Schnellere Vergaben gefordert – Luftfahrtfirmen unter Druck

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsstaatssekretärin Julia Carstens (CDU) fordert schnellere Vergabeverfahren. (Archivbild) Frank Molter/dpa
Schleswig-Holsteins Wirtschaftsstaatssekretärin Julia Carstens (CDU) fordert schnellere Vergabeverfahren. (Archivbild) Frank Molter/dpa

Norderstedt (dpa/lno) –

Schleswig-Holsteins Landesregierung fordert schlankere und schnelle Vergabeverfahren für die norddeutsche Luftfahrtindustrie. «Angesichts der militärischen Bedrohung durch Russland steht nicht nur unsere maritime Verteidigungsindustrie vor neuen Anforderungen, sondern auch die mehreren hundert Betriebe der Luft- und Raumfahrt», sagte Wirtschaftsstaatssekretärin Julia Carstens der Deutschen Presse-Agentur. Rund 180 Fachleute aus Firmen, Forschungseinrichtungen sowie aus Politik und Verwaltung werden am Nachmittag (14.00 Uhr) auf dem 9. Norddeutschen Luftfahrtforum in Norderstedt bei Hamburg erwartet.

«Unser Ziel muss sein, die vom Bund bereitgestellten zusätzlichen Milliarden für Verteidigung sowohl zur See als auch in der Luft so schnell wie möglich in moderne und zeitgemäße Rüstungsgüter umzusetzen», sagte Carstens. Thema in Norderstedt sind auch die Auswirkungen der neuen europäischen Sicherheitslage auf die Perspektiven für Luft- und Raumfahrtunternehmen.

«Unsere Betriebe tragen mit ihren Gütern und Dienstleistungen einerseits zur sicherheitspolitischen Resilienz Deutschlands bei, andererseits zur industriellen Stärke und damit zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit», sagte Carstens. Dafür bräuchten sie bessere Finanzierungsmöglichkeiten, verlässliche Exportgenehmigungen und mehr Gleichklang bei den europäischen Rüstungsexportbestimmungen.

Planungsbeschleunigung

Carstens zeigte Verständnis für Unternehmen, die mit Blick auf das Gesetz zur beschleunigten Planung und Beschaffung für die Bundeswehr den künftigen Wegfall von Einzellosen beklagen. «Aber in Anbetracht der derzeitigen politischen und militärischen Konfliktsituationen muss es uns gemeinsam in erster Linie darum gehen, die Bundeswehr schnellstmöglich verteidigungsfähig zu machen.» Sie riet kleinen und mittleren Betrieben, sich als Bietergemeinschaft oder in Kooperation mit großen Unternehmen an Ausschreibungen zu beteiligen.

Den fünf norddeutschen Küstenländern Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern komme allein schon aufgrund ihrer Lage als Brückenkopf zu den baltischen und skandinavischen Staaten eine Schlüsselrolle zu, sagte Carstens. «Und alle fünf Länder verfügen über eine hohe Zahl großer wie kleiner innovativer Unternehmen der Verteidigungsindustrie.»

Während die knapp 100 schleswig-holsteinischen Betriebe nach Ministeriumsangaben zusammen rund 3.000 Menschen beschäftigen, gilt die Luftfahrtbranche in Hamburg mit 49.000 Beschäftigten den Angaben zufolge als weltweit drittgrößter Luftfahrt-Standort. «Allein die beiden größten Unternehmen Airbus und Lufthansa Technik beschäftigen 33.000 Menschen – darunter 2.000 Fachkräfte aus Schleswig-Holstein», sagte Carstens.

In Hamburg und den anderen Nordländern sei die Luftfahrt traditionell deutlich mehr als nur ein Wirtschaftszweig, sagte Carstens. «Sie ist – genau wie unsere Betriebe der maritimen Branche – ein gewaltiger Innovationstreiber und damit ein ganz wesentlicher Teil unserer wirtschaftlichen Basis in Norddeutschland.»

© dpa-infocom, dpa:260219-930-706301/1

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