs-Reederei auf ihren Internetseiten mitteilte. Des Weiteren wurden den Angaben zufolge für Freitagvormittag bis kurz nach 12.00 Uhr alle Verbindungen zwischen den Inseln und Dagebüll gestrichen.

Auf Amrum und Föhr fiel bereits am Donnerstag die Schule aus, da die besonderen Witterungsverhältnisse keinen gesicherten Schulweg zur Eilun Feer Skuul (EFS) in Wyk zuließen. An der Rüm-Hart-Schule in Wyk, an der Grundschule Föhr-Land und an der Öömrang Skuul auf Amrum fand ebenfalls kein Unterricht statt. Wie es am Freitag in den Schulen Schleswig-Holsteins weitergeht, wollte das Bildungsministerium nach eigenen Angaben am frühen Abend bewerten.

Einschränkungen im Busverkehr

Im Kreis Dithmarschen wird aus Sicherheitsgründen der gesamte Busverkehr am Freitag vorsorglich eingestellt. Das betreffe sowohl den Regionalverkehr im Kreis Dithmarschen als auch den Stadtverkehr Heide, teilte der Betreiber SVG Südwestholstein mit. Der Kreis Nordfriesland wies darauf hin, dass Verkehrsunternehmen den Busverkehr bei Gefahr durch das Wetter einstellen können. Es liege im Ermessensspielraum der Verkehrsunternehmen, ob ein sicherer Betrieb möglich sei, teilte der Kreis mit. 

Sturmflut an der Ostseeküste erwartet

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) warnte wegen des erwarteten Ostwinds vor einer Sturmflut. Die Warnung gilt ab Freitagabend. In der Kieler und der Lübecker Bucht werden bis etwa 1,10 Meter über dem Normalwert erwartet, in der Flensburger Förde sind es bis zu 1,25 Meter.

In Flensburg könnte der Wasserstand ausreichen, um an tiefer gelegenen Stellen knapp über die Kaikanten zu treten. In Lübeck beginnt das Wasser bei mehr als einem Meter die Straße Obertrave zu überschwemmen. Laut Definition beginnt an der Ostsee eine Sturmflut ab einem Wasserstand von einem Meter über dem Normalwert. An der Nordsee sind es 1,5 Meter. 

Neujahrsempfang abgesagt

Die Landesregierung sagte Ihren Neujahrsempfang in Tönning (Kreis Nordfriesland) ab. Die Wetterlage am Abend lasse eine sichere An- und Abreise der Gäste nicht zu, begründete die Landesregierung die Entscheidung. Sie hatte zu der ursprünglich für 17.30 Uhr geplanten Veranstaltung im Multimar Wattforum gut 200 Gäste erwartet aus den Konsularkorps, aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kirchen, Wissenschaft und Kultur.

Schnee und Frost bieten Rodelspaß, aber auch Gefahren

Der frische Schnee ermöglicht vielen Kindern in Schleswig-Holstein, ausgiebig auf den Hügeln im Land zu rodeln. Aber der Frost bringt auch Gefahren mit sich. In Mölln wurde ein Mädchen von Anwohnern gerettet, nachdem sie durch das Eis in einen Teich gebrochen war. Die Zwölfjährige kam mit starker Unterkühlung in ein Krankenhaus, wie die Polizei mitteilte. Für den Hund des Mädchens kam die Hilfe zu spät, er starb bei dem Unglück am Mittwochnachmittag im Wasser.

Beide waren den Angaben zufolge an der Anlegestelle des Schulsees in Mölln unterwegs. Das Kind konnte das Helferpaar noch durch Schreie auf sich aufmerksam machen. Der Mann zog das schon fast vollständig untergegangene Mädchen aus dem See.

© dpa-infocom, dpa:260108-930-514913/2

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